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Ausblick zu vorsichtig
Experten haben privaten Konsum als Konjunkturlokomotive unterschätzt

Ausblick zu vorsichtig

Stabil aufwärts: Die deutsche Wirtschaft blieb 2015 auf Wachstumskurs. Konjunkturlokomotive war der Konsum. Unsere Experten hatten dagegen vor allem die Industrie im Blick und waren daher zu vorsichtig.

30.12.2015
  • NIKO FRANK

Ulm. Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland setzte sich auch im Jahr 2015 fort. Sie entfalte allerdings erneut keine besondere Dynamik. Dies lag keineswegs nur daran, dass sich die Nachwehen der Euro-Schuldenkrise als außerordentlich hartnäckig erweisen. Wichtiger war allerdings die Wachstumsschwäche in China wie auch in anderen Schwellenländern.

Unterm Strich sorgte dies dafür, dass der Export auch im zu Ende gehenden Jahr seine Rolle als entscheidender Wachstumsmotor der Bundesrepublik nicht wie in früheren Jahren ausspielen konnte. Konjunkturlokomotive war der private Konsum. Er profitierte von einer Beschäftigung auf Rekordniveau und von erstmals wieder deutlich gestiegenen Reallöhnen. Die Wirtschaftsweisen bezifferten den Wachstumsbeitrag des Konsums in ihrem Jahresgutachten 2015/16 auf 1,0 Prozent, den des Exports dagegen nur auf 0,4 Prozent.

Insgesamt sieht der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung heuer ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent. Vor Jahresfrist hatte er nur ein Plus von 1,0 Prozent prognostiziert. Vor diesem Hintergrund ist es nicht sonderlich überraschend, dass auch die Prognosen zu vorsichtig waren, um welche die Wirtschaftsredaktion der SÜDWEST PRESSE fünf Spitzenmanager und einen führenden Gewerkschafter aus Baden-Württemberg gebeten hatte.

Mit einer Wachstumsprognose von 1,5 Prozent kamen der ehemalige Präsident der Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT), Joachim Möhrle, sowie Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, der tatsächlichen Entwicklung recht nahe. Peter Kulitz, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK), war mit der Erwartung eines Wachstums von 0,9 Prozent zu skeptisch.

Ungewöhnlich weit lagen unsere Tipper im Blick auf die Inflationsrate auseinander. Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, lag mit 0,5 Prozent nur knapp daneben. Denn alles in allem dürfte der Preisanstieg im Schnitt sogar nur 0,3 Prozent betragen. Auffallend weit daneben lag Metaller Zitzelsberger, der bei den Preisen einen Schub auf 2,0 Prozent voraussah. Auch Stefan Wolf, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, verschätzte sich in Sachen Inflationsrate mit 1,5 Prozent recht deutlich.

Recht eng war die Bandbreite dagegen beim Arbeitsmarkt. Die Vorhersagen erwiesen sich hier überdies als ausgesprochen treffsicher. Metaller-Chef Zitzelsberger schaffte dabei mit einer prognostizierten Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent ums Haar eine Punktlandung: Der Sachverständigenrat rechnet mit einer Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent. Der oberste Metallarbeitgeber Wolf ließ sich hingegen von der vor Jahresfrist verbreiteten Mindestlohn-Skepsis anstecken und lag mit 7,0 Prozent am deutlichsten daneben.

Den für das Exportland Baden-Württemberg wichtigen Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar sahen unsere Experten vor zwölf Monaten auf eine Schwächeperiode zusteuern. Den Kurs in Richtung Parität zwischen der Gemeinschaftswährung und dem Greenback hatten sie freilich nicht auf ihren Rechnungen, auf den die extrem laxe Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) den Euro schickte. Sparkassenpräsident Schneider kam mit 1,08 Dollar je Euro der Sache noch am nächsten. Ex-Handwerkspräsident Möhrle setzte mit 1,25 Dollar eher auf einen starken Euro.

Die Auswirkungen der von EZB-Präsident Mario Draghi beförderten Geldschwemme auf den Aktienmarkt überraschten die Experten nicht. Südwest-Metall-Chef Wolf hatte gar die Marke von 11 000 Punkten im Visier, die der Deutsche Aktienindex (Dax) knackte. Der Schlusskurs gestern lag freilich niedriger. So gesehen hatte BWIHK-Präsident Kulitz vor Jahresfrist mit 10 900 Dax-Punkten das relativ beste Händchen.

Keine zu hohen Hürden für Beschäftigung

Flüchtlinge Die dramatisch gestiegen Zuwanderung von Flüchtlingen zählt auch für die fünf Wirtschaftsweisen zu den dominierenden Ereignissen in diesem Jahr. Für die gesellschaftliche Integration der anerkannten Flüchtlinge kommt nach Ansicht des Sachverständigenrates der Qualifizierung eine entscheidende Rolle zu. Dabei gehen die Wirtschaftsweisen von einem „erheblichen Qualifikationsbedarf“ aus. Im Interesse einer erfolgreichen Integration in den Arbeitsmarkt „dürfen die Hürden für die Beschäftigung nicht zu hoch ausfallen. Flexible Beschäftigungsmöglichkeiten, etwa in der Zeitarbeit oder über Werkverträge, müssen erhalten bleiben. Migranten sollten keine Privilegien eingeräumt werden, sie sollten aber auch nicht schlechter gestellt werden.“ nik

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30.12.2015, 08:30 Uhr
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