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Gasaustritt: Methan nur in geringer Dosis

Bauarbeiten am Scheibengipfeltunnel gehen weiter

Eine Woche lang standen die Maschinen am Nordportal des Scheibengipfeltunnels aus Sicherheitsgründen still. Trotz des Methangasaustritts gehen die Bauarbeiten inzwischen aber weiter. Zwei unabhängige Belüftungssysteme und Messgeräte sichern die Baustelle.

02.11.2012

Von Bernd Ulrich Steinhilber

Reutlingen. Die Konzentration war „sehr gering“, die Sorge aber, dass der Gasaustritt Menschen und Maschinen gefährden könnte, groß. Jedenfalls zog das Regierungspräsidium mit der „DMT Bergbau Service und Wettertechnik“ einen weltweit führenden Spezialisten für „Ausgasungen und Methangasbeherrschung“ als Krisenmanager hinzu.

Fast 20 Meter haben sich die Bautrupps bergmännisch im Haupttunnel vorangearbeitet. Den Gasaustritt entdeckten sie allerdings beim Rettungsstollen, wo derzeit noch offen gebaut wird. In einer Pfütze blubberten Bläschen, weshalb sofort gemessen wurde – ohne aber, dass die Gasmessgeräte etwas feststellten. Erst als man das Gas 30 Minuten mit einem Gefäß aufgefangen hatte, ermittelten die Geräte einen Wert, sagte Carsten Dehner von der Pressestelle des Tübinger Regierungspräsidiums auf Anfrage. Allerdings seien die vorhandenen Konzentrationen so gering, dass man nach Auskunft der DMT Bergbau hätte gefahrlos weitearbeiten können.

Dennoch sorgen jetzt zwei unabhängig voneinander funktionierende Belüftungssysteme dafür, dass sich im Tunnel keine Gasansammlungen bilden. Je zwei Lüfter stehen außerhalb der Röhre und führen Lüftungsleitungen bis zu der Stelle des Stollens, an dem der bergmännische Vortrieb erfolgt, heißt es in einer Mitteilung des Regierungspräsidiums vom Donnerstag.

Keine Gefahr für Mensch und Gebirge

Damit werden die Mineure ständig mit Frischluft versorgt. Im Haupttunnel haben die Lutten genannten Röhren einen Durchmesser von 1,60 Meter, was mit 62 Kubikmeter Frischluft pro Sekunde eine nahezu doppelt so hohe Lüfterleistung garantiert, wie „die zur Gasbeherrschung erforderliche“. Um allerdings ganz sicher zu gehen, werden zusätzlich stationäre und mobile Gasmessgeräte eingesetzt. Die Vorkehrungen dienten „hauptsächlich dem Schutz der Mineure und Bauarbeiter beim bergmännischen Tunnelbau“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Nicht in Gefahr sei die Standsicherheit des Gebirges und der Gebäude, die unterfahren werden. Die Anwohner des Wohngebietes bräuchten sich keine Sorgen zu machen.

Rauchen und offenes Feuer verboten

Für die Straßenbauabteilung des Regierungspräsidiums kam der Methangasausbruch überraschend. Weder bei den Erkundungsbohrungen vor Beginn der Tunnelarbeiten noch beim Bohren des Rohrschirms (einer Vorkehrung bei instabilem Fels, um den Vortrieb zu sichern) sei Methangas festgestellt worden. Auch bei den 25 Meter tiefen Bohrungen für Verbauträger und Anker hätten die Gaswarngeräte nicht angeschlagen. Rauchen und offenes Feuer war dennoch von Anfang an verboten.

Wie in der Diensttagausgabe dargestellt, haben die Reutlinger schon im 18. Jahrhundert im „Goldloch“ an der Achalm Erfahrungen mit dem Methangas gemacht, wobei, wie das Heimatbuch berichtet, ein Bergmann jämmerlich verbrannt sein soll. Auch beim „Goldloch“ emittierte der Posidonienschiefer das Methangas, das über Klüfte und tektonische Störungen nach oben steigt. Die Baustelle des Tunnels befindet sich zirka hundert Meter über dieser von Opalinuston zugedeckten Schicht.

Fast 20 Meter weit haben sich die Mineure in den Scheibengipfel vorgearbeitet. Weil in einer blubbernden Pfütze Gas feststellt wurde, standen die Maschinen aber erst einmal still. Inzwischen wird am Nordportal der Reutlinger B312-Ortsumgehung wieder gebaut. Bild:Haas

Methangas ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Kohlenwasserstoffe: Es ist farblos, geruchlos, und es ist ungiftig, dazu leichter als Luft, weshalb es nach oben steigt. Außerhalb eines Tunnels, wie zunächst beim Scheibengipfel, wird Methangas häufig gar nicht wahrgenommen. Innerhalb des Tunnels sammelt es sich aber an der Tunneldecke und bildet eine Gefahr für die Mineure. Methan verbrennt an der Luft mit bläulicher, nicht rußender Flamme und kann explosionsartig mit Sauerstoff reagieren. Immer wieder werden Grubenunglücke durch Methan ausgelöst.

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Erstellt:
2. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
2. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. November 2012, 12:00 Uhr

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