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Bangen um Belgiens Meiler
Der belgische Reaktor Doel bläst weißen Dampf in die Luft. Unbedenklich sind die alten Atomkraftwerke dennoch nicht. Foto: afp / emmanuel dunand
Umweltministerin Hendricks beargwöhnt Atomkraftwerke im Nachbarland

Bangen um Belgiens Meiler

Es gibt Haarrisse und immer wieder Störfälle: Belgische Atom-Reaktoren sollen nicht deutschen Anforderungen entsprechen. Doch das Nachbarland hält an seinen Problem-Meilern fest. Nun wird geklagt.

03.02.2016
  • KNUT PRIES

Brüssel. Höflich sind sie miteinander umgegangen, engere Abstimmung wurde vereinbart. Aber in der Sache selbst - Wie sicher sind Belgiens betagte Atommeiler? - bleibt eine Kluft. "Bei der nuklearen Sicherheit gehen wir kein Risiko ein", sagt der belgische Vize-Premier Jan Jambon. "Wir folgen der Einschätzung unserer Aufsichtsbehörde FANC, und die hat bescheinigt, dass es sicher ist."

Barbara Hendricks (SPD), Bundesministerin für Umwelt und Reaktorsicherheit, sieht das anders, vor allem mit Blick auf die jüngst wieder hochgefahrenen Problem-Reaktoren in den Kernkraftwerken Tihange und Doel. "Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass diese beiden Reaktoren höchstwahrscheinlich nicht den Anforderungen entsprechen, die wir in Deutschland haben." Viel ändern kann sie daran freilich nicht.

Eine Dreiviertelstunde hat die Besucherin aus Deutschland in Brüssel mit Jambon und der Umweltministerin Marie-Christine Marghem gesprochen. In Belgien sind Regierung und Wirtschaft froh, dass die von Pannen geplagten Reaktorblöcke Tihange 2 und Doel 3 wieder in Betrieb sind, nach zwei Wintern voller Bangen, ob der Strom reicht. In Deutschland, insbesondere im Westen, macht man sich indes Sorgen wegen der 2012 entdeckten Haarrisse in der Ummantelung und der Störfälle, die auch nach dem Neustart nicht aufgehört haben. Insgesamt besteht der belgische Atompark aus sieben Reaktoren. Sie decken mehr als die Hälfte des nationalen Stromverbrauchs.

Am vergangenen Freitag haben die Ministerpräsidentinnen von NRW und Rheinland-Pfalz, Hannelore Kraft und Malu Dreyer, ihren Unmut in gemeinsamen Briefen an den belgischen Premier Charles Michel und an Hendricks artikuliert. Die Überprüfung reiche nicht aus, Kontroll-Intervalle von drei Jahren seien "zu lang". Grundsätzlich könne "nur die endgültige Abschaltung der von Rissbildungen befallenen Reaktorblöcke die Sicherheit in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gewährleisten", erklären die beiden SPD-Regierungschefinnen.

Die Lokalpolitiker in der Grenzregion Aachen wollen es nicht bei Worten belassen: Zehn Gemeinden sind entschlossen, vor dem belgischen Verwaltungsgericht zu klagen. Hendricks ist skeptisch. Natürlich könne sie den Verantwortlichen der Grenzregion nicht dreinreden. Aber das europäische Recht überlasse die Energieversorgung den einzelnen Staaten. "Es ist die nationale Souveränität Belgiens, für die Sicherheit zu sorgen."

Das ist mithin das vorläufige Bild der deutschen Gegenmaßnahmen gegen Belgiens Atomkurs: Gemeinden versuchen es vor Gericht, die Landesebene hat sich noch nicht festgelegt, der Bund will den Partner durch gutes Zureden dazu bewegen, beim Ausstieg aus der Kernenergie (nach bisherigem Stand für 2025 geplant) mehr Risikovermeidung zu betreiben. Obwohl die beiden Risiko-Blöcke abgeschaltet waren, sei ja der befürchtete Blackout in den beiden vergangenen Wintern ausgeblieben, argumentiert Hendricks. Da müsse es doch möglich sein, nicht alle Reaktoren bis zur Ziellinie zu fahren, sondern "den Übergang sanfter zu gestalten".

Jedenfalls sollen die Deutschen mehr Gelegenheit haben, den Belgiern auf die Finger zu sehen. Im Laufe des Februars wird in Berlin die Antwort auf 15 Fragen erwartet, die Experten des Bundesumweltministeriums an die belgische Aufsichtsbehörde gerichtet haben. Da geht es um Fertigungsqualität, Bruchzähigkeit, Fehlerfreiheit, Werkstoffzustand und beunruhigende "Wasserstofflocken, die schon bei der Herstellung entstanden sind". Anschließend soll eine ständige Zusammenarbeit organisiert werden, wie sie mit Frankreich und anderen Atomländern schon besteht. Und beide Seiten wollen sich auf "Kreuz-Inspektionen" bei der jeweils anderen ein eigenes Bild über den Zustand der Anlagen und die Sicherheitsvorkehrungen machen.

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03.02.2016, 08:30 Uhr
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