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Aufruf zu mehr Menschlichkeit
Dhahri Hajer vom Muslimrat München nahm am Ökumenischen Gottesdienst für die Opfer teil. Foto: Getty Images
München trauert um die neun Opfer des Attentats

Aufruf zu mehr Menschlichkeit

Erschüttert und mit viel Pathos gedenkt die bayerische Metropole der neun Opfer des Attentats. Nur einer redet Klartext zum Thema Rechtsextremismus.

01.08.2016
  • PATRICK GUYTON

München. Bei den Trauer- und Gedenkfeiern gibt Bundespräsident Joachim Gauck den neun Opfern des Münchner Attentates vom 22. Juli Namen, zumindest Vornamen. Selcuk hießen sie und Can, Hüseyin und Sevda. Gauck schaut vom Rednerpult im bayerischen Landtag immer wieder nach oben auf die Empore, wo die Angehörigen und Freunde der Getöteten sitzen. Die Liste geht weiter: Roberto, Armela, Giuliano, Dijamant und Sabina.

„Taten wie diese lassen uns erstarren“, sagt der Präsident. Und zu den Eltern, den Geschwistern, den Verwandten: „Sie sind in Ihrer Trauer nicht allein, wir wollen Ihnen nah sein.“ München gedenkt der Opfer des Attentats, des Amoklaufs vom vorletzte Freitag. Der 18-jährige Deutsch-Iraner David S. hatte vor dem Olympia-Einkaufszentrum gegen 18 Uhr mit einer Pistole auf Menschen geschossen, die er nicht kannte. Schließlich nahm er sich selbst das Leben.

Danach wurde zuerst die Version aufgebracht, S. sei ein psychisch kranker Amokläufer, der wahllos auf Menschen geschossen habe. Dann kamen mehr und mehr Hinweise, dass der junge Mann – zumindest auch – ein Rechtsradikaler war: Er verehrte den norwegischen Rechtsterroristen Anders Breivik, genau zum fünften Jahrestag dessen Attentats verübte er seines. S. fand es ein „positives Schicksal“, dass er am selben Tag wie Adolf Hitler Geburtstag hatte. Beim Blick auf die Opfer spricht vieles dafür, dass sie nicht zufällig, sondern nach Aussehen ausgesucht wurden: Alle haben Migrationshintergrund, bis auf eine Frau handelt es sich um Jugendliche. Bei dieser Konstellation müssen Trauerfeiern schwierig sein. Was sollte angesprochen werden?

Der Frauendom um 16 Uhr, Trauergottesdienst. Viel Polizei ist da, jeder, der in die Nähe möchte, wird durchsucht. Die politische Prominenz sitzt in den ersten Reihen: Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), SPD-Chef Sigmar Gabriel und viele andere. Die Prediger Kardinal Reinhard Marx (katholisch, Erzbischof von München und Freising) sowie Heinrich Bedford-Strohm (Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche) sowie Vertreter der Griechisch-Orthodoxen, Mulime und Juden bleiben pathetisch im Allgemeinen.

Da sieben der Getöteten Muslime waren, sprach auch eine Vertreterin des islamischen Glaubens ein Gebet. „Allah, wir bitten Dich um Hilfe für uns, unsere Menschlichkeit nicht zu verlieren“, sagte Dhahri Hajer vom Muslimrat München.

Zwei Stunden später im Landtag. Die Hausherrin Barbara Stamm (CSU) macht weiter wie im Dom: „Die quälende Frage nach dem Warum wird kaum zu beantworten sein.“ Als Letzter spricht OB Dieter Reiter. Es habe Berichte gegeben, dass der Täter eventuell ein Rechtsextremist sei. „Umso mehr werden wir dagegen aufstehen.“ Reiter beschreibt die Tat als „Anschlag auf unser buntes, unser vielfältiges und tolerantes München“.

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01.08.2016, 06:00 Uhr
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