Stuttgart

Bauern machen ihrem Ärger mit Traktoren in Stuttgart Luft

Mit zahlreichen Traktoren haben protestierende Bauern in Stuttgart ihrem Ärger über einen nach ihrer Ansicht unfairen Wettbewerb in der Agrarpolitik Luft gemacht.

05.03.2021

Von dpa/lsw

Traktoren stehen zu einem Protest auf einer Straße. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Stuttgart. Nach Angaben des Bündnisses „Freie Bauern“ nahmen mehrere Hundert Fahrzeuge aus ganz Baden-Württemberg teil.

Für importierte Lebensmittel sollten dieselben Produktionsstandards gelten wie für die heimische Landwirtschaft, forderte Thomas Frenk, der Landessprecher des Verbands „Freie Bauern“, am Freitag am Rande der Demonstration. „Wenn wir in Deutschland höchste Standards einhalten müssen in der Produktion, beim Insektenschutz oder der Düngung, dann muss das auch für Importe vorausgesetzt werden“, sagte er der dpa. Das sei in der Automobilbranche und bei Elektrogeräten der Fall, bei Lebensmitteln hingegen nicht.

„In unserer Branche reglementiert man vor Ort und kauft billig im Ausland ein“, sagte Frenk weiter. „Aber so exportieren wir unsere Umwelt- und Tierschutzprobleme nur ins Ausland.“ Neben Fairness bei den Standards müsse es zudem verpflichtend werden, die Herkunft des Produktes auf die Konserve oder Packung zu veröffentlichen.

Von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) erhielten die Bauern Rückendeckung: „Ich unterstütze die Forderung nach gleichen Standards“, sagte er. „Und klar ist auch: Wer in Europa seine Produkte verkaufen will, der muss auch nach unseren Standards produzieren.“ Beides müsse aber auf Bundes- und europäischer Ebene geregelt werden. „Im Land kämpfen wir dafür, dass hier endlich klare Vorgaben gemacht werden. Umsetzten müssen dies aber Berlin und Brüssel“, sagte Hauk.

Der Landesbauernverband zeigte sich dagegen zurückhaltend. Der Verband unterstütze die Demonstration ausdrücklich nicht, sagte eine Sprecherin. Allerdings seien die Ziele durchaus ähnlich. „Der Bauernverband fordert Transparenz durch eine flächendeckende Herkunftskennzeichnung“, sagte die Verbandssprecherin. Hohe Standards bei Produktqualität, Tierwohl und Verbrauchersicherheit führten zu hohen, aber notwendigen Kosten. Importe unterliefen diese Standards. „Um Transparenz herzustellen und bewusste Verbraucherentscheidungen zu ermöglichen, brauchen wir eine verpflichtende oder flächendeckend ungesetzte Haltungsform- und Herkunftskennzeichnung für Rohstoffe und für verarbeitete Produkte“, forderte sie.

Traktoren stehen während einer Demonstration von Bauern in der Innenstadt. Foto: Marijan Murat/dpa

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Erstellt:
5. März 2021, 13:04 Uhr
Aktualisiert:
5. März 2021, 13:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. März 2021, 13:30 Uhr

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