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„Endlich Ruhe finden“

Schädel an Australien zurückgegeben

Die Schädel sind wohl im Zusammenhang mit der „Rassenforschung“ in medizinische Sammlungen und Völkerkundemuseen Baden-Württembergs gelangt. Erst Jahrzehnte später gibt das Land die Schädel von Ureinwohnern an Australien zurück. Weitere könnten bald folgen.

12.04.2019

Von dpa/lsw

Die Staatssekretärin (Wissenschaftsministerium, parteilos), Petra Olschowski, lächelt in die Kamera. Foto: Marijan Murat/Archivbild

Bei der Rückgabe von Schädeln indigener Menschen an Australien hat Baden-Württemberg eine umfangreiche Aufarbeitung seines kolonialen Erbes angekündigt. „Wir werden unsere Sammlungen systematisch untersuchen“, sagte Staatssekretärin Petra Olschowski am Freitag während eines Festakts in Stuttgart in englischer Sprache. Zwei der zurückgegebenen Schädel waren seit 1905 und 1931 im Bestand des Stuttgarter Linden-Museums, acht Schädel über Jahrzehnte in der Uni Freiburg.

Das Wissenschaftsministerium habe daher eine Umfrage an staatliche Hochschulen, Museen sowie Universitätskliniken verschickt, berichtete Olschowski. Diese sollten prüfen, wo und zu welchen Zwecken in den Beständen und Sammlungen menschliche Überreste außereuropäischer Herkunft aufbewahrt werden. Bis zum Herbst sollen erste Ergebnisse vorliegen. „Sollten wir hierbei auf sterbliche Überreste indigen australischen Ursprungs stoßen, dürfen Sie sich darauf verlassen, dass die heutige Rückgabe nicht die letzte gewesen sein wird.“

Die zehn Schädel wurden an die australische Botschafterin und Vertreter der australischen Regierung übergeben. Die sterblichen Überreste sollen nächste Woche im Flugzeug nach Australien zurückkehren. Über die stammesgeschichtliche Herkunft der Schädel konnten trotz eingehender Untersuchungen keine verlässlichen Erkenntnisse gewonnen werden. Die meisten sollen im National Museum of Australia in Canberra eine vorübergehende Ruhestätte finden.

„Unsere Vorfahren wurden uns weggenommen, aus ihrem Land weggenommen“, sagte David Puertollano. Teil der australischen Delegation waren auch zwei Aborigines - eine der indigenen Bevölkerungsgruppen Australiens. Der 46-Jährige erklärte auf Englisch: „Es ist wichtig für unsere Heilung und die Versöhnung, dass sie zurückkehren.“ Der 57-Jährige Gudju Gudju Fourmile, auch teil der Delegation, sagte: „Nun werden sie endlich Ruhe finden.“ Einer seiner Ahnen war 1876 aus dessen Ruhestätte geraubt worden, erzählt er. Am Dienstag war er in München dabei, als auch dessen sterbliche Überreste zurückgegeben worden waren.

Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums waren viele Schädel im Zusammenhang mit der „Rassenforschung“ oder der „Rassenkunde“ in die medizinischen Sammlungen und Völkerkundemuseen gelangt. Es habe viel zu lange gedauert, so Olschowski, bis Deutschland erkannt habe, dass menschliche Überreste von anderen Kontinenten mehr seien als wissenschaftliche Forschungsobjekte. „Ich möchte mich bei unseren Gästen aus Australien entschuldigen.“

Bereits im Jahr 2007 habe Australien um eine Rückgabe menschlicher Überreste aus den Sammlungen gebeten, so Olschowski. Damals habe man zunächst mit aufwendigen DNA-Tests die Herkunft untersucht, danach habe Australien 2018 die formelle Rückgabeanfrage zugestellt. „In Zukunft werden wir nicht mehr warten, bis die Herkunftsgesellschaften uns fragen.“ Bereits 2014 hatte die Universität Freiburg 14 Schädel an Namibia zurückgegeben.

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Erstellt:
12. April 2019, 08:08 Uhr
Aktualisiert:
12. April 2019, 03:20 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. April 2019, 03:20 Uhr

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