Minus beim Waren-Mix

Aussteller schimpfen, Veranstalter ist zufrieden

Die Tübinger Verbrauchermesse „Für die Familie (fdf)“ auf den Weilheimer Wiesen ging am Sonntag mit einem leichten Besucherrückgang zu Ende. Der Veranstalter zeigte sich zufrieden. Einige Aussteller hegen jedoch Zweifel am Messekonzept.

15.03.2010

Von Simon Wörpel

Tübingen. „Familienmesse? – Nie wieder!“, schimpft Uwe Klein von der Firma Börner. Er versuchte, auf der „fdf“ Gemüsehobler zu verkaufen. Ohne Erfolg: „Das Publikum ist total desinteressiert“, sagt er. Klein ist richtig aufgebracht. Seit 15 Jahren seien er und seine Frau Heike jedes Mal auf der „fdf“ gewesen, „doch dieses Jahr war das letzte Mal“.

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Nicht so wütend, aber trotzdem unzufrieden mit der Messe sind einige Aussteller und Verkäufer aus den Bereichen Haushaltswaren, Lebensmittel und Einzelhandel. Sie geben dem schlechten Wetter und dem Eintrittspreis die Schuld. „Die Leute gucken nur, aber kaufen nichts“, sagt Werner Tockweiler, Verkäufer bei „Alpenland Käsestadl“. Der Umsatz sei katastrophal gewesen. „Viele Leute wollten nicht einmal kostenlosen Käse probieren.“

„Ich kann nicht schimpfen“, resümiert hingegen Margarete Siegling vom Weingut Fuchs. Die Stammkunden hätten sie auch dieses Jahr wieder gerettet. Generell ist sie aber mit der Messe unzufrieden: „Hier ist es fast wie in einem Kaufhaus – doch dort würde man keinen Eintritt zahlen.“ Außerdem werde die Messe unseriöser, es werde inzwischen zu viel „Ramsch“ angeboten.

„Diese schimpfenden Verkäufer sind die ersten, die nächstes Jahr wiederkommen“, sagt Metallbauer Günter Rosenfelder. Er findet auch Lob für die Messe: „Die ?fdf? hat als einzige Messe in der Region überlebt und sich etabliert“, sagt er.

Keine Minusgrade: Das Wasser in der „Sauna-Badetonne“ auf der fdf war 40 Grad Celsius heiß – draußen waren es gestern nur 5 Grad. Bild: Metz

Auch die anderen Aussteller aus dem Bereich Hausbau und Energieberatung schimpfen nicht so wie ihre Kollegen in den Zelten gegenüber. Thomas Krötz von der Architektenkammer freut sich, dass sich die Messeleitung dieses Jahr die Energiethemen zu eigen machte. Er hätte sich aber einen noch stärkeren Fokus auf diese Themen gewünscht. Bernd-Thomas Hamm von der Klimaschutzagentur freut sich ebenfalls über diese Entwicklung. „Wir werden am langen Ende davon profitieren“, sagt er. Ein paar Stände weiter sagt Dieter Hörmann, Energieberater von „Zukunft Altbau“, zum Konzept: „Die Messe hat alles – davon aber jeweils bloß ein bisschen.“ Das könnte die Unzufriedenheit vieler Aussteller erklären, vermutet er. „Die Messe muss sich reformieren“, sagt auch Bernd-Thomas Hamm.

Ist also ein Umdenken seitens der Veranstalter nötig? Weniger Haushaltswaren, mehr Hausbauen? Projektleiter Michael Bartmann verteidigt Eintrittspreis und Konzept. Der Preis sei bei vergleichbaren Messen für Familien deutlich höher, da auf der „fdf“ Kinder bis zwölf Jahre keinen Eintritt zahlen. Die Sonderschauen „Aromatica“ und „Gartenträume“ seien anspruchsvolle Ausstellungen gewesen. Zudem verweist er auf positive Beispiele aus dem Haushaltsbereich: Ein regionaler Senfhersteller freue sich über einen Umsatzanstieg zum Wochenende, die Metzgerei Hartmann habe sich seit vielen Jahren erfolgreich auf der Messe etabliert.

Auch die Verbindung von Baubereich, Unterhaltung und Haushalt sowie Endverbraucher sei ein Gewinn und Alleinstellungsmerkmal.

„Es gibt viele Baumessen, und viele Verbrauchermessen. Aber bei uns kann man, wenn man einen Whirlpool kauft, am Stand gegenüber noch einen Küchenschaber mitnehmen“, sagt Organisator Michael Bartmann dem TAGBLATT. Das bedeute mehr Besucher und mehr Verkaufsmöglichkeiten für die Aussteller. „Außerdem erwarten unsere Besucher dieses angebotene Programm“, sagt er. Und bei den schimpfenden Ausstellern vermutet er auch taktische Gründe: Manche versuchten so, ihre Konkurrenz von der Messe fernzuhalten. „Das ist jedes Mal so, aber wir machen uns da keine Sorgen: Die kommen wieder.“

Für Bartmann und die gesamte Messe-Organisatoren sind die neun Tage ein Erfolg. 76.000 Besucher waren es dieses, 3.000 weniger als vergangenes Jahr. „Angesichts der Wetterverhältnisse und der aktuellen wirtschaftlichen Situation sind wir hoch zufrieden“, sagt Bartmann.

Und die Messebesucher? „Die Atmosphäre in der großen Halle ist irgendwie witzig“, sagt Michael Grening, und denkt dabei an die Western-Show. Er hat sich mit Sohn Till einen schönen Sonntag gemacht, dafür war die Messe „ok“. Für größere Familien sei aber der Eintritt zu teuer. Das findet auch Daniel Kanz. „Für den Preis war die Vielfalt der Aussteller zu gering.“ Auch ein Paar aus Lichtenstein bei Reutlingen hat sich einen schönen Sonntag gemacht, aber „es gab zu viele Bau-Sachen und Kosmetik“, sagt der Mann.

Das Ausstellungsgelände sei nach wie vor schlecht, sagt Messeleiter Michael Bartmann. Lange sei ihm der Umbau der Weilheimer Wiesen vom Tübinger Rathaus zugesagt worden. Doch jetzt sei der Stadt offenbar das Geld ausgegangen. „Es ist uns wichtig, dass sich da bald etwas ändert – unsere Besucher sollen nächstes Jahr nicht wieder im Matsch herumlaufen“.

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Erstellt:
15. März 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. März 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. März 2010, 12:00 Uhr

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