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WM-Serie

Aus Liebe zum Spiel

Die Sindelfinger „Ladies“ sind es gewohnt, vor halbleeren Zuschauerreihen zu kicken. Ihrem Engagement tut das aber keinen Abbruch.

06.07.2018
  • BARBARA WOLLNY

Sindelfingen. Gleichstellungsbeauftragte müssten viele Überstunden machen, wenn sie an der unterschiedlichen Behandlung von Fußballspielern und -spielerinnen etwas ändern wollten. Größere Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind kaum denkbar. Gleiche Trainingsmöglichkeiten und Unterstützung durch Sponsoren? Fehlanzeige. Gleiche Förderung durch den Deutschen Fußballbund, Präsenz in den Medien oder Interesse beim Publikum? Mitnichten. Über gleiche Bezahlung braucht man gar nicht erst zu reden. Kaum eine Fußballerin kann von ihrem Sport leben.

„Im Frauenfussball wird keine reich. Top-Spielerinnen verdienen selbst in der höchsten Spielklasse nur zwischen 1500 und maximal 5000 Euro. Dafür würden viele ihrer männlichen Kollegen nicht mal zum Training aus ihrem Auto steigen“, sagt Josef Klaffschenkel, Manager der Sindelfinger Fußball-„Ladies“, im Hauptberuf IT-Berater in Herrenberg. Klaffschenkel kommt aus dem Männerfußball. Er wechselte vor einem Jahr zu den „Ladies“, die zuletzt in der Zweiten Bundesliga spielten.

Ehrlicheres Spiel

Das Spiel von Frauen sei anders, aber genauso sehenswert: „Männer spielen schneller und mit mehr Kraft. Bei den Frauen gibt es weniger Schwalben. Es wird ehrlicher gespielt. Mit weniger Fouls und roten Karten“, beschreibt der erfahrene Manager die Unterschiede im Spiel. Und beim Training. „Die Mädchen kommen alle pünktlich. Das ist bei den Männern anders“, sagt Klaffschenkel.

Der VfL Sindelfingen ist einer der größten Sportvereine Baden-Württembergs und seine Frauenfußballsparte eine der ältesten in Deutschland. Dass die Damen vergangenes Jahr eine neue Vereinssparte gegründet haben und seitdem unter dem Namen VfL „Ladies“ Sindelfingen antreten, ist dem Erfolg der Fußballerinnen geschuldet. Nachdem die U17-Mannschaft schon länger in der Ersten Bundesliga spielt, rechneten auch die Frauen im vergangenen Jahr mit dem Aufstieg in die Königsklasse. Was zwar gut fürs Prestige, aber mit teuren Auflagen verbunden gewesen wäre. Deshalb wurde kurzerhand der „Ladies“-Ableger gegründet. Gut 100 Mitglieder, davon rund 80 aktive Spielerinnen im Alter zwischen 14 und 28 Jahren zählt der neue Verein.

Nachwuchssorgen gibt es bei den jüngeren Spielerinnen nicht, bei den Frauen schon eher. Trainings sind viermal in der Woche für jeweils eineinhalb Stunden angesetzt und viele der Wochenenden mit Spielen verplant – schwierig, das mit Ausbildung, Berufstätigkeit und vielleicht auch noch mit Familie zu vereinbaren.

Volle Stadien in den USA

Mit dem Aufstieg hat es doch nicht geklappt, im Gegenteil: Die Sindelfingerinnen sind abgestiegen und spielen ab Herbst in der Regionalliga. Ein neuer Trainer aber ist bereits gefunden – und die Freude am Spiel ungebrochen. „Hochs und Tiefs liegen eng beieinander. Aber es geht weiter, man muss sich immer wieder berappeln“, sagt Stürmerin Nina Müller, 30, Postbotin aus Böblingen, die nicht nur mit ihrer Mannschaft, sondern auch gesundheitlich leiden muss. Vor drei Wochen hatte sie eine Meniskusoperation und kann nun nicht mehr spielen. Ab der neuen Saison fungiert sie deshalb als Co-Trainerin. Ein Leben ohne ihren Verein? Nicht denkbar. „Das aktive Spiel wird mir fehlen, aber ich will meinen Verein nicht aufgeben, so bin ich wenigstens bei den Mädels.“

Jana Spengler aus Sindelfingen, 23, profitierte von ihrer Fußballbegeisterung sogar beruflich. Wegen ihrer Spielstärke konnte die Stürmerin mit einem Stipendium vier Semester Internationales Business in Tamper, Florida studieren und gleichzeitig amerikanischen Soccer trainieren. „In den USA gibt es wesentlich mehr Fans des Frauenfußballs. Es wird mehr Wert auf Schnelligkeit und Fitness gelegt. In Deutschland geht es stärker um Technik und Taktik“, erklärt sie und beschreibt einen weiteren Unterschied: In den USA werde vor vollen Stadien gespielt, während in Deutschland immer nur ein paar Reihen besetzt seien.

„Es fehlt in Deutschland an Renommee für den Sport“, beklagt auch Manager Klaffschenkel. „Die Frauen spielen einen Super-Fußball. Aber sie bekommen zu wenig Anerkennung. Es ist dringend an der Zeit, dass sich der DFB Gedanken macht, wie er jetzt vor der nächsten WM die Frauen stärker fördert.“ Vielleicht aber könnte der Frauenfußball von einer anderen Entwicklung profitieren, sinniert er. Vielen Vereinen gehen derzeit die Männer aus. „Die werden dann automatisch auf die Frauen zukommen.“

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06.07.2018, 06:00 Uhr
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