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Die neuen Dreiecksbeziehungen

Autofahrer haben keine Vorfahrt, wenn sie aus Spielstraßen kommen

Mit einer neuen Spielstraße überraschte die Stadtverwaltung die Tübinger Verkehrsteilnehmer vor einigen Wochen. Das TAGBLATT beobachtete das Spielfeld mehr als zwei Halbzeiten lang.

29.10.2015
  • Ulla Steuernagel

Mitte September dribbelten sich drei TAGBLATT-Redakteure auf der Spielstraße am Zinser-Dreieck warm. Mit dem Fußball zeigten sie, was die neue Verkehrssituation zulässt, denn 35 Meter Friedrichstraße wurden hier zur verkehrsberuhigten Zone erklärt. Damit sollte, wie es im Planerdeutsch heißt, der Aufenthaltscharakter der Straße verstärkt werden.

Mittlerweile ließ sich auch der Gemeinderat vom schönen neuen Miteinander überzeugen und segnete es in einem ebensolchen ab. Das „erforderliche Einvernehmen der Gemeinde“ zur Ausweisung des westlichen Teils der Friedrichstraße als verkehrsberuhigter Bereich wurde damit erteilt.

Die Verwaltung hätte hier gerne einen „Shared Space“, eine Begegnungszone, gehabt, in der alle Verkehrsteilnehmer, wie im verkehrsberuhigten Bereich, gleichberechtigt sind und auf jede Regelwut mit Verkehrszeichen, Markierungen und Ampeln verzichtet wird. „Shared Space“ ist die neue Antwort auf die Überregulierung des Verkehrs und die innovative Art, die Straße allen gehören zu lassen. Bislang erlaubt die Straßenverkehrsordnung solche Begegnungszonen zwischen Fußgängern, Autos und Radfahrern jedoch noch nicht. Vermutlich weil es noch keine Schilder dafür gibt. Wie aber gestaltet sich der Umgang der so unterschiedlich verteilten Kräfte in der Praxis? Das lässt sich am verkehrsberuhigten Raum Zinser-Dreieck studieren, das dem Shared Space sehr nahekommt.

Knapp zwei Stunden lang, um die Mittagszeit herum, beobachtete das TAGBLATT die Begegnungen an und in der Friedrichstraße. Obwohl über sie geunkt wird, sie sei die größte Gefahrenzone der Stadt, haben wir in dieser Zeit keine wirklich gefährliche Situation gesehen.

Die Fußgänger scheinen sich an ihre neuen Rechte schnell gewöhnt zu haben und fordern sie ein, indem sie sich energisch und souverän zwischen den Autos hindurchschlängeln. Auch das Sitzmobiliar schreckt sie trotz seiner extrem verkehrsgünstigen Lage nicht, manche „Banker“ verbringen ganze Mittagspausen hier.

Die Autofahrer scheinen leicht desorientiert. Sie merken, dieses Stück Straße gehört ihnen nicht wirklich. Auch wenn sie das Spielstraßenschild übersehen haben sollten, fallen sie unwillkürlich in ein gemächlicheres Tempo, allerdings selten in das geforderte Schritttempo. Die Linksabbieger (von Karl- gen Friedrichstraße) neigen hier eher dazu, den Blinker zu betätigen, als man es gemeinhin auf den Straßen beobachtet. Denn immer mehr Autofahrer sind ja nach dem Prinzip unterwegs: „Hauptsache, ich selber weiß, wo ich hin will.“ Hier aber scheinen sie von der Busspur irritiert, die sie geradeaus nicht nehmen dürfen. Immer wieder behelfen sich Autofahrer damit, dass sie sich zu Busfahrern umdefinieren und halten stur aufs Trautwein-Eck zu (links unten). Auch verbotene Linksabbiege-Manöver von Verkehrsteilnehmern, die aus der Friedrichstraße kommen, sieht man häufig (oben links und rechts). Der Verdacht liegt nahe, dass die Autofahrer durch Navis fehlgeleitet sind, jedenfalls diejenigen, die kein Tübinger Kennzeichen haben.

Die Radfahrer haben es in dieser Situation nicht leicht. Ihnen ist unbedingt zu defensivem Fahrverhalten zu raten. Nur so verhindern sie, unter die (Auto-)Räder zu kommen. Denn ständig wird ihnen von den motorisierten Verkehrsteilnehmern die Vorfahrt genommen. Dabei hat der Autofahrer, der von rechts aus der Friedrichspielstraße kommt, keineswegs Vorfahrt. Aber er nimmt sie sich nonchalant (unten Mitte und rechts, oben Mitte und rechts). Autos, die von rechts aus Spielstraßen kommen, haben nämlich keine Vorfahrt.

Fazit nach knapp zweistündiger Verkehrsbeobachtung: Die Gewinner im Verkehrsgetriebe sind die Fußgänger, die Verlierer sind am ehesten die Radfahrer.

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29.10.2015, 12:00 Uhr
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