Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Babyduft gegen Depressionen
Wohltuende Wirkung: der Geruch von Babys beruhigt. Foto: ©Oksana Kuzmina/Shutterstock.com
Gesundheit

Babyduft gegen Depressionen

Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Geruch von Neugeborenen das Gehirn ähnlich anspricht wie Medikamente gegen Angst.

24.02.2018
  • ANDRé ANWAR

Stockholm. Wie wunderbar Neugeborenen riechen, können die meisten frischgebackenen Eltern bezeugen. Der wonnige Geruch und die Anziehungskraft, die von Babys ausgeht, sollen Erwachsene dazu ermuntern, sich um die schutzlosen Kleinen zu kümmern, so die Theorie. Den Geruchseffekt von Neugeborenen haben Duftwissenschaftler am renommierten Karolinska Institut (KI) in Stockholm genutzt, um einen ungewöhnlichen Weg einzuschlagen: Sie wollen ein Nasenspray aus den wesentlichen chemischen Bestandteilen des Babygeruchs entwickeln, das wie ein Medikament gegen Ängste und Depressionen wirken kann.

„Ein Kollege hatte gerade Kinder bekommen und erzählte, wie herrlich der Geruch seines Babys ist. Als wir unsere Tochter bekamen, war es das Gleiche“, erzählt Johan Lundström, Professor am Institut für klinische Neurowissenschaften am KI. Grundlegend für seine Forschung seien dabei die Arbeiten des deutschen Geruchsforschers Thomas Hummel in Dresden, betont der Schwede.

Unverfälscht direkt nach Geburt

Lundström ließ 30 Frauen im fruchtbaren Alter an einem Kleidungsstück eines Neugeborenen riechen und zum Vergleich völlig andere Gerüche. Die Hälfte der Frauen hatte bereits selbst Kinder bekommen, die andere nicht. Der Kinderduft wurde von Säuglingen genommen, die tatsächlich erst einen Tag auf der Welt waren. „Da ist der Geruch besonders unverfälscht von äußeren Faktoren, wie etwa bestimmten Ernährungsweisen“, erklärt Lundström.

Beim Einatmen der unterschiedlichen Gerüche wurden die Gehirne der Frauen mit einer Magnetkamera beobachtet. Es zeigte sich, dass der Babyduft einen ähnlich anregenden Effekt auf bestimmte Hirnregionen hatte wie Medikamente gegen Angst und Depressionen. „Bei den Frauen, die noch keine Kinder hatten, konnten wir einen grundlegend positiven Effekt messen. Bei denen, die schon Kinder hatten, kam dazu noch ein eingelernter positiver Effekt hinzu, der deren frühere, positive Erfahrungen mit eigenen Babys widerspiegelt“, sagt Lundström.

Bislang hätten die knappen Forschungsgelder nicht ausgereicht, um auch die Reaktionen der Gehirne von Männern auf den Babygeruch zu untersuchen. „Ich vermute aber, dass der Effekt der gleiche ist“, sagt der Wissenschaftler. Noch stecke seine Forschung in den Kinderschuhen, betont er.

Der Babyduft besteht aus 100 bis 200 unterschiedlichen Chemikalien. „Wir haben schon einige Spuren und Muster ausgemacht“, sagt Lundström. Aber um herauszufinden, welche der vielen Chemikalien wesentlich für das Wohlfühlen sind, brauche man ungefähr fünf Jahre. „Ein Nasenspray zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, dauert noch viel länger, etwa zehn bis 15 Jahre“, schätzt er.

Grundsätzlich hätte ein Nasenspray gegenüber Psychopharmaka bei der Linderung von Depressionen und Angst den Vorteil, dass es unmittelbar wirkt und vermutlich kaum Nebenwirkungen hat. Bei Tabletten muss eine sehr hohe Dosis des Wirkstoffes verabreicht werden, um die das Gehirn grundsätzlich schützende Blut-Hirn-Barriere zu überwinden. Das sei beim Geruchssystem nicht der Fall, so Lundström. Gerüche wirkten schon in geringer Dosis.

Schon heute besteht die Theorie, dass Menschen mit wenig Geruchssinn, verursacht etwa durch das Rauchen von Zigaretten, oder völlig ohne Geruchssinn anfälliger für Depressionen sind. Schwangere berichten zudem häufig, dass sich ihr Riechvermögen bei der Schwangerschaft verstärkt. Der Geruchssinn und seine Wirkung auf die menschliche Gesundheit sind im Vergleich zu anderen Forschungsgebieten noch relativ wenig erforscht.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.02.2018, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular