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Baracke als Mahnmal
Für Zwangsarbeiter einer Fassfabrik in Schwäbisch Hall wurde jene Baracke errichtet, die jetzt im Hohenloher Freilandmuseum zu sehen ist. Foto: Hans Georg Frank
Unterkunft für Zwangsarbeiter steht in Wackershofen

Baracke als Mahnmal

Mehr als 170 Gebäude aus sechs Jahrhunderten stehen in den sieben Freilandmuseen. Den Neuzugang in Hohenlohe gibt es nur einmal - eine Baracke für Zwangsarbeiter aus der Zeit des Nationalsozialismus.

19.03.2016
  • HANS GEORG FRANK

Schwäbisch Hall. Michael Happe, Leiter des Hohenloher Freilandmuseums, sieht als eine der wichtigsten Aufgaben, "dem Vergessen und Verdrängen entgegenzuwirken". Daher ließ er "an prominenter Stelle" ein Gebäude aufstellen, mit dem direkt neben dem Eingang die Unterdrückung und Ausbeutung durch das Hitler-Regime gleichsam ein Mahnmal bekommen hat. Erstmals kann in einem deutschen Freilichtmuseum jetzt eine Baracke für Zwangsarbeiter besichtigt werden.

Der Zweckbau war 1943 neben der Fassfabrik Kurz im Haller Stadtteil Hessental aufgestellt worden. 300 Männer und Frauen mussten dort gegen ihren Willen schuften. Sie gehörten damit zu jenen 13 Millionen Zwangsarbeitern, die im Deutschen Reich jene Arbeitskräfte ersetzten, die als Soldaten an der Front waren. Zwangsarbeit sei "eine der wichtigsten Säulen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft" gewesen, erklärt Happe, "und eine Voraussetzung dafür, dass die NS-Kriegsmaschinerie ihre Aggression gegen viele Staaten und Völker Europas richten konnte".

Die graue Baracke sei das am meisten in Serie gefertigte Bauwerk Europas gewesen. Auch in Konzentrationslagern standen solche Behelfsbauten. Der Reichsarbeitsdienst ließ die einheitlichen Elemente nach seinen Bedürfnissen produzieren. Je nach Standort konnten mehrere Einzelteile zusammengefügt werden.

In der Hessentaler Version standen in jedem Raum 18 Stockbetten, die von Schichtarbeitern doppelt belegt wurden, fand Paula Lutum-Lenger vom Haus der Geschichte heraus: "Es herrschte eine drangvolle Enge, im Sommer stickig, im Winter kalt." Einen persönlichen Bereich habe es nicht gegeben: "Man sieht alles, man riecht alles."

Thomas Schnabel, Chef des Hauses der Geschichte, das die regionale Historie der Zwangsarbeit erforschen ließ, möchte zeigen, "wie groß die Möglichkeiten gerade auch in einer Diktatur sind, ausgegrenzte und diskriminierte Menschen anständig zu behandeln oder zu schikanieren". Von Auschwitz sei wenig bekannt gewesen, über Dachau hätten Inhaftierte nicht reden dürfen. "Aber es gab keinen Ort, an dem es keine Zwangsarbeiter gab", betont Schnabel.

Auch die Unterscheidung nach Herkunft sei nicht verborgen gewesen. Franzosen, Belgiern, Niederländern sei es meist besser ergangen als so genannten slawischen Untermenschen. Wer malträtiert worden sei, habe sich nach Kriegsende oft gerächt, wer anständiger behandelt wurde, habe Bauernhöfe geschützt. Schnabel sieht die Baracke und die Ausstellung als "wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung". Damit solle auch gezeigt werden: "Nichts wird unter den Teppich gekehrt."

In Wackershofen ist das Thema "Drittes Reich" bereits seit 2001 vertreten. In einem Bauernhof haben sich Juden und ein Deserteur versteckt. Sonntags hatten sich dort auch Zwangsarbeiter getroffen.

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19.03.2016, 08:30 Uhr
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