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Kulturpolitik

Aufstand der Aufsichten

Das Personal im Haus der Kunst soll outgesourced werden. Doch es leistet kreativen Widerstand.

08.10.2019

Von PATRICK GUYTON

München. Sie sammeln Fotos, sie haben schon viele. Prominente aus dem Kulturbetrieb sind abgebildet mit einem Button, der die Aufschrift trägt: „No outsourcing, save the guards of hdk“ („Rettet die Aufsichten im Haus der Kunst). Die Bildhauer El Anatsui und Ai Weiwei haben mitgemacht, der Fotograf Thomas Struth, Kiki Smith und Miriam Cahn, Senta Berger. Auch Markus Lüpertz, der gerade eine große Ausstellung vor Ort hat. Im Münchner Haus der Kunst (HdK), seit Jahren geplagt von verschiedensten Problemen, rebellieren nun große Teile der Belegschaft gegen den Geschäftsführer Bernhard Spies.

Die Aufsichten, die Kassenkräfte, die Leute an der Pforte – nach den Plänen des Geschäftsführers sollen sie alle, gegenwärtig 46 Personen, nicht mehr beim HdK angestellt sein, sondern über einen Personaldienstleister beschäftigt werden. Oder aber gehen. Zur Eskalation kam es vor drei Wochen, als plötzlich Ai Weiwei im HdK stand. Er steckte sich den Protest-Button an die Jacke und wollte aus Solidarität mit den Beschäftigten eine Stunde lang Kartenabreißer bei der Lüpertz-Ausstellung sein. Direktor Spies, der von der Aktion nichts wusste, kam dazu. Die Darstellungen darüber gehen auseinander, ob Ai Weiwei aus dem Haus gebeten oder geworfen wurde.

Betriebsrat abgemahnt

Dann folgte die Abmahnung des gesamten Betriebsrates. Das Gremium habe von der Ai Weiwei-Aktion gewusst, aber die Geschäftsführung nicht informiert und damit „eine Rufschädigung des Hauses billigend in Kauf genommen“. Der Betriebsrat, der als Einheit sprechen möchte, klagt: Der Geschäftsführer versuche, die Belegschaft „zu spalten“. Es herrsche „riesige Angst“.

Bernhard Spies, der seit Frühjahr vergangenen Jahres tätig ist, erklärt: Die Höhe der Gehälter sei nicht das Problem, sondern die flexiblen und sehr passgenau zugeschnittenen Verträge. So gebe es Beschäftigte mit nur 2,5 oder 4,5 Stunden Wochenarbeitszeit. „Das ist ein riesiger Organisationsaufwand.“ Unter 20 Stunden möchte er niemanden anstellen.

Das Personal im HdK stellt sich aber als ziemlich einzigartig dar. Die meisten sind selbst Künstler oder Kunstinteressierte, die dort nebenbei arbeiten. Regina Hochdörfer von der Kasse berichtet, dass sie täglich von Besuchern gefragt werde, welche Ausstellung sie empfehle. Solches Personal bekomme man nicht mit Leiharbeitern im Niedriglohnsektor, so der Betriebsrat.

Federführend zuständig ist das bayerische Kunstministerium. Ressortchef Bernd Sibler (CSU) verlangt „sozial vertretbare Lösungen“. Patrick Guyton

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Erstellt:
8. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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