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Raffiniert und pflegeleicht

Badisches Landesmuseum zeigt "Frauen-Silber"

Silberschmiedinnen haben in den 20er und 30er Jahren technische Raffinesse, Schlichtheit und Funktionalität auf den Tisch gebracht. Gleichzeitig behaupteten sie sich in einer Männerdomäne.

02.03.2011
  • ISABELLA HAFNER

Karlsruhe Frauen-Silber? Gibt es auch Männer-Silber? Zumindest wurden all die silbernen Kostbarkeiten, die das Badische Landesmuseum Karlsruhe jetzt in seinem Museum beim Markt zeigt, von Frauenhänden geschaffen: die Tee- und Kaffeeservices, die Bestecke, das Parmesan-Döschen, der Schmuck. Die Silberschmiedinnen, die dahinter stecken, waren revolutionär: Denn während ihrer Schaffensphase - zwischen den Weltkriegen - war es noch verpönt, dass sich Frauen beruflich selbstverwirklichen. Heute gelten Paula Straus, Emmy Roth, Christa Ehrlich und Co. als die ersten Industriedesignerinnen der Silberbranche.

Und ja: "Man kann bei einem Teekännchen erkennen, ob es ein Mann oder eine Frau kreiert hat", behauptet der Kurator der Ausstellung, Reinhard Sänger. Die Teekanne der Frau gehe über die Ästhetik weit hinaus: Multifunktional musste sie sein, gut zu handhaben - und eben auch leicht zu spülen. Während das Bauhaus in Weimar und dann in Dessau noch experimentierte, entwarf Paula Straus bereits ein raffiniertes Teeservice mit herausnehmbarem Sieb. Emmy Roth entwickelte eine Kanne mit ergonomischem Elfenbein-Griff und einen Becher, der sich in Salzstreuer und Vase verwandeln lässt.

Das Credo der Silberschmiedinnen ist den ausgestellten Exponaten abzulesen: Die Form sollte sachlich und bescheiden sein. Den dekorativen Pomp des Wilhelminischen Kaiserreichs mochten die Künstlerinnen nicht mehr - klare Linien und Funktionalität sollten her. Selbstbewusst und modern wirken deshalb die Kerzenständer, Vasen und Kännchen in den Vitrinen - sie könnten auch auf einer der heutigen Tee- oder Kaffeetafeln stehen.

200 Exponate von 15 Silberschmiedinnen sind in Karlsruhe ausgestellt, darunter kleine Überraschungen wie ein Kinderbesteck mit abgerundeten Zinken oder Plätzchen-Ausstechformen. Das Museum widmet sich in der Ausstellung nicht nur der künstlerischen Leistung dieser weiblichen Pioniere, sondern würdigt auch deren Beitrag zur Emanzipation. Finanziell unabhängig wollten die Frauen sein und den Beruf lernen, von dem sie träumten - ein anstrengendes, von Männern dominiertes Handwerk. Stundenlang mussten die Frauen Silberplatten aufziehen, biegen, löten und Oberflächen von Hand behämmern.

Die berühmtesten Silberschmiedinnen waren Paula Straus und Emmy Roth. Beide waren Jüdinnen. Paula Straus, 1894 in Stuttgart geboren, besuchte die Staatliche Höhere Gewerbe- und Fachschule für Edelmetallindustrie in Schwäbisch Gmünd und legte an der Württembergischen Staatlichen Kunstgewerbeschule am Weißenhof die Meisterprüfung als Goldschmiedin ab. Über die Ausbildungszeit von Emmy Roth, 1884 im Ruhrgebiet geboren, ist wenig bekannt. Doch um selbstständig arbeiten zu können, musste sie die Gesellenprüfung abgelegt haben.

Belegt ist: Beide Frauen wurden mit ihren Entwürfen schnell bekannt und waren auf renommierten Ausstellungen vertreten, zum Beispiel auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona. Die Silberwaren-Firma Bruckmann und Söhne holte Paula Straus nach Heilbronn; 1933 wurde sie im Kunstatelier der Württembergischen Metallwarenfabrik WMF in Geislingen angestellt. Noch im selben Jahr musste sie wieder aufhören. Auch Emmy Roth hatte zu kämpfen, als die Nationalsozialisten von 1933 an das Sagen hatten. Sie floh zunächst über Berlin, Paris und Holland nach Tel Aviv. 1942/43 starben beide in Auschwitz.

Für die Ausstellungsmacher war es nicht einfach, an das "Frauen-Silber" zu kommen: Die Exponate sind aus privatem Besitz und nach oftmaligem Vererben nur als Einzelstücke vorhanden. Zudem wurde Silber im Zweiten Weltkrieg häufig eingeschmolzen.

Info Ausstellung "Frauen-Silber" bis 19. Juni im Museum beim Markt in Karlsruhe, Karl-Friedrich-Straße 6: Di-So 11-17, Fr-So 10-18 Uhr.

Badisches Landesmuseum zeigt "Frauen-Silber"
Ein Becher kann sich in eine Vase oder auch in einen Salzstreuer verwandeln: "Frauen-Silber" von Gestalterin Emmy Roth. Museumsfoto

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02.03.2011, 12:00 Uhr
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