Reutlingen · Handwerk

Ausbildungsbilanz: Große Kluft zwischen den hiesigen Kreisen

Die Reutlinger Kammer hat die Ausbildungszahlen für das Jahr 2021 veröffentlicht. Während der Kreis Tübingen dem Minus trotzt, ist der Kreis Reutlingen dafür hauptverantwortlich.

16.03.2022

Von ST

Ausbildungen im Bauhandwerk (hier Maler und Lackierer) waren in den Kreisen Tübingen und Reutlingen zuletzt wenig gefragt. Bild: Handwerkskammer Reutlingen

Ausbildungen im Bauhandwerk (hier Maler und Lackierer) waren in den Kreisen Tübingen und Reutlingen zuletzt wenig gefragt. Bild: Handwerkskammer Reutlingen

Die Corona-Pandemie hat sich nachhaltig auch auf das Handwerk in der Region ausgewirkt. Zumindest, wenn es nach Joachim Eisert geht, dem Hauptgeschäftsführer der für die Region zuständigen Reutlinger Handwerkskammer (HWK). Sie verzeichnete in den Kreisen Tübingen, Reutlingen, Zollernalb, Freudenstadt und Sigmaringen im Jahr 2021 insgesamt 1736 junge Frauen und Männer, die eine Ausbildung begonnen haben. Das sind 2,6 Prozent (48) weniger als noch im Jahr 2020.

Eisert geht davon aus, dass das Minus „vor vor allem dem Wegfall von Berufsmessen, Schulbesuchen und Betriebspraktika geschuldet sein“ müsste. Digitale Angebote hätten die Lücke bislang noch nicht füllen können. „Es zeichnet sich jedoch ab, dass die Ansprache von Jugendlichen auch nach der Pandemie sowohl digital als auch wieder verstärkt in Präsenz erfolgen sollte“, wird der Hauptgeschäftsführer in einer Mitteilung weiter zitiert.

Auffällig ist vor allem die große Kluft zwischen den Kreisen Tübingen und Reutlingen. Letzterer ist für das Gesamtminus hauptverantwortlich und hat für Eisert „leider den Schwarzen Peter gezogen“: Im Kreis Reutlingen wurden 2021 insgesamt 14 Prozent weniger Ausbildungsverträge als im Jahr zuvor unterschrieben – 540 Neuverträge wurden abgeschlossen. Dabei verzeichnete im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 noch ein Plus von 12,5 Prozent verzeichnet. Im Kreis Tübingen haben 2021 insgesamt 374 eine Ausbildung begonnen, 2,1 Prozent mehr als noch 2020.

Die anderen Kreisen weisen ebenfalls sehr unterschiedliche Zahlen auf: Im Kreis Zollernalb gibt es ein Minus von 2,4 Prozent, die Kreise Freudenstadt (plus 5,8 Prozent) und Sigmaringen (plus 11,1 Prozent) haben mehr Auszubildende hervorgebracht.

Anlagenmechatroniker gefragt

Besonders gefragt war 2021 im Kreis Tübingen die Ausbildung als Anlagenmechatroniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik (SHK), gefolgt vom Zimmerer-Handwerk und Kfz-Mechatronikern sowie Elektronikern. Wie Sonja Madeja, Sprecherin der Kammer auf Nachfrage mitteilt, sind Bauhandwerksberufe wie Mauer, Maler und Lackierer weder im Kreis Tübingen, noch im Kreis Reutlingen beliebt gewesen. Im Kreis Reutlingen waren dafür die Kfz-Mechatroniker an erster Stelle, gefolgt von den Anlagemechatronikern (SHK) und dem Friseur-Handwerk.

Fast unverändert bleibt die Liste der beliebtesten Ausbildungsberufe auf die fünf Kreise gesehen. Den Spitzenplatz nimmt nach wie vor die Kraftfahrzeugmechatronik ein, die 12,6 Prozent aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge (219) beisteuert. Auf dem zweiten Platz liegen die Anlagenmechaniker für SHK mit 9,1 Prozent (159). An dritter Stelle folgen 137 künftige Zimmerer mit 7,8 Prozent der Neuverträge.

Insgesamt 4568 Ausbildungsverträge waren zum 31. Dezember 2021 in der Lehrlingsrolle der fünf Landkreise eingetragen. Für den Kreis Reutlingen verzeichnet die Kammer 1474 Auszubildende, für den Zollernalbkreis 907 und für den Landkreis Tübingen 966 Verträge. Die Betriebe im Kreis Sigmaringen bilden 658 Azubis aus, ihre Kollegen im Kreis Freudenstadt 563.

Mit 2076 Azubis werden derzeit in den Metall- und Elektrobetrieben die meisten jungen Menschen ausgebildet. Es folgen die Bau- und Ausbaubetriebe (998) und die Betriebe der Gesundheits- und Körperpflege (445). 251 Auszubildende verzeichnet das Holzgewerbe, das Nahrungsmittelhandwerk beschäftigt 196 junge Menschen.

Mehr mit Abitur im Handwerk

Der Anteil von Jugendlichen mit Abitur und Fachhochschulreife stieg nach Angaben der Handwerkskammer erneut. 18,7 Prozent der Neuverträge (3,1 Prozent mehr als 2020) gehen auf das Konto von Schulabgängern mit höherem Bildungsabschluss. Und auch deutlich mehr Jugendliche mit mittlerem Bildungsabschluss fanden den Weg ins Handwerk. Ihr Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Viertel gestiegen. Dementsprechend sank der Anteil der jungen Menschen, die mit einem Hauptschulabschluss in die Ausbildung gestartet sind, um 11 Prozent auf 33,4 Prozent.

Hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe

Laut einer Umfrage, welche die Handwerkskammer im Herbst 2021 durchgeführt hat, ist die Ausbildungsbereitschaft trotz des zunehmenden Wettbewerbs um Talente und den nach wie vor existierenden pandemie-bedingten Einschränkungen unverändert hoch. Am 31. Dezember 2021 waren in der Lehrstellenbörse 1229 freie Lehrstellen für das aktuelle Jahr eingetragen – 126 mehr als im Vorjahr. „Um das Angebot aktuell zu halten, werden die Angebote der Betriebe dreimal im Jahr abgefragt“, sagt Eisert. Die ausgeschriebenen Ausbildungsplätze für die Jahre 2022 und 2023 sind im Netz abrufbar: www.hwkreutlingen.de/ausbildung.

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Erstellt:
16.03.2022, 12:30 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 03sec
zuletzt aktualisiert: 16.03.2022, 12:30 Uhr

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