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Riedel Diegel spielte mit seiner Band Blues Delivery im Gönninger Lokschuppen: Endlich daheim

Baumwollblues für Samenhändler

Es war eine Heimkehr der besonderen Art: Am Freitag spielte Riedel Diegel mit seiner Band Blues Delivery im Gönninger Lokschuppen und damit im Heimatort des begnadeten, mittlerweile 49-jährigen Mundharmonika-Spielers. Der Sohn des einstigen Gönninger Bezirksbürgermeisters Rudolf Diegel übte als Kind in Gönningen Geige, brachte sich dort selbst das Klavierspielen bei, bevor er mit der Schwabenrock-Band Schwoißfuaß seine größten Bühnenerfolge als Mundharmonika-Spieler feierte. In Gönningen selbst war er allerdings mangels geeigneter Auftrittsmöglichkeiten bisher noch nie aufgetreten.

01.01.1970

GÖNNINGEN (haa). Erst der Lokschuppen mit seinem rührigen Kulturverein brachte den an das Rheinland verlorenen Sohn nun wieder nach Hause. Und fast alle waren gekommen: Verwandte alte Freunde, natürlich auch Alex Köberlein Kopf und Stimme von Schwoißfuaß tummelten sich in der mit mehr als 200 Leuten voll besetzten Fachwerkhalle, um den Weltmeister an der Bluesmundharmonika (Diegel erspielte sich 1989 in Trossingen diesen Titel) mit seiner Bluesband zu hören.

Ohne Schlagzeug aber dennoch mit viel Rhythmusgefühl spielten Blues Delivery den Blues aus Louisiana und Tennessy so klar und erfrischend, als hätten sie ihn selbst erfunden. Bluesklassiker wie Noah Lewis’ “Devil on the Woodpile” oder “Nothing but the Blues” von den Neville Brothers klingen nicht nachgespielt und nicht oldiemäßig, was sicherlich auch daran liegt, dass jeder der vier Musiker und die Sängerin Andrea Porten Instrument und Stimme erstklassig beherrscht.

Überhaupt können alle prima singen, was die eine oder andere Acapella-Version zeigt. Aber den mit Abstand größten Gänsehautfaktor hat doch Porten. Die blondgelockte Vokal-Artistin, die aussieht, als sei sie ohne Umwege einem amerikanischen Roadmovie entschlüpft, singt mindestens so gut wie Billy Holiday, von der die Band „Fine and Mellow“ interpretiert. Gänsehaut, wie gesagt.

Mehr Beifall kriegt dann nur noch Riedel Diegel, wenn er bei „Whammer Jammer“ etwa alle Register der Mundharmonika-Kunst zieht und ein beinahe 15-minütiges Solo in den dampfenden Lokschuppen bläst.

Es ist vor allem der frühe Country Blues der auf die emotionale Stärke der Mundharmonika setzt und die meisten der Stücke kommen auch aus dieser musikalischen Richtung. „Neulich in Aachen im Seniorenheim sind bei diesem Lied alle aufgesprungen und haben getanzt“, ruft die Sängerin vor einer Nummer, die beinahe schon Rockabilly ist. Und da kommt auch etwas Bewegung in den Lokschuppen, denn ob jung oder alt, Aachen oder Gönningen, Baumwollpflücker oder Samenhändler, der Blues ist doch immer derselbe und natürlich kam er auch am Freitag wieder an.

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01.01.1970, 12:00 Uhr
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