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Kommentar

Augen zu beim Steinekauf

Der Natursteinpark im Schindhau ist kein gewöhnlicher Gewerbebetrieb: Mitten im Wald liegen dort auf einer großen Fläche Sandsteinbrocken und Granitquader, alte Steintröge, Platten aus Kalkstein, Porphyr und Travertin. Einem Steinmetz kann man beim Arbeiten zusehen, und vor einer Hütte tummeln sich steinerne Gnome, Drachen und Engel. Zugänglich ist der Park jederzeit – und so mancher hat ihn schon zum Ziel seines Sonntagsausflugs erkoren. Das Material, das Rongen anbietet, ist in der Regel gebraucht.

12.11.2012

Von Sabine Lohr

Es stammt von abgebrochenen Häusern, Brücken und Mauern. Auch der halbe Stuttgarter Hauptbahnhof liegt dort. Mit dem Verkauf führt Rongen die Steine der Wiederverwertung zu. Ein gutes Geschäft nicht nur für den Inhaber und seine Kunden, sondern auch für die Umwelt.

Für den Wald indes ist der Natursteinpark kein gutes Geschäft. Zwar hat Manuel Rongen, wie er sagt, „keinen einzigen Baum gefällt“ – doch es wächst eben auch kein einziger Baum nach. Das aber sollte nach dem Abzug der Franzosen aus Tübingen eigentlich geschehen: Wo einst Munition lagerte, hätten sich zuerst der Wald und dann die Menschen darin erholen sollen.

Nun leiden wir nicht gerade unter Waldmangel und auch die Bäume rund um den Natursteinpark herum bilden noch einen relativ großen Forst. Auf 20 Hektar davon könnte man also durchaus zugunsten eines Betriebs, den sogar der Naturschutzbeauftragte Karlheinrich Ebert „an sich sehr gut“ findet, durchaus verzichten. Geht aber nicht: Das Waldgesetz verbietet jegliche Ansiedlung – die eines Gewerbebetriebs ohnehin. Eine Debatte darüber ist müßig.

Mag sein, dass die Behörden 1992, als Dieter Walcker mit dem Steinhandel im Schindhau anfing, beide Augen zugedrückt haben, weil sie damit ein anderes Problem lösten: Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien hatten in den Hütten dort Unterschlupf gefunden. Immer wieder brannte es auf dem Gelände. Walcker sollte für Ordnung und Sicherheit sorgen. Dass er sich nebenher mit dem Verkauf gebrauchter Steine etwas verdiente, ging da schon in Ordnung.

Unfassbar aber ist, dass sämtliche Behörden – angefangen bei der Stadt und beim Landratsamt übers Land bis hin zum Bund – 20 Jahre lang die Augen fest zudrückt haben, während sich der Betrieb ausweitete. Und das, obwohl Ebert schon 1994 auf das Problem aufmerksam gemacht hat. Als Begründung war bei den Recherchen immer wieder zu hören, dass der Handel mit gebrauchten Steinen doch eine gute Sache sei.

Ob die Amtsleute den Betrieb gut oder schlecht finden, darf aber keine Rolle spielen. Behörden sind schließlich keine moralischen Instanzen, sondern haben dafür zu sorgen, dass Gesetze eingehalten werden. Und zwar nicht erst dann, wenn zufällig Bürger darauf stoßen, dass das in einem Betrieb seit 20 Jahren nicht der Fall ist.

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Erstellt:
12. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. November 2012, 12:00 Uhr

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