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Mammutbäume am Gomaringer Immenbühl

Baumriesen aus Königszeiten

Mitten im Wald zwischen Öschingen und Gomaringen wurzeln fünf kalifornische Riesenmammutbäume. König Wilhelm I. von Württemberg ließ Mitte des 19. Jahrhunderts die Baumsamen aus Nordamerika importieren und auch an die Forstämter im Land verteilen.

15.09.2009

Von Amancay Kappeller

Gomaringen / Öschingen. „Sequoiadendron giganteum“ lautet die korrekte botanische Bezeichnung für die kalifornischen Bergmammutbäume, die am Immenbühl auf Gomaringer Gemarkung stehen. Gigantisch sind sie auch: Vermutlich um 1870 gepflanzt, überragen sie alle umliegenden Bäume – vor allem Kiefern und Buchen – deutlich. Vor zwei Jahren seien die Mammutbäume bereits knapp 40 Meter hoch gewesen bei einem Stammdurchmesser von 120 bis 130 Zentimetern, weiß Revierförster Joachim Kern, der sie damals vermessen hat. „Normale“ Waldbäume im Umkreis hören dagegen etwa zwischen 32 und 35 Metern auf.

Versteckt im Wald wurzeln sie, die Baumriesen, und sind nur zu Fuß zu erreichen: Von dem schmalen, steilen Verbindungssträßchen zwischen Öschingen und Gomaringen – am Ortsausgang Öschingen Richtung Gönningen von der Reutlinger Straße links abgehend – führt ein Schotterweg in einer scharfen Rechtskurve geradeaus in den Wald. Vier der Bäume bilden am Rand der Lichtung, auf der auch eine Hütte mit Grillplatz steht, ein Quadrat. Der fünfte Mammutbaum steht etwas weiter unten abseits im Wald. Eine Pflanzschule des Landes Baden-Württemberg sei dort früher gewesen, erklärt Kern: Auf einer richtigen „Staatswaldinsel“ stünden die Bäume, umringt von den Gemeindewäldern von Gomaringen, Nehren und Öschingen. Es sei öfter so, dass auf den Arealen ehemaliger Baumschulen solche „Baumraritäten“ zu finden seien, sagt der Revierförster.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Mammutbäume bei Fürstenhäusern Mode: „Es war eine Zeitlang schick, sich Exoten zur Zierde in den Garten zu holen“, erklärt Kern. Um 1860 habe König Wilhelm I. von Württemberg – nach dem der Stuttgarter Tierpark „Wilhelma“ benannt ist – ein Pfund Mammutbaumsamen aus Nordamerika importieren lassen. Dieser war damals nur durch besondere Beziehungen erhältlich, wie nachzulesen ist: Alexander von Humboldt etwa brachte ihn von seinen Reisen für den Schlossgarten von Sanssouci nach Potsdam.

Aus der nach seinem Importeur benannten „Wilhelma-Saat“ entwickelten sich laut Überlieferung etwa 6000 bis 8000 Sämlinge: König Wilhelm ließ die Pflänzchen landesweit verteilen. Von diesen Bäumen existieren heute noch ungefähr 200 Exemplare im Land, von denen einige sogar schon knapp 50 Meter hoch sind. Etliche davon stehen im Stuttgarter Rosenstein-Park, wo die ehemalige Residenz Wilhelms I. war. Mammutbaum-Samen keimen nur schwer, weiß Förster Kern; manche Samen würden auch „überliegen“, also erst im zweiten oder dritten Jahr austreiben.

Die Zapfen öffneten sich zudem meist nur bei Hitze – „Verjüngung über Waldbrand“, wie in Amerika, sagt Kern. Davon kann auch der Hobby-Samensammler Christof Peter aus Bästenhardt ein Lied singen: Etwa 200 bis 400 Samen hat er in die Erde gesetzt, nachdem er die Samen aus den heruntergefallenen Zapfen „richtiggehend herausgeklopft hat“.

Nur sieben der Samen sind dann angewachsen. „Ein Jahr alt sind die Pflänzchen jetzt und zwischen fünf und zwölf Zentimeter hoch“, sagt Christof Peter. Noch passen die Mini-Mammutbäume in Blumentöpfe. Der 36-Jährige Bankkaufmann ist fasziniert von den Bäumen im Maxiformat: Unterwegs in Nordamerika habe er auch schon größere Exemplare gesehen, etwa in San Francisco im Stadtpark. Aber diese seien auch nur „mittelgroß“ gewesen.

Es gebe in Amerika jedoch Mammutbäume, die um die 90 Meter hoch seien und einen Stammdurchmesser von zehn Metern hätten, bei einem geschätzten Alter von 1500 bis 2000 Jahren, weiß der Samensammler. Blutjung sind dagegen die fünf Gomaringer Mammutbäume. Im wahrsten Sinne des Wortes „merkwürdig“ findet Peter sie. Man sehe sie sogar aus dem Wald herausragen, wenn man mit dem Zug von Dusslingen nach Mössingen unterwegs sei. Deshalb wundere es ihn auch, dass nirgends auf die Bäume hingewiesen werde, dass „nicht einmal eine Infotafel“ angebracht sei.

Lediglich kleine, dreieckige Blechschilder mit der Beschriftung „Naturdenkmal“, in die dicke, faserig-weiche rötliche Rinde genagelt, weisen die Bäume als etwas Besonderes aus. Diese Schilder habe die Naturschutzverwaltung angebracht, erklärt Förster Joachim Kern: „Die Mammutbäume haben damit den kleinsten Schutzstatus.“

Samensammler Christof Peter aus Bästenhardt vor den fünf Mammutbaumriesen im Gomaringer Forst. Sieben seiner Sämlinge sind angewachsen – noch passen die Mammut-Pflänzchen in Blumentöpfe. Bild: Franke

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Erstellt:
15. September 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. September 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. September 2009, 12:00 Uhr

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