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Ein Drittel ist unzufrieden

Ausbildungsreport des DGB - IHK arbeitet an Beschwerdemanagement

Überstunden und zu wenig Betreuung. Die Liste der Mängel in der Berufsausbildung ist nach einer Untersuchung des DGB Baden-Württemberg lang. Fast jeder dritte Jugendliche ist mit seiner Lehre unzufrieden.

27.10.2015
  • MK/DPA

Stuttgart Fast ein Drittel der Auszubildenden im Land ist nach einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) unzufrieden mit seiner Lehre. "Dieser Wert ist alarmierend hoch", sagte Andre Fricke, Bezirksjugendsekretär des DGB in Baden-Württemberg, in Stuttgart. 70,7 Prozent der Auszubildenden im Land seien zufrieden mit ihrer Ausbildung - bundesweit sind es 71,4 Prozent.

Die Mängel in der Ausbildung seien groß, heißt es im ersten für den Südwesten erstellten Ausbildungsreport des DGB. Eine Umfrage des DGB hatte ergeben, dass etwa jeder siebte minderjährige Auszubildende mehr als 40 Stunden pro Woche arbeite. Das verstoße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz. Knapp 43 Prozent der Befragten leisten regelmäßig Überstunden. Das zeige, dass ein hoher Teil der Auszubildenden als reguläre Arbeitskräfte eingesetzt werden, sagt Fricke.

Rund 30 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen kein Ausbildungsplan vorliege. Ein Fünftel der Befragten, die einen solchen Plan haben, merkten an, dass dieser nur manchmal, selten oder nie eingehalten werde. Für wiederum ein knappes Drittel der Auszubildenden sei ihr Anleiter nur manchmal, selten oder nie ansprechbar. "Das ist ein Verstoß gegen das Berufsbildungsgesetz", stellte Fricke fest.

Befragt wurden für den Report in den Jahren 2014 und 2015 mehr als 2000 Auszubildende in den 22 beliebtesten Ausbildungsberufen im Südwesten. Bezirksjugendsekretär Fricke forderte angesichts der Ergebnisse eine strengere Ahndung von Verstößen gegen Arbeitsgesetze im Rahmen von Berufsausbildungen. Die Kammern seien dafür nicht geeignet, weil sie zu nah an den ausbildenden Betrieben stünden, sagte Fricke. Stattdessen müssten unabhängige Instanzen zum Beispiel bei der Gewerbeaufsicht diese Funktion übernehmen.

Der für die berufliche Bildung zuständige Geschäftsführer der IHK Region Stuttgart, Martin Frädrich, widersprach dem: "Wir haben ein Instrumentarium, das wir auch nutzen." Dazu gehörten beispielsweise unangekündigte Besuche in Betrieben, in denen besonders viele Kündigungen vorliegen. Häufig würden die Probleme nicht offiziell genannt, sagte Frädrich. Deshalb werde auf Bundesebene mit dem DGB an einem unkomplizierten Beschwerdemanagement für Auszubildende gearbeitet. Stefan Baron, der die Abteilung Bildungspolitik beim baden-württembergischen Handwerkstag leitet, warnt vor einer einseitigen Auslegung der Zahlen. "Alle an der Berufsbildung Beteiligten können stolz darauf sein, dass 70 Prozent der Auszubildenden zufrieden sind. Dass es unzufriedene Jugendliche gibt, will ich gar nicht in Abrede stellen." Leider erfasse die Multiple-Choice-Umfrage der DGB-Jugend nicht die Gründe, warum ein Azubi mit der Ausbildung unzufrieden sei. Das könne an der Qualität der Ausbildung liegen, am Betrieb, aber auch an falschen Vorstellungen der Jugendlichen bei der Berufswahl.

Im Handwerk, so Baron, könnten sich Azubis mit Problemen immer an die Ausbildungsberater der Kammern wenden. Diese können den Betrieben auch Auflagen machen oder Azubis bei einem Betriebswechsel unterstützen. Dasselbe gilt für die Industrie-und Handelskammern im Land, sagt Frädrich.

Um den hohen Abbrecherquoten beispielsweise im Hotel- und Gaststättengewerbe und im Lebensmittelhandwerk entgegenzuwirken, haben laut Frädrich die IHKs mit dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga die Initiative "Ausbilderversprechen" ins Leben gerufen, deren Teilnehmer sich zu bestimmten Standards verpflichten.

Ausbildungsreport des DGB - IHK arbeitet an Beschwerdemanagement
Das Maler- und Lackiererhandwerk gehört zu den Branchen, in denen junge Menschen häufig ihre Ausbildung abbrechen. Im Jahr 2013 wurden mehr als 41 Prozent der Verträge vorzeitig gelöst. Foto: © Kadmy - Fotolia.com

Ausbildungsreport des DGB - IHK arbeitet an Beschwerdemanagement

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27.10.2015, 12:00 Uhr
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