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Aufruf zur Wachsamkeit
Das weiße Geschäftshaus in Bad Cannstatt ist der gegenwärtige Sitz der Scientologen. Foto: Ferdinando Iannone
Weltanschauung

Aufruf zur Wachsamkeit

Die umstrittene Scientology-Bewegung plant offenbar eine neue Repräsentanz in der Stuttgarter Innenstadt. Grüne warnen vor der Organisation.

14.11.2017
  • RAINER LANG

Stuttgart. Die Scientology-Organisation will offenbar ihre Präsenz im Südwesten weiter ausbauen. Darauf deutet die Tatsache hin, dass an der geplanten Repräsentanz in der Heilbronner Straße in Stuttgart nach Angaben des Landesverfassungsschutzes die Renovierungsarbeiten seit Spätsommer weiter gehen. Davon alarmiert, stellten die Grünen im Stuttgarter Gemeinderat vor einem Monat eine Anfrage an die Stadt und äußerten darin Bedenken, ob genug getan werde, um die Gefährlichkeit von Scientology deutlich zu machen.

Nicht nur den Grünen ist aufgefallen, dass Scientologen seit einigen Jahren ihre Werbeaktivitäten an Infoständen in der Innenstadt verstärkt haben. Angelockt werden Passanten vor allem mit einem Persönlichkeits- oder Stresstest und dem Versprechen, dass sie durch die Organisation glücklich werden können. In ihrer Anfrage weisen die Grünen darauf hin, dass Scientology seit 20 Jahren vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet wird.

Weiter heißt es: „Um die als Ziel proklamierte ,Brücke zur völligen Freiheit‘ zu überqueren, haben die Mitglieder der Organisation hohe Kursgebühren zu zahlen, dazu kommen noch hohe freiwillig zu leistende Spenden, so dass Mitglieder oftmals in die Verschuldung geraten. Von Menschen, die den Lehren der Organisation widersprechen, haben sich die Scientology-Mitglieder zu trennen, so dass der Kontaktabbruch zu deren Familien und deren Freunden droht“.

Standort in Cannstatt fällt weg

Scientology bezeichnet sich selbst als Kirche. Für Kritiker ist dies aber nur eine Fassade, um möglichst viel Gewinn zu erzielen. Die evangelische Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen in Stuttgart warnt ausdrücklich vor der Anfang der 50er Jahre vom amerikanischen Science-Fiction-Autor Ron L. Hubbard gegründeten Organisation. Unter dem Deckmantel der geistigen Weiterentwicklung gehe es darum, teure Kurse zu verkaufen und Menschen in ein System zu pressen.

Deutlich wird der Verfassungsschutz in seinem jüngsten Bericht. Darin wird die Organisation als verfassungsfeindlich eingestuft, weil sie ein totalitäres Regime anstrebe, in dem Grundrechte massiv eingeschränkt seien. Laut Verfassungsschutz sinken aber die Mitgliederzahlen. Immer mehr werde Baden-Württemberg zum Schwerpunkt der Scientologen, betonte ein Behördensprecher auf Anfrage. Dies liege an der Wirtschaftskraft, vor allem auch in der Region Stuttgart.

So eröffneten die Scientologen 2016 ein neues Zentrum in Kirchheim/Teck. Der Sprecher hält es für möglich, dass im nächsten Jahr der neue Sitz in Stuttgart eröffnet wird. onkrete Informationen über die Planungen sind von Scientology in Stuttgart nicht zu erhalten. Ein Sprecher sagte: „Ich weiß von nichts. Zu Gerüchten nehme ich keine Stellung.“

Klar ist jedoch nach Angaben der Grünen, dass die Scientologen in Baden-Württemberg ihren Sitz in Stuttgart-Bad Cannstatt räumen müssen. Ihren Standort Reichenbachstraße 26 müsse die Organisation aufgegeben, sobald dort die Bauarbeiten für den Neckarpark beginnen.

Laut Verfassungsschutz hat Scientology 2010 für acht Millionen Euro die Immobilien Heilbronner Straße 67/69 erworben. Das Gebäude liegt in der Nachbarschaft des Einkaufszentrums Milaneo und des Wohnturms „Cloud No. 7“. Auf Anfrage bei der Stadt hieß es, dass das Baurechtsamt keine Einwände gegen gegen die Sanierung habe. Offiziell trete Scientology nicht als Nutzer auf. Die kritische Haltung zu Scientology wird von allen Seiten geteilt. Die Grünen-Stadträtin Andrea Münch rief dazu auf, „immer wachsam zu sein“, auch wenn die Organisation gegenwärtig weniger Erfolg habe. CDU-Stadtrat Markus Reiners weist auf die begrenzten Handlungsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene hin. Die Fraktion achte vor allem darauf, dass genehmigungsrechtliche Belange erfüllt seien und setze auf Aufklärung.

Der frühere evangelische Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich von der SPD betont, dass die Organisation ihre Mitglieder psychisch und finanziell abhängig mache. „Es gibt schon genug Leute, die gutgläubig ihr Geld und ihre finanzielle Existenz in Erwartung echter Hilfe für zweifelhafte Therapie-Angebote investiert haben“, sagt Ehrlich.

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14.11.2017, 06:00 Uhr
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