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Freizeitangebot

Bäderbetrieb in schwerem Wasser

Die Sanierung des Mineralbads Berg verfehlt Zeit- und Kostenpläne. Ein neues Konzept fällt im Gemeinderat durch. Zudem müssen externe Kräfte für Sicherheit sorgen.

24.08.2019

Von DANIEL GRUPP

Die Schwimmer haben Vorteile von der neuen Tarifstruktur im Leuzebad. Die Saunabesucher müssen hingegen deutlich tiefer in die Tasche greifen. Foto: Ferdinando Iannone

Personalmangel, neue Tarife im Leuze, Randale im Inselbad, ein Entwicklungskonzept, das zurückgezogen wurde, und die Generalsanierung des Mineralbads Berg, die alle Zeit- und Kostenberechnungen verfehlt – für die Bäderbetriebe Stuttgart (BBS) verläuft das Jahr 2019 bisher nicht gerade optimal.

Mit dem Bäderkonzept vom Dezember wollte der städtische Eigenbetrieb auf zwei Probleme reagieren: Schulen und Vereine sollten mehr Belegungszeiten erhalten, um Schwimmkurse anbieten zu können. Außerdem reagierte die BBS auf sich abzeichnenden Personalmangel, der besonders im Sommer deutlich wird, wenn neben den Hallen- auch die Freibäder geöffnet sind. Das Konzept, an dem auch Vereins- und Schulvertreter mitgewirkt haben, sah vor, allgemeine Öffnungszeiten von Hallenbädern zu reduzieren. Das Vorhaben ist aber am heftigen Widerstand der Bürgervertreter, die in den Bezirksbeiräten zu Wort kamen, gescheitert. Das Konzept wurde zurückgezogen.

Für das Leuzebad hat der Bäderbetrieb ein neues Entgeltkonzept entwickelt. Es gilt seit Juni. Während davor im Eintrittspreis von 10,10 Euro zwei Stunden Schwimmen und der Saunabesuch enthalten waren, wurde der Zutritt für Schwimmer um 60 Cent günstiger, Saunabesucher müssen hingegen extra bezahlen. Sie müssen jetzt 15,50 Euro aufbringen. Der neue Tarif sollte den Besuch des Leuze gerechter machen. Schließlich wollte nicht jeder Schwimmer auch in die Sauna. Die Preise sind aber bei Saunabesuchern auf Kritik gestoßen: „Es ist nachvollziehbar, dass eine grundlegende Änderung der Tarifstruktur nach fast 20 Jahren bei einigen Gästen Unverständnis hervorruft. Es gab allerdings auch positive Rückmeldungen“, erklärt BBS-Pressesprecher Jens Böhm.

Wie sich die neuen Preise auf die Besucherzahlen ausgewirkt haben, lässt sich laut Böhm noch nicht sagen. Ende Juli weise die Statistik einen „marginalen Besucherrückgang“ aus. In den Sommermonaten seien jedoch die Besucherzahlen im Leuze stark vom Wetter abhängig.

Das Mineralbad Berg ist seit 2016 eine Baustelle. Eigentlich sollte es 2018 wiedereröffnet werden. Jetzt nennt die BBS 2020 als Eröffnungstermin. Schon in der Genehmigungsphase sei es zu Verzögerungen gekommen, erläutert Böhm. Dann habe sich herausgestellt, dass für die Mineralquellen ein nicht eingeplanter Sanierungsaufwand erforderlich ist. Das habe bis zu 15 Monate Zeit gekostet. Erst wenn Ende 2019 die Sanierung der Quellfassungen abgeschlossen ist, könnten der Beckenumgang und die Außenanlagen mit den Liegewiesen komplett fertiggestellt werden, berichtet Böhm. Die zusätzlichen Arbeiten samt Verzögerungen führten dazu, dass die Sanierungskosten um 4,5 Millionen auf 34 Millionen Euro gestiegen sind. Die Stadt deckt diese Kosten über einen Zuschuss an den Eigenbetrieb.

Im Inselbad haben Ende Juni Jugendliche randaliert. Sie haben sich dem Personal widersetzt und sich geweigert, das Bad zu verlassen. Die Mitarbeiter alarmierten die Polizei. Auf die „verbalen und körperlichen Angriffe“, so Jens Böhm, reagierten die Bäderbetriebe: Sie haben für alle großen Freibäder (Inselbad Untertürkheim, Höhenfreibad Killesberg, Freibäder Möhringen und Rosental) einen externen Sicherheitsdienst engagiert. Die Security-Kräfte seien zu Tagesspitzenzeiten unter der Woche und am Wochenende präsent. „Mit diesem Konzept haben wir mittlerweile sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Die Badegäste fühlten sich sicher und die Aufsichtskräfte könnten sich ihrer Kernaufgabe, der Wasseraufsicht, widmen. Zu größeren Problemen sei es seither nicht mehr gekommen. „Selbst an Spitzenbesuchstagen blieb die Lage weitestgehend ruhig und entspannt“, sagt der Pressesprecher.

Solche Vorfälle können auch durch die äußeren Umstände mitverursacht werden. An heißen Tagen wirken die Stuttgarter Bäder oft überfüllt. Wenn bei Temperaturen von 30 Grad die Badegäste um 19.30 Uhr das Wasser verlassen müssen, sind viele Besucher verärgert. Flexiblere, längere Öffnungszeiten sind aber nach Ansicht des städtischen Betriebs nicht machbar.

Das Personal der Bäderbetriebe sei auf extrem heiße Tage mit viel Publikum gut vorbereitet, betont Böhm. Die Öffnungszeiten lägen mit 83,5 Stunden in den Monaten Mai und September sowie 90,5 Stunden im Juni, Juli und August weit über den bundesweiten Durchschnitt von 71 Stunden, betont Böhm.

Der Fachkräftemangel lasse eine Erweiterung der Freibad-Öffnungszeiten derzeit nicht zu. Laut Böhm sind zwar alle Planstellen besetzt. Es fehle aber an Saisonfachkräften während der Freibadzeit. Generell sei der Bäderbetrieb auf der Suche nach qualifiziertem Personal, das für die Wiedereröffnung des Mineralbads Berg sowie 2022 für das neue Sportbad Neckarpark benötigt werde.

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Erstellt:
24. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. August 2019, 06:00 Uhr

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