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Die ausgelassene Apokalypse

Barbara Bosch hat sich des Maya-Kalenders angenommen

Beim diesjährigen Neujahrsempfang der Stadt herrschte Weltuntergangsstimmung. Ein Umstand, den die etwa 800 Besucher/innen gelassen zu nehmen wussten. War er doch nicht den schlechten Aussichten geschuldet, sondern vielmehr einem rhetorischen Stilmittel der Oberbürgermeisterin. Barbara Bosch hatte ihre Ansprache mit Anspielungen an den Mayakalender geimpft.

07.01.2012

Von matthias stelzer

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Auftritt Naturtheater

Auftritt Naturtheater

Erbe

Hillebarnd mit Gattin.

Turmbläser

Reutlingen. Es war der letzte Neujahrsempfang im Reutlinger Rathaus. Nicht, weil der astronomische Kalender der Mayas für Dezember 2012 den Weltuntergang vorhersagt. Nein, der Grund steht einen strammen Steinwurf entfernt auf dem Bruderhausgelände: die Stadthalle. In ihr, der die Oberbürgermeisterin wieder den einen oder anderen Werbeblock gewidmet hatte, will Barbara Bosch die Bürger an Dreikönig 2013 empfangen. „Ich bitte um ihr Verständnis, dass man hier kurz vor dem Weltuntergang noch stehen muss“, scherzte sie.

In ihrem Rück- und Vorausblick machte die OB dann erstmal einen Schlenker über die arabischen Paläste und die Regierungszimmer der von der sogenannten Eurokrise gebeutelten Länder. „Für viele Menschen war das letzte Jahr zwar kein Weltuntergang, dafür reich an Kata strophen.“ Selten sei binnen zwölf Monaten so viel „Unvorhergesehenes“ passiert, meinte Bosch und zählte – genau in dieser Reihenfolge – den Tsunami in Japan samt Fukushima-Havarie, die Energiewende in Deutschland, die erste grün-rote Landesregierung und die Volksabstimmung über Stuttgart 21 auf.

Während die Oberbürgermeisterin vor einem Jahr mit Blick auf die für S 21 eingeforderte Bürgerbeteiligung noch den Begriff des „Mutbürgers“ geprägt hatte, warnte sie gestern vor den „Nimbys“. Diese Abkürzung steht für „Not in my backyard“ („Nicht in meinem Hinterhof“) und meint jene, die im Zweifel ihr Interesse vor das der Allgemeinheit stellen. Bosch: „Mit Nimbys bringen wir unsere Gesellschaft nicht voran.“

In der Stadt will die Verwaltungschefin neben der „Halle für alle“ 2012 vor allem die Themen Stadthallenhotel, Theaterzentrum in der Planie, Achalmhotel, Stadtentwicklung City Nord, Regionalstadtbahn, Klimaschutzkonzept und Verkehrsentwicklungsplan vorantreiben. Anders als es ein übers Internet bestellbares „Survival-Kit“ (Überlebenspaket) für den bevorstehenden Weltuntergang vorsieht, will Barbara Bosch diese Aufgaben nicht mit einem Solarradio, Stirnlampe und Klappspaten antreten, sondern mit den drei Kantschen Dingen gegen die Mühseligkeiten des Lebens: „die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen“.

Trude Heck bekam beim gestrigen Neujahrsempfang die städtische Verdienstmedaille, weil sie sich seit über 70 Jahren im Naturtheater engagiert. Bild: Haas

Bei so viel Ausgeglichenheit und in Anbetracht der ausgelassen Stimmung des Empfangs, der musikalisch von den Marienkirchen-Turmbläsern umrahmt wurde, wunderte es dann, dass die OB sich beim Neujahrswunsch auf die untergehende Titanic begab. Sie wünschte nicht nur eine gesundes, sondern auch ein glückliches Jahr: „Die Menschen auf der Titanic waren vermutlich alle gesund, aber Glück hatten sie keines.“

Und da passte es prima, dass anschließend Lieder aus dem Musical „Der kleine Horrorladen“ zu hören waren. Julia Coolens und Sascha Diener vom Naturtheater sangen sie – zu Ehren der Bürger (siehe Kasten), die gestern die Verdienstmedaille der Stadt bekamen.

Weil sie sich in vorbildlicherweise fürs Gemeinwesen der Stadt Reutlingen einsetzen, ehrte OB Barbara Bosch gestern vier Personen:

Trude Heck ist seit unglaublichen 70 Jahren fürs Naturtheater aktiv. Schon als kleines Mädchen stand sie auf der Bühne im Wasenwald. Später führte sie Regie beim Kindertheater, kümmerte sich federführend um die Maske und leitete die Schneiderei samt Kostümverleih. Und weil sie auch gerne singt, stärkt Heck seit 1949 den Sopran der Chorgemeinschaft des Naturtheaters mit der St.-Wolfgang-Gemeinde.

Auch schon seit vielen Jahren ist Rita Singer ehrenamtlich aktiv. Sie ist beim Kinderschutzbund, bei „Pro Juventa“ und bei der Opferschutz-Organisation „Weißer Ring“ engagiert. Außerdem arbeitet Singer im Arbeitskreis Obdachlose und im Leitungskreis der Reutlinger Vesperkirche mit.

Bei Letzterer kennt sich auch Ewald Rilling aus. Der Oferdinger ist aber nicht nur bei der Speisung in der Citykirche dabei, er fährt auch ganzjährig für die Reutlinger Tafel die Großmärkte ab und ist in seinem Heimatflecken als Biotop-Pfleger und Umweltfreund bekannt. Rilling, der bis letztes Jahr auch baden-württembergischer Naturschutzwart war, kümmert sich vor allem um die Flora und Fauna am Neckar und seiner Zuflüsse – Reichenbach und Erlenbach.
Mit der Fauna beschäftigt sich auch Werner Henne – allerdings nicht mir der heimischen. Ihm haben es Schlangen, Leguane und chinesische Feuerbrandmolche angetan. Henne ist seit 1969 im Vorstand des Reutlinger Vereins Exotarium und kümmert sich um die „Mini-Wilhelma“ in der Pomologie – Futterdienste und Fahrten zum Tierarzt inklusive. Kommentar: Die Botschaften der Verschwiegenheit 07.01.2012

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Erstellt:
7. Januar 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Januar 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Januar 2012, 12:00 Uhr

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