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Kopp lenkt nicht ein

Aufforderung der SPD erinnere ihn an Diktatur

Offensiv antwortete der Rottenburger Kopp Verlag auf den Offenen Brief der SPD und der Kritik von Oberbürgermeister Stephan Neher an einem Artikel zur Flüchtlingssituation. Geschäftsführer Jochen Kopp schrieb, eine Einschränkung der Meinungsfreiheit „werden Sie in meinem Verlag nicht erleben!“ CDU, Grüne, Linke und WiR unterstützten hingegen SPD und OB.

03.09.2015

Von gef

Rottenburg. Wie berichtet, hatte die Rottenburger SPD einen Artikel von Gerhard Wisnewski, der auf Kopp Online erschien, heftig kritisiert. Wisnewski verwende eine Sprache, die nahelege, Deutschland befinde sich wegen der Flüchtlinge im Kriegszustand. Flüchtlinge würden als „Waffe“ bezeichnet, hiesige Politiker als „ferngelenkte Zombies“. Artikel wie diese seien geeignet, „Hass gegen die Flüchtlinge zu schüren“. Die SPD habe den Text „mit Abscheu“ gelesen und forderte von Kopp, „sich klar und eindeutig zu positionieren“.

Oberbürgermeister Stephan Neher bezeichnete Wisnewskis Artikel als „haarsträubend“, „erschreckend“ in der Wortwahl und ohne fundierte Recherche geschrieben. Er verlangte, dass sich Verlagschef Kopp „bitte ausdrücklich distanziert“.

Am Donnerstag schob Gerhard Wisnewski einen langen Artikel nach. Überschrift: „Angriff auf die Pressefreiheit: SPD versucht Kopp Verlag einzuschüchtern.“ Dann versucht er seinen Artikel vom 25. August zu erklären. Schuld an der Flüchtlingswelle seien „nicht die Migranten, sondern die Drahtzieher dieser Migrationswelle, einschließlich der Bundeskanzlerin“. Wisnewski beruft sich auf die österreichische Nachrichtenseite „info-direkt.at“; dort habe ein Mitarbeiter des österreichischen Geheimdiensts behauptet, es gebe „Erkenntnisse darüber, dass Organisationen aus den USA ein Co-Finanzierungsmodell geschaffen haben und erhebliche Anteile der Schlepperkosten tragen“. Der Ausdruck „Migrationswaffe“, so Wisnewski, stamme von der amerikanischen Wissenschaftlerin Kelly M. Greenhill. Sie habe künstlich erzeugte Flüchtlingsströme als Kriegsführung beschrieben.

Ausführlich befasst sich Wisnewski mit der SPD, zitiert Herbert Wehner, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Gerhard Schröder mit Sätzen, die nicht ausländerfreundlich sind. Noch 2005 habe Schmidt im „Focus“ gesagt: „Wir müssen eine weitere Zuwanderung aus fremden Kulturen unterbinden“. Und: „Sieben Millionen Ausländer in Deutschland sind eine fehlerhafte Entwicklung, für die die Politik verantwortlich ist.“ Angela Merkel habe 2004 gesagt: „Die multikulturelle Gesellschaft ist gescheitert.“

Wisnewski schreibt, er habe nicht zu Hass oder Gewalt aufgerufen, sondern dazu, Flüchtlinge aus Seenot zu retten „und so lange in die Ausgangshäfen zurückzubringen, bis die Flüchtlingswelle über das Mittelmeer abebbt“. Er habe gefordert, die Grenzen zu schließen und zudem die „Geburtenraten der indigenen europäischen Bevölkerungen“ zu erhöhen.

Jochen Kopp verwies ebenfalls auf Kelly Greenhill und schrieb: „In den USA gibt es unter Wissenschaftlern keinen Zweifel daran, dass Flüchtlingsströme systematisch als ?Waffe? eingesetzt werden.“ Die SPD schwinge sich „zum Gedanken- und Gesinnungspolizisten“ auf. Ihre Forderung, er als Verleger solle sich „mit aller Konsequenz“ von Wisnewskis Artikel distanzieren, erinnere ihn „an die beiden Diktaturen, die wir im vergangenen Jahrhundert auf deutschem Boden erlebt haben, in denen jeweils eine Partei den Systemmedien vorgeschrieben hat, was sie berichten durften uns was nicht.“ Jochen Kopp schließt: „Das werden Sie in meinem Verlag nicht erleben!“

Das TAGBLATT bat die Rottenburger Ratsfraktionen um Stellungnahmen zum gestrigen Artikel. Horst Schuh, CDU, schreibt: „Nachdem ich mir die Internetseite des Kopp Verlags angesehen habe, teile ich die Meinung und Auffassung von Herrn Steur und Frau Nohr (SPD) und unterstütze die auch von OB Neher geäußerte Forderung, dass sich der Kopp Verlag von dem benannten Bericht ausdrücklich distanziert.“

Ursula Clauß schreibt für die Grünen, sie halte den Brief der SPD für „dringend notwendig“. Man könne „solchen Hetzern und Demagogen nicht oft genug auf die Finger“ klopfen. Sie seien es, „die mit ihrer Wortwahl, ihrer Verdrehung der Tatsachen und ihren Unterstellungen den Teil unserer Bevölkerung bestätigen und ermuntern, der sich stets zu kurz gekommen und nicht genügend geschätzt fühlt“. Der Kopp Verlag biete „ein Forum für Vordenker der rechtsgerichteten Szene“. Mit falschen Argumenten und Behauptungen werde zum Eingreifen aufgefordert „und wohin das führt, hat man zum Beispiel in Heidenau und Weissach gesehen“.

Peter Cuno schreibt für die WiR, es wäre besser gewesen, Kopp Online nicht durch den Offenen Brief aufzuwerten. „Wir haben Meinungsfreiheit, der Kopp- Verlag untersteht nicht der Beobachtung durch den Verfassungsschutz und inseriert selbst in seriösen Magazinen“, so Cuno. Der Flüchtlingszustrom nach Deutschland sei „eine riesige Herausforderung, die dennoch eine differenzierte Betrachtung erlauben muss aber mit Menschlichkeit und Toleranz aufgrund bestehender Gesetze und Regelungen gesamteuropäisch gelöst werden muss und kann. Nicht mit den – trotz Meinungsfreiheit – inakzeptablen Hetzparolen eines Herrn Wisnewski. Die Wählerinitiative Rottenburg und ich distanzieren uns ausdrücklich von den im Kopp Verlag online veröffentlichten Aussagen.“

Emanuel Peter, Linke, begrüßte, „dass jetzt auch die SPD und OB Neher sich öffentlich vom Kopp Verlag und seinen ?Journalisten? distanzieren und vom Inhaber fordern, dass er sich vom Pamphlet von Wisnewski distanziert“. Es sei das Verdienst Albert Bodenmillers, „schon vor Jahren auf die rassistischen Veröffentlichungen in Büchern des Kopp Verlags hingewiesen zu haben“. Angesichts der zahlreichen Angriffe auf Flüchtlinge in vielen Bundesländern sei es, so Peter, „an der Zeit, eine öffentliche Debatte über die ?geistigen Brandstifter? zu führen. Denn sie machen Opfer zu Tätern. Jede Gewalt beginnt in den Köpfen – Toleranz und Frieden ebenso.“

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Erstellt:
3. September 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
3. September 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. September 2015, 12:00 Uhr

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