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Pioniere am runden Leder

Ausstellung in Bad Cannstatt widmet sich der Geschichte des Fußballs

Eine Ausstellung im Stadtmuseum Bad Cannstatt zeigt Entwicklung und Verbreitung des heutigen Volkssports Nummer eins. Demnach gilt der Cannstatter Wasen als Wiege des deutschen Fußballs.

19.04.2013

Von EDGAR REHBERGER

Stuttgart Wer hats erfunden? In diesem Fall mit Sicherheit nicht die Schweizer. Wer letztlich als Urheber des Fußballspiels gilt, darüber sollen sich andere den Kopf zerbrechen. Wie diese heute überaus populäre Sportart jedoch nach Württemberg kam und wer in Cannstatt dafür sorgte, dass dem runden Leder nachgejagt wurde, das wird jetzt in einer sehenswerten Ausstellung im Stadtmuseum Bad Cannstatt erlebbar. Demnach gilt der Cannstatter Wasen als Wiege des deutschen Fußballs.

Manfred Schmid vom Planungsstab Stadtmuseum und Historiker Olaf Schulze, haben herausgefunden, dass bereits 1865 auf dem Cannstatter Wasen Fußball gespielt wurde. "Damit waren die Cannstatter rund zehn Jahre früher dran als der Rest des Landes", sagt Anja Dauschek, die Leiterin des Planungsstabs Stadtmuseum Stuttgart. Was damals vom Stuttgarter Gymnasiallehrer Karl Planck als "Fußlümmelei" und "englische Krankheit" bezeichnet wurde, die den Menschen Affen mache, entwickelte sich zum Volkssport.

Die Hintergründe und Entwicklungen des Fußballs im Stuttgarter Raum zeigt das Stadtmuseum noch bis zum 28. Juli in der Ausstellung "Wie der Fußball nach Württemberg kam. Die Anfänge des VfB in Cannstatt und Stuttgart." Rugby, der Vorläufer des heutigen Fußballs, war zu den 1830ern in England beliebte Sportart. Die Engländer brachten das Ballspiel nach Stuttgart, wo es Anhänger fand. "Mitte des 19. Jahrhunderts war Bad Cannstatt ein international beliebter Kurort", so Schmid. "Die Kinder der englischen Kurgäste gingen auf Privatschulen in Cannstatt und brachten ihren Mitschülern erst Rugby, dann Fußball bei." Einer davon war William Cail, Schüler der Kloseschen Privatschüler und Rugbyspieler. "Von William Cail stammt der früheste Beleg für Fußball in Bad Cannstatt", führt Olaf Schulze aus. "In seinen Lebenserinnerungen haben wir den Beleg gefunden, dass bereits 1865 auf dem Cannstatter Wasen Ball gekickt wurde."

Wie ein Virus verbreitete sich das Fußball-Spiel in ganz Stuttgart und wurde schnell zum Massenphänomen. "Zunächst trafen sich vor allem Oberschüler, Lehrlinge und Gesellen zum Kicken auf der Straße", erklärt Schmid, "aus diesen Straßenwetzen entstanden ab den 1890ern zahlreiche Vereine in der Stadt". Aus zwei großen Vereinen - dem Fußballverein Stuttgart 1893 und dem Cannstatter Kronenklub ging 1912 der heutige VfB Stuttgart hervor. Dem Fußball-Bundesligisten und größten Cannstatter Verein ist ein Teil der Ausstellung gewidmet. "Es ist aber keine VfB-Ausstellung", betont Schmid.

Im Fokus der Schau steht der bedeutende Cannstatter Fußball- und Sportpionier Philipp Heineken (1873-1959), der durch zahlreiche Veröffentlichungen, auch über Golf, Tennis und Cricket, viel für die Verbreitung der damals jungen englischen Rasenspiele in Deutschland getan hat. Ab 1894 gab er in einem Stuttgarter Verlag das erste Fußball-Fachblatt für Deutschland heraus "Der Fußball. Zeitung zur Förderung aller athletischen Sports", fast 30 Jahre vor dem "Kicker". "Ohne Philipp Heineken wäre der Fußball hier anders verlaufen", sind sich Schmid und Schulze einig. Heineken war auch Gründungsmitglied des DFB.

Der erste Fußballplatz in Stuttgart und wohl auch einer der ersten Spielstätten in Deutschland war der Cannstatter Wasen, der aber auch als Übungs- und Exerzierplatz, Flugplatz und Ort für das Cannstatter Volksfest und weitere Freizeitveranstaltungen genutzt wurde. 1911 gab es 30 Vereine in Stuttgart.

Info Die Ausstellung ist bis 28. Juli im Stadtmuseum Bad Cannstatt zu sehen, mittwochs und samstags von 14 bis 16 Uhr, sonntags von 12 bis 18 Uhr. Eintritt ist frei. Öffentliche Führungen sind am 24. April, 16 Uhr, am 19. Mai 15 Uhr, am 5. Juni 16 Uhr und am 28. Juli 15 Uhr.

Zu sehen in der Ausstellung "Wie der Fußball nach Württemberg kam" im Stadtmuseum: Cannstatter Schüler um 1890 auf dem Wasen, der als erster Fußballplatz genutzt wurde. Fotos: 75 Jahre Cannstatter Tennisclub, 1965

Manfred Schmid (links) und Olaf Schulze haben Erstaunliches über den Fußball in Stuttgart und Bad Cannstatt herausgefunden. Foto: Edgar Rehberger

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Erstellt:
19. April 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
19. April 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. April 2013, 12:00 Uhr

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