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Banken drehen vermehrt an der Gebührenschraube
Manche Banken heben die Gebühren für Überweisungen auf Papier an. Der Grund. Diese kosten viel Bearbeitungszeit. Foto: dpa
Reiche Sparkunden zahlen bei der Volksbank Gmund jetzt drauf – Experten raten notfalls zum Kontowechsel

Banken drehen vermehrt an der Gebührenschraube

Deutschlands Banken stehen unter Druck – und drehen an der Gebührenschraube für Privatkunden. Bei manchen werden Transaktionen teurer.

12.08.2016
  • DPA

Frankfurt. Die Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) belasten deutsche Banken schwer. Sie müssen sogar Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Dass einzelne Institute die Negativzinsen direkt an Privatkunden weitergeben, hält der Bankenverband zwar für unwahrscheinlich. Ganz auf eigene Rechnung nehmen können sie die Entwicklung aber nicht, manche erhöhen die Gebühren. Kommt nun eine Kostenwelle auf die Verbraucher zu? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Firmenkunden zahlen oft schon Strafzinsen für Bankeinlagen. Droht das jetzt auch Privatkunden? Michael Kemmer, Hautgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, glaubt nicht, dass Privatleute beim Sparen bald draufzahlen müssen: „Dafür ist der Wettbewerb zu hart.“ Gestern gab allerdings die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee bekannt, dass sie von reichen Sparern künftig Strafzinsen verlangt. Bankchef Josef Paul sagt: „Es geht nur um 139 Kunden, die 40 Millionen Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten parken.“ Der Bundesverband Deutscher Banken spricht von einem Einzelfall und sieht darin kein Signal. Die Raiffeisenbank Gmund verfährt so: „Die ersten 100 000 Euro sind frei. Die nächsten 100 000 kosten künftig 400 Euro im Jahr“, sagt Paul. Er hüte seit geraumer Zeit 40 Mio. EUR , die von einem Tag auf den anderen abgehoben werden könnten und die er nicht verwerten könne. „Die liegen bei mir auf dem Zentralbankkonto und verursachen 0,4 Prozent Kosten“, sagt der Bankchef. „Ich kann nicht für jede Million 4000 Euro hinlegen.“ Die Kosten gebe er nach dem Verursacherprinzip nun weiter.

Wie stark steigen die Kontoführungsgebühren? Die Finanzberatung FMH hat bei 77 Konten von 61 Banken, die regelmäßig untersucht werden, verglichen, wie sich die Konditionen in den vergangenen zwölf Monaten verändert haben. Demnach haben bis Ende Juli sechs Banken die Kontoführungsgebühren erhöht. Auf breiter Front steigen die Entgelte demnach aber nicht. „Wir sehen einige markante Änderungen“, sagt Frank-Christian Pauli, Finanzexperte des Verbraucherzentralen-Bundesverbands.

Wie sieht es bei Gebühren für einzelne Bankdienste aus? Hier steigen die Entgelte häufiger. So haben 19 Banken die Jahresgebühren für Kreditkarten erhöht. Fällig würden bis zu 40 EUR . Sieben haben mehr Geld für Überweisungen per Papier-Formular verlangt, ebenso viele Gebühren für EC-Karten eingeführt. Und bei fünf Instituten kosteten Überweisungen am Automaten in der eigenen Filiale zwischen 0,50 und 1,90 EUR . Pauli kritisiert komplexe Entgeltmodelle: Manche Banken vermarkteten Konten mit niedrigen Dispo-Gebühren, dafür sei dann aber die Kontoführung teurer. „Für Verbraucher wird es zunehmend schwierig, die Gebühren zu durchschauen.“

Warum erhöhen denn die Banken die Gebühren überhaupt? Sie stehen wegen der Niedrigzins-Politik der EZB unter großem Druck. Banken können Kundeneinlagen kaum noch rentabel anlegen und für von ihnen vergebene Kredite immer weniger Zinsen verlangen. Horten sie überschüssiges Geld bei der EZB über Nacht, zahlen sie überdies 0,4 Prozent Strafzinsen. „Banken sind derzeit froh, wenn sie keine neuen Einlagen bekommen“, erklärt Peter Barkow, der Gründer der Finanzberatung Barkow Consulting. Doch an Privatkunden könnten sie die Negativzinsen nur schwer weitergeben. „Daher weichen sie auf höhere Gebühren aus.“ Der Präsident des Sparkassenverbands, Georg Fahrenschon, forderte jüngst ein Ende der „Kostenlos-Kultur“ für Girokonten.

Sind nun massenhafte Preiserhöhungen zu befürchten? Die meisten Banken haben die Gebühren in den vergangenen zwölf Monaten nicht erhöht. Auch bei den Großinstituten Deutsche Bank und Commerzbank sind die Kontoführungsgebühren unverändert. Direktbanken bieten weiter kostenlose Girokonten an – ohne Filialen haben sie geringere Kosten, dafür bieten sie keinen persönlichen Service. Banken scheuten zu große Gebührensteigerungen, sagt Barkow.

Wie sollten sich Verbraucher verhalten ? Pauli empfiehlt Kunden, im Zweifel die Bank zu wechseln. Auch könnten sie Auffälligkeiten den Verbraucherzentralen oder deren Internetportal „Marktwächter Finanzen“ melden. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen prüft derweil die Gebührenerhöhungen. Nicht alle Entgelte seien gesetzlich zulässig, sagt Pauli und verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs gegen Kreditbearbeitungsgebühren.

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12.08.2016, 06:00 Uhr
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