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Genügend Gedenken

Baisinger Ortschaftsrat lehnt Stolpersteine ab

Der Baisinger Ortschaftsrat legt die Verlegung von Stolpersteinen für die von den Nationalsozialisten umgebrachten Juden im Ort ab. Mit der Gedenkstätte Synagoge und dem jüdischen Friedhof gebe es bereits genügend andere Formen der Erinnerung an die jüdische Geschichte Baisingens.

10.12.2015

Baisingen. Mit dieser einmütigen Meinung schloss sich der Ortschaftsrat der Haltung des Fördervereins Synagoge Baisingen an. „Wenn in Baisingen vor jedem dritten Haus solche Steine verlegt würden, so wären es keine Stolpersteine mehr“, hatte Hubert Dettling, der Geschäftsführer des Fördervereins in einem Brief an Ortsvorsteher Horst Schuh geschrieben.

Dieser Satz beziehe sich natürlich lediglich auf den alten Ortskern, konkretisierte Dettling gestern im Gespräch mit dem TAGBLATT. 1596 waren die ersten Juden als Flüchtlinge aus vorderösterreichischen Gemeinden nach Baisingen eingewandert. Mitte des 19. Jahrhundert machten jüdische Familien ein Drittel der Bevölkerung des Dorfs aus.

1933 lebten noch über 80 Juden in Baisingen, weitere wurden laut Dettling in den folgenden Jahren zwangseinquartiert, nachdem die Nationalsozialisten andere Gemeinden bereits „judenfrei“ gemacht hatten. Über 60 jüdische Männer, Frauen und Kinder wurden bis 1942 aus Baisingen in die Vernichtungslager deportiert, nur blieben am Leben. Weiteren 60 bis 70 Menschen gelang die Flucht. Harry Kahn, der das KZ überlebte, kam zurück in sein Heimatdorf und stiftete 1948 ein Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof, auf dem die Namen von 53 Baisinger Juden vermerkt sind, die in den Lagern ermordet wurden.

Mit dem jüdischen Friedhof, dem Mahnmal, der Gedenkstätte Synagoge und der Laubhütte sei die jüdische Geschichte Baisingens im Ort „schon gut präsent“, sagte Ortschaftsrätin Ulrike Daub (Freie Liste) in der Sitzung am Dienstag. Zusätzliche Stolpersteine, wie sie der Künstler Gunter Demnig aus Frechen vergangenes Jahr in Rottenburg und zuvor in 954 anderen Städten und Gemeinden Deutschlands verlegte, seien nicht nötig, so Daub.

Roland Gölz (CDU) fügte hinzu, dass Stolpersteine im Pflaster vor den Häusern der von den Nazis verfolgten und umgebrachten Juden ein Problem für Menschen mit Rollatoren werden könnten. Dabei übersah er allerdings, dass die zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatten nicht über das Pflaster hinaus ragen, sondern eben verlegt werden.

Ortsvorsteher Horst Schuh wies darauf hin, dass Baisingen mit der Gedenkstätte Synagoge „ein Alleinstellungsmerkmal“ im Kreis Tübingen habe. In Baisingen gebe es regelmäßig Veranstaltungen zur Reichsprogromnacht und zum europäischen Tag der jüdischen Kultur; auch die Baisinger Laubhütte werde jedes Jahr im Herbst anlässlich des Laubhüttenfestes ausgestellt. „Ich glaube, dass man mit solchen Aktionen mehr erreicht, als mit Stolpersteinen“, sagte Schuh. ing

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10.12.2015, 20:15 Uhr
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