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Baden nach Zahlen
Symbolbild: Metz
Der Schwabe und die Saisonkarte

Baden nach Zahlen

Der durchwachsene Sommer in diesem Jahr ist für die Schwaben unter den Freibad-Nutzern eine echte Herausforderung. Denn wie soll man bei ständiger Schauer- und Gewitterneigung aus der Saisonkarte ein Schnäppchen herausschwimmen?

04.08.2016
  • Ulrike Pfeil

Oh bitte, es liegt mir fern, Stereotypen zu bedienen. Ich würde diese Entaklemmer-Folklore nicht bemühen, wenn ich nicht vor kurzem mit eigenen Ohren Zeugin einer Unterhaltung geworden wäre, die das Sparen mittels Schwimmbad-Saisonkarte zum Inhalt hatte. Der Schwabe machte diese Rechnung auf (Modell Tübinger Freibad): 72 Euro für eine Saison sind 18 reguläre Eintritte zu 4 Euro. Vom 19. Besuch an wird also gespart. „Wieso gespart?“ sagte da der Kölner und kriegte sich nicht mehr ein. „Das Geld ist doch so oder so weg.“

Ach, diese verschwendungsfreudigen Rheinländer. Sie begreifen das schwäbische Spar-Verständnis nicht im Ansatz. Der Schwabe ist ja nicht geizig. Er will das Geld gar nicht behalten. Er will nur möglichst viel dafür bekommen.

Es befriedigt ihn auch nicht, einfach ab 18 zu zählen, wie viele Male er nun quasi „umsonst“ (im Sinn von kostenlos) schwimmt. Nein, eine gelungene Freibad-Bilanz besteht darin, die Differenz zwischen dem normalen Eintritt und dem erschwommenen möglichst groß werden zu lassen. Kopfrechnen: Wer mit der Saisonkarte 72 Mal schwimmen geht, „zahlt“ pro Mal nur noch einen Euro. Jedes Mal drei Euro gespart – der Cappuccino hinterher ist quasi gratis.

Wer es auf 50 Cent bringt, erwirbt Heldenstatus in der Sammelumkleide. Denn dazu muss man praktisch an jedem Tag, den das Freibad geöffnet hat, dort geschwommen sein, bei Wind, Schafskälte, Sauwetter. Man darf nicht auswärts Urlaub machen und nicht krank werden. Das schaffen nur wenige. Viel weiter gegen Null können den Preis nur jene ganz Harten drücken, die zwei Mal am Tag, morgens vor und abends nach der Arbeit ihre Bahnen ziehen.

Selbst für durchschnittliche Saison-Schwimmer springt (wenn sie sich den Cappuccino verkneifen) bei dieser Betrachtung lässig die Badebekleidung heraus. Hingegen hat es nur ideellen Wert (und ist also uninteressant) auszurechnen, wie viele Kilometer man wohl bis Ende September schwimmend zurückgelegt haben wird, und ob es bis Stuttgart und zurück reichen würde. Denn da man nicht in der Wirklichkeit den Neckar hinunter von Tübingen nach Stuttgart oder wenigstens Bad Cannstatt geschwommen ist, hat man auch keine Transportkosten gespart.

Manche mögen der Bilanz noch hinzufügen, wie sehr sie das eigene Bad geschont und damit den Duschwasser- und Putzmittel-Verbrauch zu Hause reduziert haben. Sinnvoll wäre auch eine gewisse Pauschale für vermiedene Krankheitskosten. Schließlich stärkt Schwimmen den Kreislauf und die Muskulatur, schont die Gelenke, verhindert Rückenleiden und Übergewicht, härtet ab. Doch mit dieser Rechnung bekäme der Schwabe ein Problem: Denn Schwimmen verlängert womöglich das Leben. Und das kostet dann wieder.

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04.08.2016, 01:00 Uhr
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