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Bande macht Millionen-Deals in Russland - Interpol sucht früheren Geschäftspartner
Begehrtes Schmuggelgut: Computertomographen. Foto: sudok1 / Fotolia.com
Fünfte Festnahme im Ausland

Bande macht Millionen-Deals in Russland - Interpol sucht früheren Geschäftspartner

Im Ausland hat die Polizei erneut ein Mitglied der Bande verhaftet, die von Neu-Ulm aus überteuerte medizinische Geräte an Kliniken in Russland verkauft hat. Dafür floss Schmiergeld in Millionenhöhe.

04.12.2015
  • PETRA LAIBLE

Ulm. 20 durchsuchte Wohnungen und Geschäftsräume, vier Verhaftungen - nach dem Großeinsatz gegen eine von Neu-Ulm aus international agierende Bande von Wirtschaftskriminellen vor rund einer Woche ist der Polizei nun ein weiterer Erfolg gelungen. Sie konnte nach einer zusätzlichen Durchsuchung ein fünftes Mitglied der verzweigten Bande festnehmen, dieses Mal „im europäischen Ausland“, wie Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai, Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg, auf Anfrage sagte.

Seit vier Jahren haben Polizei und Justiz die Verdächtigen im Visier. Die Bande soll über Jahre schmutzige Geschäfte in Russland gemacht und, wie berichtet, einen Schaden von mehr als 30 Millionen Euro angerichtet haben.

Den Beteiligten wird vorgeworfen, überteuerte medizinische High-Tech-Geräte - offenbar verschiedene Modelle von Computertomographen - zu Einzelpreisen von mehreren Millionen Euro nach Russland geliefert zu haben.

Um dort überhaupt an die Aufträge in staatlichen und privaten Kliniken zu kommen, flossen Schmiergelder in Millionenhöhe - in einem Fall nach Informationen der SÜDWEST PRESSE über 6,7 Millionen Dollar. Der Bande kam entgegen, dass die russische Regierung ein Konjunkturprogramm aufgelegt hatte, um die Gesundheitsversorgung voranzubringen.

200 Einsatzkräfte von Polizei, Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft waren am 23. November den Bandenmitgliedern auf der Spur. Sie durchsuchten 20 Wohnungen und Geschäftsräume im Großraum Ulm/Neu-Ulm, in München und Freiburg und in den Landkreisen Neu-Ulm, Günzburg, Forchheim (Bayern) und im Alb-Donau-Kreis. Akten und Computer wurden beschlagnahmt, außerdem Vermögen im Wert von über zehn Millionen Euro - Aktien, Gold, Bargeld und mehrere Autos der Premiumklasse.

Vier Mitglieder der Bande im Alter von 39 bis 64 Jahren wurden festgenommen. Gegen sie wird je nach Tat wegen banden- und gewerbsmäßiger Bestechung, bandenmäßiger Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Bestechlichkeit ermittelt. Der Haftbefehl gegen eine der Beschuldigten sei jedoch wieder außer Vollzug gesetzt worden, dafür habe diese eine Sicherheitsleistung zahlen müssen, teilte Nickolai mit. Weitere Details wollte er nicht nennen.

Der mutmaßliche Drahtzieher ist ein 52-jähriger, in Kasachstan geborener Geschäftsmann aus dem Landkreis Neu-Ulm. Ihm kam die Polizei im Zuge zurückliegender Ermittlungen wegen Bankrotts und Insolvenzverschleppung auf die Schliche. Der Unternehmer musste deshalb vor einigen Jahren in Untersuchungshaft, wurde aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Dann schlug eine Bank Alarm und meldete verdächtige Vorgänge.

Der 52-Jährige hat im In- und Ausland ein schwer überschaubares Firmennetz aufgebaut. Die Ermittler sprechen von Scheinfirmen und Scheingesellschaften. In Neu-Ulm sind etliche seiner miteinander verknüpften Firmen ansässig. Ihre Namen wurden immer wieder verändert, während Geschäftsführer und Prokuristen blieben oder in eines der Nachfolgeunternehmen wechselten. Für die Firmen existiert gerade mal eine Handvoll Adressen in Neu-Ulm, Umzüge ins Gebäude nebenan oder über die Straße sind gang und gäbe.

Einer der einstigen Geschäftspartner des 52-Jährigen ist ein ehemaliger Abgeordneter der Duma, des russischen Parlaments. Der 54-jährige Russe steht seit einigen Monaten auf der Fahndungsliste von Interpol, in Russland wurde er in Abwesenheit verurteilt und ist gesucht wegen Amtsmissbrauchs.

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04.12.2015, 08:30 Uhr
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