Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sicherheit

Baupfusch im Krankenhaus

In der Balinger Klinik gibt es schwere Brandschutzmängel. Die Feuerwehr schiebt Dauerwache – wie schlimm das Problem ist, müssen Gutachten zeigen.

13.12.2017

Von MICHAEL WÜRZ

Die Klinik in Balingen: Lüftungsrohre nicht ordnungsgemäß verputzt. Foto: Michael Würz

Balingen. Der Fall erinnert manchen an das Desaster beim Berliner Pannen-Flughafen BER – wie schlimm die Brandschutzprobleme im Balinger Krankenhaus wirklich sind, müssen aber erst noch Gutachten zeigen. Landrat, Kreisbrandmeister und Klinikleitung haben gestern mit einer Pressekonferenz auf die Recherchen unserer Partner-Zeitung „Zollern-Alb-Kurier“ reagiert. Wichtigste Botschaft, die Landrat Günther-Martin Pauli den Journalisten im Landratsamt mit auf den Weg geben wollte: „Es besteht kein Grund zur Beunruhigung.“ Kreisbrandmeister Stefan Hermann sprang Pauli mit einem deutlichen Bekenntnis zur Seite: „Wir können die Verantwortung übernehmen.“

Heikel ist das Thema dennoch: Seit einigen Tagen halten jeweils zwei uniformierte Feuerwehrleute im Schichtdienst rund um die Uhr Brandsicherheitswache im Balinger Krankenhaus. Grund dafür sind Bausünden in den Brandschutzwänden. Erste Mängel seien bereits im Oktober 2014 bei einer Routinekontrolle aufgeflogen, berichtete Pauli. Wie nun bekannt wurde, beschäftigt der Fall auch seit geraumer Zeit die Justiz. Die Öffentlichkeit wurde freilich nicht über die Probleme informiert. Man habe damit warten wollen, bis ein Teil der nun laufenden Ausbesserungsarbeiten abgeschlossen ist, sagte Pauli. „Wir wollten auch niemanden unnötig beunruhigen.“

Das Problem sitzt in den Wänden

Pauli räumte zugleich ein, noch nicht genau zu wissen, wie groß das Ausmaß des Baupfuschs überhaupt ist. Denn: In der gesamten Klinik müssen alle relevanten Wände überprüft, teilweise aufgerissen und gegebenenfalls ausgebessert werden – unter Aufsicht eines neuen Sachverständigenbüros und des Kreisbrandmeisters. Gleichwohl betonen die Verantwortlichen: Die Brandschutzklappen in der Lüftungsanlage funktionieren und sind vom Baupfusch nicht betroffen. Sie sorgen dafür, dass sich im Falle eines Brandes der Rauch nicht über die Lüftung ausbreitet. Das Problem hingegen sitzt in den Brandschutzwänden, von denen nicht klar ist, ob sie im Ernstfall dicht wären. Sie weisen erhebliche Mängel auf, die die Verantwortlichen den Journalisten gestern auf Fotos präsentierten. In zahlreichen Fällen sind Durchbrüche für die Lüftungsrohre durch die Mauern lediglich mit Isoliermaterial abgedichtet – nicht aber ordnungsgemäß verputzt, sodass im Falle eines Brandes möglicherweise Rauch in benachbarte Räume dringen kann. „Wir werden den Dingen nachgehen und tun alles dafür, um die Probleme zu beheben“, versicherte Pauli. „Ich ärgere mich natürlich schon sehr darüber.“ Die Klinik war in den Jahren vor 2015 umfassend gereralsaniert worden, dabei wurde auch der Brandschutz erneuert. Nun will der Landrat hart gegen gleich mehrere Baufirmen vorgehen, die die Sache zu verantworten hätten, möglicherweise aber auch gegen einen Sachverständigen der Dekra. Er hatte die Brandschutzwände nach dem Umbau seinerzeit abgenommen. Man prüfe auch strafrechtliche Aspekte der Angelegenheit, ließ Pauli gestern durchblicken. „Wir schauen uns die Paragraphen schon genau an.“ Im Rahmen einer Klage gegen eine der Baufirmen habe ein Sachverständiger, den das Landgericht Hechingen geschickt hatte, die aktuelle Situation Ende Oktober genau begutachtet – und empfahl erhöhte Wachsamkeit. Seitdem gibt es den Brandsicherheitsdienst in der Klinik.

Wie Kreisbrandmeister Stefan Hermann bestätigte, werden in den Feuerwehren der Region Freiwillige für den Dienst gesucht. Bereits heute zeichne sich ab, dass diese Situation – angesichts der zahlreichen Prüf- und Baumaßnahmen – mindestens bis ins Frühjahr andauern wird.

Gerhard Hinger, Geschäftsführer des Zollernalb-Klinikums, geht nicht davon aus, dass es durch die Bauarbeiten zu großen Beeinträchtigungen im Klinikbetrieb kommen wird.

Zum Artikel

Erstellt:
13. Dezember 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Dezember 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2017, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+