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Auszeichnung für eine Unbequeme

Es war abzusehen, dass die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia Langer Kritik auslösen würde. Denn die israelische Jüdin polnischer Herkunft ist eine Unbequeme und Unbeugsame. Während ihrer aktiven Zeit als Anwältin in Israel verteidigte sie Palästinenser, die mit dem israelischen Besatzungsrecht in Konflikt kamen.

23.07.2009

Sie hat diese anwaltliche Tätigkeit stets mit persönlichem humanitärem Engagement verbunden.

Die 78-Jährige, die sich aus familiären Gründen vor 20 Jahren in Tübingen niederließ, ist Menschenrechtlerin, keine Diplomatin. Im politischen, prinzipiell Israel-freundlichen Umfeld der Bundesrepublik stößt sie viele vor den Kopf, wenn sie etwa die israelische Ausgrenzung der Palästinenser als „Apartheid“ bezeichnet.

Felicia Langer setzt sich mit Leidenschaft und Integrität für die Palästinenser ein, weil sie nur in einer radikalen Rücknahme der israelischen Siedlungspolitik und Gebietsansprüche einen Ansatz zum Frieden in der Region sieht – und zur Sicherheit für Israel. Sie tut sich schwer damit anzuerkennen, dass die politische Moral aufgrund der Geschichte den Deutschen Zurückhaltung gegenüber Israel gebietet. Für Langer und ihren Mann als Überlebende und Opfer des Holocaust gilt dieses Gebot nicht. Aber ist sie deshalb eine Bedrohung für Israel? Sie, die nun von ihren Gegnern zu einer wüsten Furie stilisiert wird, hat keinen Machtapparat im Rücken, sie hat in Israel selbst kaum noch Einfluss. Ihr Mann Mieciu, einer der letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald und mehrerer anderer Lager, trägt als Zeitzeuge in Schulen dazu bei, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten. Ihr Sohn Michael hält mit seinem Ensemble „Jontef“ die durch den Nationalsozialismus verschüttete reiche jüdische Kultur lebendig. Sind das Beiträge, die den Antisemitismus fördern?

Felicia Langer, die seit langem für eine Zwei-Staaten-Regelung eintritt, hat stets das Existenzrecht Israels betont – allerdings in den Grenzen von 1967, vor dem Sechs-Tage-Krieg. Auch wer diese Meinung nicht teilt oder für politisch opportun hält, muss in einer Demokratie dafür sein, dass sie geäußert werden darf. So viel Toleranz kann auch von jenen Bundesverdienstkreuzträgern erwartet werden, die zu Israel eine andere Meinung und eine andere Beziehung haben. Felicia Langer hat das Bundesverdienstkreuz (man lese die Begründung genau) nicht für ihre politische Haltung gegenüber Israel bekommen, sondern für ihr beispielhaftes Eintreten für entrechtete Menschen.

Nicht das Bundesverdienstkreuz für Felicia Langer schadet der Sache Israels, sondern die degutanten Schmähungen, die jetzt über sie und jene, die sie ehrten, ausgegossen werden.

Ulrike Pfeil

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23.07.2009, 12:00 Uhr
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