Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
„Ich lasse die Vergangenheit ruhen“

Basketball: Interview mit Ex-Tigers-Trainer McCarthy

Seit dem Hinspielerfolg gegen Tübingen sind die Basketballer der TBB Trier völlig aus der Spur geraten. Nach 15 Pleiten in 16 Spielen soll Aaron McCarthy den Abstieg verhindern. Vor dem Auftritt in Tübingen am Samstag (17.40 Uhr/live im DSF) sprach der ehemalige Tigers-Trainer mit dem TAGBLATT.

26.03.2010
  • HANSJÖRG LÖSEL

TAGBLATT: Hallo Herr McCarthy, wie geht es Ihnen?

Aaron McCarthy (48): Ganz gut, obwohl ich ziemlich müde bin. Ich habe nach meiner Zeit in China gerade erst den Umzug meiner Familie nach Salt Lake City hinter mir, bin jetzt eine Woche in Trier.

Welche Erfahrungen haben Sie in China gesammelt?

Es ist eine ganz neue Welt, eine völlig andere Mentalität. Ich war acht Monate dort, habe in der Sommer-Liga die Meisterschaft gewonnen und bin dann nach Fujian gegangen. Als Trainer ist es aber sehr schwierig in China, der Einfluss der Präsidenten ist riesig. Die Liga ist sicher nicht schlecht, NBA-Spieler wie Stephon Marbury sind jetzt dort – aber sie haben noch einen weiten Weg vor sich. Außerdem war ich sehr lange von meiner Familie getrennt, deshalb wollte ich im Februar nicht mehr weiter machen. Und dann war ich auch schon entlassen (lacht).

Wie kam dann der Kontakt nach Trier zustande?

Manager Lothar Hermeling hat mich angerufen und mich schnell überzeugt. Die Trierer wollen unbedingt in der Bundesliga bleiben, obwohl mit 15 Niederlagen in 16 Spielen alles schief ging, was schief gehen konnte. Aber ich beschäftige mich nicht damit, was bisher passiert ist. Wir müssen jetzt versuchen, die Mentalität zu ändern und positiv zu denken. Das ist mein Job.

Ist die Situation aktuell in Trier vergleichbar mit der in Tübingen, als Sie im Januar 2006 die Tigers übernommen haben?

Schon, aber es gibt einen großen Unterschied: Als ich damals für Pat Elzie nach Tübingen gekommen bin, hatte ich noch 14 Spiele Zeit, um etwas zu ändern – jetzt bleiben mir gerade mal noch fünf Spiele. Der Druck ist gewaltig. Wunder darf man keine erwarten, aber wir haben auch nach dem Spiel in Tübingen noch genügend Chancen.

Können Sie sich vorstellen, längerfristig in Trier zu bleiben?

Darüber haben wir nicht gesprochen. Ich habe einen Vertrag bis Saisonende, dann sieht man weiter. Ich habe auch Optionen in China.

Ihr erstes Auswärtsspiel ist ausgerechnet in Tübingen, wo Sie vor zwei Jahren entlassen worden sind. Mit welchen Gefühlen werden Sie die Paul-Horn-Halle am Samstag betreten?

Ich lasse die Vergangenheit ruhen, es ist jetzt ja auch alles schon eine Weile her. Ich habe viele schöne Momente in Tübingen erlebt, wir haben eine großartige Saison gespielt, mit 17 Siegen die beste der Vereinsgeschichte und die Playoffs nur knapp verpasst. Du kannst es als Trainer nie jedem Fan recht machen, aber wir hatten oft 3000 Zuschauer in der Arena. Mir hat es in Tübingen gefallen, auch meiner Familie – deshalb sind wir ja auch nach meiner Zeit als Coach noch in der Stadt geblieben. Ich habe immer noch Freunde hier, wie zum Beispiel Harald Prinz.

Aber es gibt auch bittere Erinnerungen?

Natürlich, besonders an den Weihnachtstag, als das Telefon klingelte und ich entlassen wurde, während meine Kinder gerade die Geschenke auspackten. Aber so ist es im Sport – das ist für mich jetzt auch abgehakt.

Haben Sie die weitere Entwicklung der Tigers verfolgt?

Überhaupt nicht. Ich hatte in China genug um die Ohren, da hatten wir oft alle zwei Tage ein Spiel, und bei den Auswärts-Reisen manchmal Acht-Stunden-Flüge. Deshalb habe ich den europäischen Basketball nicht mehr verfolgt. Außerdem wurde das Internet in China zensiert, auch E-Mails.

Sie haben Igor Perovic gecoacht – hätten Sie erwartet, dass er so schnell Erfolge als Trainer feiert?

Ich hatte immer das Gefühl, dass er eines Tages ein guter Trainer werden würde. Es ist für jeden Coach wichtig, dass er ein gutes erstes Jahr hinlegt, und das ist Igor gelungen. Tübingen spielt eine normale Saison, das Team steht da, wo es hingehört.

Die Trainer-Karriere von Aaron McCarthy

Der 48 Jahre alte Aaron McCarthy kam im Januar 2006 als Nachfolger von Pat Elzie zu den Walter Tigers Tübingen. Der US-Amerikaner schaffte den Verbleib in der ersten Liga und hatte 2006/2007 seine beste Saison bei den Tübingern: Mit 17 Siegen kamen die Tigers auf die beste Erstliga-Bilanz der Vereinsgeschichte. In der darauf folgenden Saison blieb das Team aber hinter den Erwartungen zurück – nach einer Heim-Pleite gegen Göttingen musste McCarthy an Weihnachten 2007 gehen. Nach einem Engagement in China heuerte der Amerikaner vorige Woche in Trier an. Zuvor hatte McCarthy Teams in Belgien, Finnland und den damaligen Erstligisten Würzburg gecoacht. McCarthy ist verheiratet und hat drei Kinder.

hdl

Basketball: Interview mit Ex-Tigers-Trainer McCarthy
Aaron McCarthy und Igor Perovic: Der Spielmacher galt in Würzburg und Tübingen als der verlängerte Arm des Trainers auf dem Spielfeld – am Samstag messen sich die beiden erstmals als Coaches, wenn der Amerikaner mit seinem neuen Team TBB Trier in Tübingen gastiert. Archivbild: Ulmer

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

26.03.2010, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 
Video-News: Fußball
Diese Funktion wurde deaktiviert.

Um das neue Messenger-Widget zu nutzen, besuchen Sie bitte tagblatt.de/whatsapp.
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Schwitzkasten
Schwitzkasten

Ob die weltweit wohl meistgesehene Tipp-Runde für die Fußball-Landesliga oder die beliebte "Elf der Woche" - für solche Formate gibt es den "Schwitzkasten" der TAGBLATT-Sportredaktion.
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular