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Wahlbeteiligung bei 23,8 Prozent

Barbara Bosch gewinnt OB-Wahl mit 85,6 Prozent

Eine niedrige Wahlbeteiligung war erwartet worden, ebenso ein klarer Sieg für die Amtsinhaberin Barbara Bosch. Dass Andreas Stollberg 12,3 Prozent der Stimmen holte, überraschte dann doch, indes Bosch das Ergebnis als Bestätigung ihrer Arbeit wertete.

07.02.2011
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Reutlingen. Gerade mal 19.455 Stimmen von knapp 24 Prozent der wahlberechtigten Reutlinger wurden am Sonntagabend in 86 Wahlbezirken ausgezählt. Entsprechend rasch lag das Ergebnis vor. 18.30 Uhr fehlte noch die Hochschule. Ohne dass sich eine Änderung abgezeichnet hätte, wurde das Endergebnis schließlich um 18.38 Uhr auf der Leinwand im Rathaus bekannt gegeben. Knapp über hundert Gäste hatten sich dort bis zu diesem Zeitpunkt eingefunden: Bürger, Gemeinderäte aller Fraktionen, Bürgermeister, die Landtagsabgeordneten Dieter Hillebrand, Hagen Kluck und Nils Schmid.

Schon das erste Chart von neun Bezirken spiegelte fast punktgenau das Ergebnis wieder: 85,2 Prozent für Bosch, 12,9 Prozent für Stollberg, 2,1 Prozent (388 Stimmen) für Sonstige – derweil sich die Gratulanten mit Blumensträußen in Position brachten. Zwei von der SPD für Bosch und ihren Ehemann Friedemann Kuhn, einen von der FWV, einen weiteren von der FDP, und zuvor schon einen von der Ersten Bürgermeisterin Ulrike Hotz, als sie um 18.43 Uhr das Wahlergebnis bekannt gab.

Erst jetzt betrat Bosch mit ihrem Ehemann unter kräftigem Beifall und Bravorufen das Foyer, schwang sich auf das kleine Podest und begann ihre frei gehaltene Rede mit Dankesworten an die Wähler, „die sich ihr demokratisches Wahlrecht nicht haben nehmen lassen“, dankte den Wahlkämpfern und -helfern und widmete dann den Großteil ihrer Ansprache der Wahlbeteiligung.

Tatsächlich habe sie gar nicht mit mehr gerechnet, wo doch in Baden-Württemberg bei solchen Konstellationen 28 Prozent der Bürger ihre Stimme abgeben, weniger noch in Großstädten. „Das Ergebnis überrascht und verbittert mich nicht.“ Im Gegenteil schätze sie die Mehrheit der Nichtwähler als zufriedene Bürger ein. „Ich sehe das Ergebnis als Bestätigung meiner Arbeit“, und verstehe es Auftrag, sich weiterhin „mit Engagement“ einzusetzen.

Die mehrfach von Beifall unterbrochene Rede schloss Bosch mit einer politischen Bewertung ihrer achtjährigen Amtszeit: Dass es gelungen sei, Unterstützung aus allen Lagern zu bekommen, „ist etwas ganz Außergewöhnliches“, so die 52-jährige Amtsinhaberin. Auch sei es gelungen, die Kluft zwischen Kernstadt und Stadtbezirken zu überwinden, sagte sie, und ging am Ende ihrer Ansprache ein weiteres Mal auf die Wahlbeteiligung ein: „Ich finde es schade, dass Menschen ihr demokratisches Wahlrecht nicht in Anspruch nehmen.“

Das war auch der Tenor unserer Umfrage. Von einem „Armutszeugnis“ sprach SPD-Kreisvorsitzender Sebastian Weigle, „wenn ich sehe, dass man in anderen Ländern für Demokratie sein Leben einsetzt“. Nicht ganz so dramatisch drückte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Helmut Treutlein aus: Reutlingen werde seit acht Jahren weniger von Honoratioren, dafür aber mehr von den Bürgern regiert. „Sie sollten diese Politik erwidern, indem sie zur Wahl gehen.“ Überhaupt sei es der OB gelungen, die verschiedenen Strömungen in der Stadt zusammenzuführen. – „Toll, was Bosch erreicht hat“, kommentierte Fraktionsvorsitzender Jürgen Fuchs (FWV) deren erste Amtszeit, gab sich aber sogleich „enttäuscht und traurig“ über die Wahlbeteiligung. „So etwas habe ich in 50 Jahren Kommunalpolitik noch nicht erlebt.“ Von einer „Riesenenttäuschung“ sprach auch Stadtrat Werner Schobel (WiR) „angesichts dessen, was wir gerade in Ägypten erleben.“ Offenbar hätten „die Reutlinger den Begriff von Freiheit verloren“. Und mit einem Augenzwinkern: „Es hat mich gefreut, dass Stolberg kandidiert hat.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas vom Scheidt wartete bereits mit einer konkreten Analyse des Wahlergebnisses auf: „Die auffällig niedrige Wahlbeteiligung und das zweistellige Ergebnis von Stollberg zeigen, dass es auch kritische Einstellungen in der Stadt gibt.“ Vom Scheidt machte dafür die „Verkehrssituation, den fehlenden Anschluss der Dietwegtrasse an den Scheibengipfeltunnel sowie ausbleibende Investitionen in den Bestand“ verantwortlich. Vor allem aber empfänden manche durchaus, dass gegenüber der Kultur andere Bereiche vernachlässigt werden.

Der ehemalige Verkehrsminister Hermann Schaufler (CDU), der sich als aktiver Bosch-Unterstützer im Wahlkampf hervorgetan hat, sprach von einer „überwältigenden Anerkennung für das, was Barbara Bosch getan hat“. Freilich könne man mit der Wahlbeteiligung nicht zufrieden sein. „Darunter wird die Demokratie an anderer Stelle leiden.“ Allerdings dürfe sich die OB 80 Prozent der Nichtwähler zurechnen. Nach wie vor sieht es Schaufler für richtig an, dass die CDU keinen Bewerber aufgestellt habe. „Die Parteien müssen nicht immer jemanden bringen, wenn jemand seine Arbeit gut gemacht hat.“ Auch ein guter CDU-Kandidat hätte es gegen Bosch nicht geschafft. Und man sollte „sieben Wochen vor der Landtagswahl nicht die Niederlage suchen!“

Als Unterstützer von Bosch hat sich auch der ehemalige Reutlinger Grünenstadtrat Christoph Joachim hervorgetan. „Schade für die Demokratie“, sagte auch er. Bosch habe wirklich mehr Stimmern verdient, wenn man sehe, wo die Stadt vor acht Jahren stand. „Statt Mehltau haben wir heute Aufbruchstimmung.“ Wenig überrascht vom Ergebnis zeigte sich Stadtrat Rainer Buck (Grüne). „Verwundert“ war er jedoch über das Abschneiden von Stollberg. „Der hat kein zweistelliges Ergebnis verdient.“

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Barbara Bosch gewinnt OB-Wahl mit 85,6 Prozent
Barbara Bosch, die haushohe Siegerin des gestrigen Tages: „Ich finde es schade, dass Menschen ihr demokratisches Wahlrecht nicht in Anspruch nehmen.“ Bild:Haas

Barbara Bosch gewinnt OB-Wahl mit 85,6 Prozent

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07.02.2011, 12:00 Uhr
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