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Ellwangen in Angst vor dem Heckenschützen

Aufregung nach Schüssen mit einem Luftdruckgewehr auf dem Marktplatz - Flüchtling getroffen

Erneut hat ein Unbekannter auf ahnungslose Passanten auf dem Ellwanger Marktplatz geschossen. Zwar war die Waffe offenbar "nur" ein Luftdruckgewehr, aber der Vorfall versetzt die Menschen in Angst.

29.10.2015
  • FRED OHNEWALD

Ellwangen Man traue sich nicht mehr, über den Marktplatz zu gehen, war eine mehrfach gehörte Reaktion auf die Nachricht, dass am Samstag gegen halb fünf am Nachmittag ein Heckenschütze mit einem Luftgewehr auf einen 53-Jährigen geschossen hat, der dort nichtsahnend saß. Der Mann wurde von dem Projektil schmerzhaft am Kopf getroffen, wie die Polizei auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte.

Sowohl auf der Straße als auch in sozialen Netzwerken machen die Menschen seither ihrer Angst Luft, halten ihre Kinder fern. Andere nehmen es gelassen, die dort aufgestellten roten Sofas sind nach dem Bekanntwerden des Vorfalls schon wieder beliebte Raststätten. Ein Geschäftsmann am Marktplatz nennt den Vorgang "idiotisch", nimmt ihn aber schulterzuckend zur Kenntnis: "War ja wohl nur ein Luftgewehr oder eine Luftpistole." Ein weiterer Geschäftsmann zeigt ebenfalls wenig Aufgeregtheit, befürchtet auch nicht, dass Kunden wegbleiben könnten.

OB Karl Hilsenbek hingegen reagiert betroffen. "Unfassbar, wie jemand auf einen solchen Wahnsinnsgedanken kommen kann", sagt er bestürzt, "auf jemanden zu zielen und abzudrücken. Dem muss doch bewusst sein, dass das Schlimmste passieren kann. Wenn er ein Auge oder die Schläfe trifft, kann das tödlich sein."

Es war nicht der erste Schuss. Die Polizei ist mit Verlautbarungen vorsichtig. Schließlich hat ein Unbekannter - womöglich derselbe - schon zum Jahresbeginn 2013 auf Menschen auf dem Marktplatz geschossen, mindestens 23 Personen wurden damals getroffen - und die Polizei hat den Täter bis heute nicht erwischt. Am 9. Januar waren beim Krämermarkt 22 Personen getroffen worden und hatten sich bei der Polizei gemeldet. Ein weiteres Opfer hatte drei Tage zuvor einen Schuss gespürt.

Die Polizei musste schließlich aufgeben, obwohl durch die Zeugenaussagen Rückschlüsse auf den Standort des Schützen möglich geworden waren. Auch eine Wohnung wurde durchsucht. Doch es fanden sich keine Belege dafür, aus welchen Fenstern geschossen worden war. Die Frage, ob die Beamten an die damaligen Ermittlungen wieder anknüpft und wieder bei den gleichen Leuten wieder anklopft, beantwortet Polizeisprecher Bernhard Kohn so: "Wir machen unsere Hausaufgaben. Aber wir denken da auch kreativ."

Laut Kohn ist es der in der kühlen Jahreszeit dickeren Kleidung der Menschen zu verdanken, dass viele der Treffer keinen oder keinen großen Schaden angerichtet haben. Viele haben womöglich gar nichts davon bemerkt. Und so ist es auch nicht ausgeschlossen, dass in jüngster Zeit wieder mehrere Schüsse gefallen sein könnten und sich manche unfreiwillige "Zielscheibe" den plötzlichen, fast lautlosen und scheinbar aus heiterem Himmel kommenden Aufprall bloß nicht erklären und das seltsame Loch in der Kleidung nicht einordnen kann.

Das 53-jährige Opfer am Samstag dagegen spürte den Treffer am Kopf sehr wohl. "Ein Glück, dass der Schuss nicht ins Auge ging", sagt Polizeisprecher Kohn, denn dort kann auch ein Luftgewehrgeschoss einen schlimmen Schaden anrichten. Zudem ist Luftgewehr nicht gleich Luftgewehr, denn neben einfachen, eher schwachen Ausführungen gibt es auch welche mit so hoher Durchschlagskraft, dass die sogar in gewissem Umfang zur Jagd genutzt werden können.

Der Umstand, dass es sich bei dem jüngsten Opfer um einen Bewohner der Landeserstaufnahmestelle (Lea) handelt, bestätigte Kohn auf Anfrage. Zugleich mahnt er, dass sich daraus nicht automatisch schlussfolgern lasse, der unbekannte Schütze habe es speziell auf Ausländer abgesehen. Auf den roten Sofas am Marktplatz halten sich eben oft hauptsächlich Lea-Bewohner auf, und bei den Vorfällen Anfang 2013 hat es alle möglichen Leute getroffen. Der Heckenschütze hat offenbar wild auf alles gezielt, was ihm vor die Mündung kam.

Aufregung nach Schüssen mit einem Luftdruckgewehr auf dem Marktplatz - Flüchtling getroffen
Diabolo-Munition für Luftdruckwaffen. Damit schießt der Unbekannte. Treffer ins Auge oder an der Schläfe können übel ausgehen. Foto: © fotolia/thombach.com

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29.10.2015, 12:00 Uhr
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