Dußlingen · Coronakrise

Augenmerk auf Ältere und Schwächere

Engagierte in Dußlingen organisieren ein Netzwerk für Nachbarschaftshilfe.

19.03.2020

Von mosi

Die meisten Geschäfte sind dicht, Spielplätze gesperrt: Das öffentliche Leben ist auch in Dußlingen weitgehend zurückgefahren. Die Sitzung des Sozialbeirats am Mittwoch wollte die Gemeindeverwaltung aber nicht canceln. Sie sollte dazu dienen, Grundlagen für ein Hilfe-Netzwerk im Ort zu organisieren, um diejenigen Mitbürger in der Krisenzeit zu unterstützten, die auf Hilfe angewiesen sind.

Das betrifft vor allem Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und sich nicht mehr selbst versorgen können. „Wir müssen ein Augenmerk besonders auf Ältere und Schwächere Mitbürger richten“, sagte Bürgermeister Thomas Hölsch. Konkret geht es um ein Konzept für Nachbarschaftshilfe. „Wir sind auf Solidarität, auf Nachbarn angewiesen“, so Hölsch. Die Zuständigkeitsbereiche sollen innerhalb des Netzwerks einzelnen Einrichtung und Organisation im Ort zugeteilt sein.

Die Bürgerstiftung wird einen Einkaufsservice anbieten. Der Betrieb des Bürgerautos wird zum Wochenende eingestellt – zum Schutz der Fahrer und denjenigen, die Fahrten in Anspruch nehmen (wir berichteten). Im Team habe er abgefragt, ob es möglich wäre, statt Personenbeförderung nun die Einkäufe für Hilfsbedürftige zu übernehmen, berichtete Wolfgang Herzog von der Bürgerstiftung. „Wir erwarten keine Riesenwelle“, meinte Herzog, die Entwicklung müsse man abwarten. Wer nicht in der Lage ist, selbst Einkäufe und Besorgungen zu erledigen, kann sich ab sofort an die Bürgerstiftung wenden (siehe Infobox).

Die Gemeinde hat auf ihrer Homepage eine Extra-Seite zum Thema Corona eingerichtet. Auf Vorschlag von Teresa Wild von der Stiftung Liebenau stehen dort auch Informationen zur Coronakrise in leichter Sprache und, auf Vorschlag von Susanne Maier vom Asylkreis, Merkblätter und News in mehreren Sprachen. Einig sind sich die Mitglieder des Sozialausschusses auch, dass im Ort eine Telefonseelsorge eingerichtet werden soll.

Bürgermeister Hölsch: Nehmen Sie die Lage ernst!

„Wir können es uns nicht leisten, dass das Rathaus arbeitsunfähig wird“, sagt Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch. Die Dußlinger Strategie, um handlungsfähig zu bleiben: Die Rathaus-Mitarbeiter sind in zwei Teams aufgeteilt. Team A und Team B dürfen keinen gegenseitigen Kontakt haben und benutzen auch unterschiedliche Toiletten. Für den Fall, dass ein Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt, könnten 50 Prozent der Belegschaft weiterarbeiten. Jeden Morgen trifft sich ein Krisenstab. „Wir treffen alle Entscheidungen mit Augenmaß“, sagt Hölsch. Die Situation in der Notbetreuung im Ort sei noch überschaubar. Acht Kinder im Kindergartenalter werden zur Zeit betreut, ein Kind im Schulalter. Hölsch: „Im Moment können die Eltern es noch ganz gut regeln.“ Spielplätze im Ort sind gesperrt. „Wir werden auch kontrollieren müssen“, so Hölsch. „Es macht wenig Sinn, die Schulen zu schließen und nachher treffen sich alle auf dem Bolzplatz.“ Hölsch appelliert auch an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger. Im Amtsblatt und auf der Homepage der Gemeinde richtet er sich mit einem persönlichen Anschreiben an die Bürger. Er bittet um Verständnis und Mitgefühl und mahnt: „Nehmen Sie die Lage ernst!“

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Erstellt:
19. März 2020, 22:28 Uhr
Aktualisiert:
19. März 2020, 22:28 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. März 2020, 22:28 Uhr

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