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Reaktionen auf Bundesverdienstkreuz: Felicia Langer spricht von Lügen und Kampagne

Auszeichnung löst massive Proteste aus

Einen Proteststurm hat die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an die jüdische Menschenrechtsanwältin und Israel-Kritikerin Felicia Langer ausgelöst. Die Tübingerin spricht von einer „konzertierten Schmutzkampagne“.

22.07.2009
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Mit Kritik hatte Felicia Langer gerechnet und deshalb eine öffentliche Ankündigung der Verleihungszeremonie am vergangenen Donnerstag (wir berichteten) abgelehnt. Aber die Intensität des Protests hatte die 78-Jährige offenbar unterschätzt. Als „schrillste Anti-Israel-Fanfare in Deutschland“ wurde sie von dem jüdischen Schriftsteller Ralph Giordano, 86, in Köln bezeichnet, der zugleich die Aberkennung der Auszeichnung für Langer forderte. Ebenso wie inzwischen andere jüdische und israelische Ausgezeichnete droht Giordano widrigenfalls mit der Rückgabe seines Ordens. Dieter Graumann vom Vorstand des Zentralrats der Juden äußerte sein Unverständnis für die Auszeichnung; er wirft Langer „bösartig militanten Israel-Hass“ vor.

Als „Bundesverdienstjüdin 1. Grades“ wird Langer auf der pro-israelischen Internet-Plattform „Honestly Concerned“ geschmäht. Die Proteste, die auch in israelischen Zeitungen wie der konservativen „Jerusalem Post“ laut werden, bringen Bundespräsident Horst Köhler, wie „Spiegel online“ berichtet, „in Erklärungsnot“.

„Sie können sich nicht vorstellen, was hier abgeht“, sagte Felicia Langer gestern merklich geschockt am Telefon in Tübingen. Sie sieht eine „konzertierte Schmutzkampagne“ am Werk, die das Ziel verfolge, jede Kritik an Israel mundtot zu machen. Vorgeworfen wird der stets direkt und unerschrocken formulierenden früheren Anwältin, dass sie die israelische Palästina-Politik als „Apartheid“ bezeichnete. Auch habe sie in einem Interview „Verständnis“ für den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad gezeigt, der Israel „von der Landkarte tilgen“ wolle.

Zum Apartheid-Vergleich steht Felicia Langer. Die Ahmadine dschad-Äußerung aber werde absichtlich verdreht: Sie habe in dem Interview lediglich darauf hingewiesen, dass dieser wohl vorsätzlich falsch übersetzt worden sei. Er habe nicht von dem Land Israel, sondern von dem israelischen Regime gesprochen. Auch in anderer Hinsicht würden gezielt „Lügen“ verbreitet, wirft Langer ihren Gegnern vor: So sei sie niemals „Ehrengast von Honecker“ gewesen, wie der „Tagesspiegel“ behaupte. Auch sei sie keineswegs, wie mehrere Medien meldeten, vom Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer für die Auszeichnung vorgeschlagen worden; dieser habe nur als Gast an der Verleihung teilgenommen.

Der Vorschlag kam bereits vor längerer Zeit von Evelyn Hecht-Galinski, der israel-kritischen Tochter des früheren Vorsitzenden des Zentralrats der Juden. Diese spricht in einem Internet-Artikel von einer neuerlichen „Jagdaktion“ gegen Felicia Langer. Diese erklärt sich die Heftigkeit der Reaktionen so: „Viele sehen in der Auszeichnung eine Änderung der deutschen Politik gegenüber Israel.“ Sie selbst glaube das allerdings „noch nicht“.

Archivbild

Auszeichnung löst massive Proteste aus
Felicia Langer

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22.07.2009, 12:00 Uhr
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