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Lebens-Wert

Aus Liebe zur Alb

Gemeinsam die Artenvielfalt auf der Schwäbischen Alb zu erhalten und zu fördern, das haben sich die Erzeuger aus dem Biosphärengebiet auf die Fahnen geschrieben, die unter der Regionalmarke „Albgemacht“ ihre Produkte vermarkten.

17.04.2020

Von Birgit Pflock-Rutten | Fotos: © Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb, Uhland2

Die Wacholderheiden prägen das Landschaftsbild der Schwäbischen Alb. Als eines der artenreichsten Ökosysteme Europas beheimaten sie viele Tier- und Pflanzenarten. Nur durch die Beweidung mit Schafen kann diese einzigartige Kulturlandschaft gepflegt und erhalten werden.

Vor gut 13 Jahren ist Julian Schmid in die Hofmolkerei seiner Eltern in Münsingen-Bremelau eingestiegen. Der heutige Mitgeschäftsführer ist in dem 350 Seelen-Dorf aufgewachsen und liebt seine Heimat, die Schwäbische Alb. Da ihm viel daran liegt, die einzigartige Kulturlandschaft mit ihren Wacholderheiden, Wiesen, Weiden und Ackerflächen zu erhalten, war er gleich Feuer und Flamme, als die Geschäftsstelle des Biosphärengebiets Schwäbische Alb ein Label mit regionalen Lebensmittelprodukten ins Leben rufen wollte. Die Idee dahinter: weit mehr zu sein als nur eine Regionalmarke. Jeder Erzeuger sollte verbindlich etwas für die Artenvielfalt tun. Ende 2017 schlossen sich dann acht Erzeuger zum Verein „Albgemacht“ zusammen. Gründungsmitglied Julian Schmid wurde zum Vorstand ernannt.

Albgemacht-Vorstand Julian Schmid im Offenstall seiner „Milchlieferantinnen“. Ab Mai können die Kühe witterungsabhängig wieder raus auf die Weide.

Strenge Kriterien

Seit fast eineinhalb Jahren sind die Produkte der Regionalmarke nun erhältlich: Milch, Apfelsaft, Rot- und Weißwein, Lammsalami, Lammschinken, Rindermaultaschen, Dinkelmehl und -backwaren, Kartoffeln, Käse und Joghurt. Inzwischen sind es 13 aktive Mitglieder: neben der Hofmolkerei Schmid unter anderem die Weingärtnergenossenschaften Metzingen-Neuhausen und Hohenneuffen-Teck, die Metzgerei Oskar Zeeb, die Schäferei von Mackensen und die Lichtensteiner Mühle. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Fördermitgliedern. Der Verein ist ausdrücklich offen für weitere Landwirte, Produzenten und Vermarkter – „das gilt für ökologisch wirtschaftende genauso wie für konventionelle Betriebe“, betont Molkereimeister Julian Schmid ausdrücklich.

Um das Siegel „Albgemacht“ führen zu dürfen, müssen die Erzeuger strenge Produktkriterien erfüllen, die jährlich von einer externen Kontrollstelle überprüft werden. Diese Kriterien beinhalten regionale Herkunft, gentechnikfreie Erzeugung, Tierwohl, möglichst schonende und natürliche Verarbeitung sowie Fairness und Qualitätssicherung. Deutlichstes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Regionalmarken ist der Punkt „Erhalt und Förderung der biologischen Vielfalt“. Das zentrale Alleinstellungsmerkmal „mehr als regional“ wird mit dem Ziel definiert: den Tieren und Pflanzen in der Landschaft Lebensräume zu sichern. „Wir sind überzeugt, dass Landwirtschaft im Einklang mit den natürlichen Ressourcen stehen muss“, fasst Julian Schmid den Gedanken der „Albgemacht“-Partner zusammen. Jeder Erzeuger leistet seinen individuellen Beitrag auf seiner Fläche. „Das Ziel unserer Hofmolkerei ist es, durch extensive Bewirtschaftung 15 Prozent unserer Wiesen bis 2022 zu artenreichem Grünland zu entwickeln.“ Sprich: die Flächen werden nicht gedüngt und nur zweimal pro Jahr gemäht. Auch das Tierwohl spielt bei Familie Schmid eine große Rolle. Die Kühe haben Freilauf in ihrem Offenstall mit Strohliegeboxen und einen wetterabhängigen Auslauf auf die Weide.

Die Weingärtnergenossenschaften wiederum schaffen mit Trockenmauern und Steinschüttungen wichtige Lebensräume für Eidechsen und Insekten. Und ohne den Tritt und Verbiss durch die Schafe gäbe es die typischen Wacholderheiden so nicht.

Regional 2.0 bei Rewe

Zu den Gründungsmitgliedern von „Albgemacht“ gehört auch die Rewe Region Südwest. Noch vor der Gründung des Vereins wurde Sabine Stachorski, Pressesprecherin von Rewe Südwest, auf das Projekt aufmerksam. „Rewe als genossenschaftlich organisiertes Unternehmen ist dezentral aufgestellt, Regionalität und Lokalität ist ein Riesentrend in unseren Märkten. Das „Albgemacht“-Konzept hat uns gleich begeistert, weil es quasi ‚regional 2.0‘ ist: Die Produkte stammen aus der Region und tun gleichzeitig etwas Gutes für die Region. Ebenso begeistert haben uns aber auch die Persönlichkeiten, die dahinter stehen.“ Rewe verkauft die Produkte in ihren Märkten unter anderem in Reutlingen, Münsingen und Ehingen. Mit den Erzeugern gäbe es keine Exklusivverträge: „Was wir kriegen, nehmen wir gerne! Es sind tolle Produkte und wir freuen uns auch über Zuwachs“, betont Sabine Stachorski.

Nicht jedes Produkt steht in jeder Filiale. Die Erzeuger haben es in ihrer Hand, wie sie ihre Ware vertreiben. Die Hofmolkerei Schmid beispielsweise beliefert 30 Rewe-Märkte direkt und zusätzlich das Rewe-Lager in Bondorf, von dort aus werden weitere 80 Märkte beliefert. „Damit haben wir die gesamte Wertschöpfungskette unter einem Dach – vom Futteranbau über die Tierhaltung bis zur Vermarktung und Anlieferung“, beschreibt Julian Schmid das Vermarktungskonzept. Ein weiteres Plus des „Albgemacht“-Siegels: „Alle unsere Mitglieder“, so Schmid, „arbeiten gern in Netzwerken zusammen. Es macht einfach Spaß in der Gruppe.“ Ein wichtiges Ziel für die Zukunft sieht er im Ausbau der Produktvielfalt und damit einhergehend auch in der Steigerung der Flächen, die nach den Albgemacht-Kriterien bewirtschaftet werden, damit in der Region mehr blühende Wiesen und artenreiche Äcker entstehen.

Das dürfte auch ganz nach dem Geschmack der Verbraucher sein: mit dem Kauf eines in der Region erzeugten Lebensmittels nachhaltig zu handeln, die landwirtschaftlichen Betriebe zu stärken und gleichzeitig einen wertvollen Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt in ihrer Heimat zu leisten.

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Erstellt:
17. April 2020, 07:22 Uhr
Aktualisiert:
17. April 2020, 07:22 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. April 2020, 07:22 Uhr

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