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Aufmerksamkeitsforschung: Männer filtern besser

Männer können besser zuhören und sich unter Umständen leichter auf einen Partner konzentrieren. Das besagt eine Tübinger Studie. Ein Paar sitzt im Festzelt auf dem Cannstatter Wasen. Auf der Bühne lärmt die Band. Links und rechts von ihnen, hinter und vor den beiden unterhalten sich die Leute. Was heißt hier Unterhaltung? Sie schreien, um sich verständlich zu machen. Im Gang versucht die Bedienung, ein Göckele an den Kunden zu bringen. Wie soll man unter diesen Umständen Konversation machen? Eigentlich aussichtslos, aber unser Paar versucht es.

24.06.2011

Von RAIMUND WEIBLE

Tübingen Wer schafft es in dieser Situation besser, dem anderen zuzuhören? Nach einer aktuellen Studie, die im Tübinger Uni-Zentrum für Neurologie und am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung gemacht wurde, löst der Mann diese Aufgabe besser als die Frau. Wie das? Es heißt doch immer, Frauen könnten besser zuhören. Das stimmt vielleicht, nicht aber unter extremen Umständen - hat jedenfalls die Studie ergeben. Demnach fällt es Männern leichter, sich genau auf die Stimme des Gegenübers zu konzentrieren und gleichzeitig alle anderen Stimmen und Geräuschquellen zu unterdrücken.

Die Neurowissenschaftlerin Ida Zündorf hat die Untersuchung geleitet. Die 30-jährige Doktorandin setzte zehn Männer und zehn Frauen in einen Raum und beschallte sie aus fünf Lautsprechern. Die Probanden und Probandinnen sollten zeigen, aus welcher Box eine bestimmte Geräuschquelle kommt. Laut Zündorf konnten die Männer die Quelle des Schalls viel genauer ermitteln als die Frauen. Eine Kontrollstudie bestätigte den Befund. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern seien signifikant gewesen, sagt Zündorf.

Warum das Aufmerksamkeitssystem bei Männern besser ausgebildet ist als bei Frauen, erklären Zündorf und ihr Doktorvater Hans-Otto Karnath mit der menschlichen Evolution. Männer gingen in der Vorzeit auf die Jagd, dabei war es wichtig für sie, Beutetiere und Gefahren visuell und per Gehör rasch zu lokalisieren. So optimierte sich in Tausenden von Jahren das Aufmerksamkeitssystem der Männer.

Heute sind derartige Funktionen im Alltag selten notwendig. Doch hinterließen diese Funktionen, so Zündorf, Spuren in der Organisation des Gehirns - und dementsprechend im Verhalten.

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Erstellt:
24. Juni 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Juni 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2011, 12:00 Uhr

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