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Bauern leiden unter Preistief
Hitze und wenig Regen haben den Bauern in Deutschland dieses Jahr schwer zu schaffen gemacht. Entsprechend hoch fallen die Einbußen aus. Unser Bild entstand im August auf einem Maisfeld bei Manching (Bayern). Foto: Sven Hoppe / dpa
Landwirte beklagen die Marktmacht des Lebensmittelhandels

Bauern leiden unter Preistief

Die heimische Landwirtschaft setzt auf den Export. Derzeit bekommen die Bauern aber die Schattenseiten der internationalen Märkte zu spüren: Preise und Einkommen rauschen in den Keller.

09.12.2015
  • DPA

Berlin. Für ihre Kalkulationen genügt den Bauern längst nicht mehr der fachmännische Blick auf die Felder und in den Stall. Wie viel sie mit Getreide oder Milch und Fleisch verdienen können, richtet sich maßgeblich nach den internationalen Rohstoffmärkten.

Und die globalen Kursschwankungen schlagen gerade heftig ins Kontor: Nach Jahren mit ordentlichen Gewinnen sind die Preise, die die Landwirte erzielen können, großflächig abgestürzt. Da ärgert es viele Bauern, dass Lebensmittel in Supermärkten trotzdem teurer werden. "Derzeit tragen fast ausschließlich unsere Landwirte die Folgen schwankender und niedriger Agrarpreise", schimpft Bauernpräsident Joachim Rukwied.

Er macht keinen Hehl daraus, an wen er diese Kritik adressiert: Ernährungsindustrie und Handel könnten gerade zu Niedrigpreisen bei den Agrarproduzenten einkaufen. Zugleich habe sich aber der Abstand zwischen diesen Erzeugerpreisen und vielen Endpreisen im Laden deutlich vergrößert - zum Beispiel bei frischem Schweinefleisch, Milchprodukten oder auch Brötchen.

Was dahinter stecke, liege auf der Hand, moniert Rukwied, der auch Präsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg ist: Da seien Margen in Vermarktung und Handel ausgeweitet worden, so dass weniger bei den Landwirten ankommt. Begünstigt werde dies durch die Marktmacht der Handelsriesen in Deutschland. Diese "Schieflage" in der Wertschöpfungskette müsse korrigiert werden.

Auch Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat erst kürzlich an die gesamte Branche appelliert, sich gegen Risiken der schwankenden Märkte zu wappnen und ruinöse Preiskämpfe mit Nahrungsmitteln zu beenden. "Hier tragen der Lebensmitteleinzelhandel aber auch wir Verbraucher eine besondere Verantwortung." Tatsächlich sind die Zeiten von Nahrungsmitteln als Inflationsbremse schon seit einiger Zeit vorbei. Im November zog die Teuerungsrate laut Statistischem Bundesamt insgesamt leicht auf 0,4 Prozent an. Lebensmittel waren aber 2,3 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

Dabei verweisen Weiterverarbeiter und Einzelhandel regelmäßig auch darauf, dass sie ja nicht nur die Kosten für Rohstoffe einkalkulieren müssen, sondern etwa für Energie und Personal.

Die Bauern spüren auch, dass nicht sie es sind, die an wichtigen Preisschrauben drehen können. Ursachen des wohl bis ins neue Jahr andauernden Preistiefs liegen etwa in der schwächelnden Konjunktur vor allem in Schwellenländern in Asien. Berufskollegen der Milchbauern in den USA und Neuseeland haben ihre Produktionsmengen ausgeweitet, was die Preise verwässert. Und dann ist da immer noch der russische Agrar-Importstopp als Antwort auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise. Nicht nur Obst, das sonst nach Russland verkauft würde, kommt deswegen zusätzlich auf den hiesigen Markt. An der grundsätzlichen Ausrichtung auf Ausfuhren in wachsende Märkte will der Bauernverband trotzdem nicht rütteln.

Die Grünen kritisieren dagegen, so seien grundlegende Probleme der Agrarbranche nicht zu lösen. "Der Export-Fokus treibt unsere Landwirtschaft in eine ruinöse Sackgasse", warnt Fraktionschef Anton Hofreiter. Dies befeuere nicht nur das Höfesterben, sondern schade auch Tieren, Böden und Natur.

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09.12.2015, 08:30 Uhr
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