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Bäume weg für Gartenschau
Diese Bäume einer Allee am westlichen Ortseingang von Überlingen sollen für die Landesgartenschau 2020 gefällt werden. Sie sollen Platz machen für einen flachen und direkten Zugang zum See. Foto: Petra Walheim
Im Streit um Fällungen in Überlingen gibt es viele Fragezeichen

Bäume weg für Gartenschau

Für die Gartenschau in Überlingen soll eine Allee fallen – das erhitzt die Gemüter. Dabei waren die Pläne von Bürgern und Denkmalamt abgesegnet.

10.08.2016
  • PETRA WALHEIM

Überlingen. Die Diskussion um das geplante Abholzen einer Platanenallee am westlichen Ortseingang von Überlingen für die Landesgartenschau (LGS) 2020 wird immer hitziger – und auch kurioser. Befeuert wird das Gezerre aktuell vom Landesamt für Denkmalpflege (LAD): Es hat die Allee als schützenswertes Kulturdenkmal eingestuft. Manche sehen darin schon das Aus für die Schau, weil die Pläne möglicherweise nicht realisiert werden können und für ein neues Verfahren die Zeit zu knapp ist. Verwaltung und Gemeinderat hingegen verstehen die Welt nicht mehr. Im Moment prüft das Denkmalamt die „fachlichen Einwände“, die die Stadt gegen den Kulturdenkmal-Status vorgebracht hat. Der Pressesprecher der Verwaltung, Raphael Wiedemer-Steidinger, schreibt in einer Stellungnahme: „Sollten Teile der Platanenallee den Kulturdenkmalstatus erhalten bzw. behalten, können diese nach Auskunft des Landesdenkmalamtes trotzdem entfernt werden“.

Dennoch beschäftigt der Streit um das Fällen von Teilen der Platanenallee und einiger Trauerweiden auf dem früheren Campingplatz die Stadt. Das Kuriose: Die Pläne sind bereits sei vier Jahren öffentlich bekannt. Der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs wurde den Bürgern damals vorgestellt – danach gab es im April 2013 einen positiven Bürgerentscheid. 28 Entwürfe waren damals eingereicht worden. Die Jury hatte sich einstimmig für den Entwurf der Landschaftsarchitektin Marianne Mommsen aus Stuttgart ausgesprochen – auch ein Vertreter des Landesdenkmalamtes war Mitglied der Jury.

Deshalb war auch ihm bekannt, dass der Entwurf vorsieht, einen Großteil der Platanenallee zu entfernen, um einen freien und flachen Zugang zum See zu schaffen. Das war einer der Wünsche der Bürger, die an einem Workshop noch vor dem Wettbewerb teilgenommen hatten. Mit dem Entwurf der Architektin Mommsen als Grundlage stimmten beim Bürgerentscheid knapp 60 Prozent der Bürger, die ihre Stimme abgaben, für die LGS 2020.

Seitdem laufen die Planungen. Im Januar hat der Gemeinderat den Rahmenplan der Landesgartenschau einstimmig beschlossen. Davor war das Landesdenkmalamt erneut gehört worden. Der Gemeinderat drückte in einer Stellungnahme seine Verwunderung über dessen Beurteilung aus. „Vor allem ist für uns der Zeitpunkt einer solchen Stellungnahme völlig überraschend und nicht nachvollziehbar“, heißt es darin.

Das Landesdenkmalamt gibt als Grund für die Beurteilung eine Anfrage der Stadt Überlingen an, die „im Zuge der Bearbeitung zur wasserrechtlichen Genehmigung“ erfolgt sei. Aufgrund der Anfrage habe das LAD die Wertigkeit der Allee geprüft. „Aus künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen“ sei die Allee ein Kulturdenkmal, schreibt das LAD. An seiner Erhaltung bestehe „insbesondere wegen seines dokumentarischen und exemplarischen Wertes ein öffentliches Interesse“. Aufgrund der Einwände werde diese Wertigkeit aber noch einmal geprüft. „Wesentlicher Bestandteil der Prüfung wird der Umfang bzw. die Abgrenzung des Kulturdenkmals sein“, schreibt das LAD, womit es teilweise zurückrudert.

Die Einschätzung sei noch nicht endgültig, sagt auch Ulrich Krezdorn, Sprecher der CDU-Fraktion im Gemeinderat. Für Oswald Burger, Sprecher der SPD-Fraktion, ist der Status Kulturdenkmal für die Platanenallee „kein Hindernis für die weitere Umsetzung der Pläne“. Im Gemeinderat müsse ein „Abwägungsprozess“ stattfinden. Wenn für das Fällen der Allee ein übergeordnetes Interesse bestehe, „kann gegen den Schutz des Kulturdenkmals entschieden werden“.

Die Diskussion um die Allee hat Johann Senner bereits im April angestoßen. Der betreibt in Überlingen ein renommiertes Landschaftsarchitektur-Büro, hat bereits mehrere Gartenschauen begleitet, so auch das Verfahren zur LGS für Überlingen. Im Frühjahr unternahm er vom Verein FUTUR (Forum für Bau- und Gartenkultur) aus mit 300 Interessierten einen Spaziergang über das künftige Gartenschaugelände. Erst das habe vielen die Planung der LGS „zum ersten Mal vor Ort transparent und anschaulich gemacht“, heißt es in einer Stellungnahme. In mehreren Interviews habe die Architektin Mommsen zuvor versichert, dass beinahe alle Bäume erhalten bleiben. Die aktuelle Planung sehe aber etwas ganz anderes vor. Er sei für den Erhalt der Bäume auch aus stadtgeschichtlichen Gründen, sagt Senner.

Die Bäume retten möchte auch die Bürgergemeinschaft für Überlinger Bäume (BÜB). Sie hat am 14. Juli der Verwaltung knapp 2000 gültige Unterschriften übergeben und damit ein Bürgerbegehren beantragt, das mindestens genauso umstritten ist wie die Planung. Nach Ansicht der Verwaltung ist das Bürgerbegehren aus formalen und rechtlichen Gründen nicht zulässig. Der Anwalt der BÜB ist anderer Meinung. Der Gemeinderat entscheidet über die Zulässigkeit in einer Sondersitzung am 15. August.

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10.08.2016, 06:00 Uhr
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