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Stets als erste am Tatort

Auf ihrer täglichen Tour müssen Streifenpolizisten schnell eingreifen und stark auftreten

Ermittler, Staatsanwälte, Detektive und Forensiker trumpfen in TV-Serien auf. „Den ersten Angriff“ bei Verbrechen übernehmen aber Streifenpolizisten.

16.08.2016
  • MAIK WILKE

Reutlingen. Über Funk dringt die Nachricht in den Streifenwagen: Verkehrsunfall mit einem oder mehreren Schwerverletzten. Die Straße wird durchgegeben, danach muss es schnell gehen. Blaulicht an, im Kopf den schnellsten Weg programmiert und ab geht die Fahrt. Als Streifenpolizist beim Revier Reutlingen gilt es für Polizeikommissar Marc Reichmann, immer als Erster vor Ort zu sein. Im Jargon der uniformierten Gesetzeshüter ist das „der erste Angriff“.

Weil bei Verkehrsunfällen, Ruhestörungen, häuslicher Gewalt, Einbrüchen und Ladendiebstählen Eile geboten ist, bekommt die Streife über Funk zunächst nur wenige Informationen von der Einsatzzentrale. Dennoch: Wilde Verfolgungsjagden wie von Fernsehserien vorgegaukelt, gibt es nur in Ausnahmefällen, erklärt Reichmann, der seit knapp zehn Jahren Streife fährt. Am Einsatzort überprüfen die Beamten zunächst die Situation, rufen eventuell Verstärkung, leisten Erste Hilfe. Anschließend befragen sie Beschuldigte, sichern Spuren, nehmen Zeugenaussagen auf. Erst danach werden bei Bedarf die Kriminalpolizei oder andere Spezialkräfte eingeschaltet.

Was ein Streifenpolizist für seinen Job definitiv braucht: ein dickes Fell und starkes Auftreten. „Die Respektlosigkeit nimmt immer mehr zu“, sagt Reichmann. Pöbeleien und Beleidigungen müssen Beamte häufiger aushalten. „Früher hat das Wort des Schutzmannes gegolten – das verfällt zunehmend.“ Das sichere Auftreten wird während der Ausbildung in Handlungs- und Konflikttraining vermittelt und auch danach regelmäßig geübt, sagt Einstellungsberater Ralf Schlichtig. „Dadurch legen Auszubildende ihre Schüchternheit relativ schnell ab. Andere wiederum lernen, sich zu bremsen.“

Obwohl die Schusswaffe inklusive Ersatzmagazin immer am Gürtel des Streifenbeamten sitzt, ist sie nur das letzte Mittel, um eine Situation unter Kontrolle zu bringen. Zur „persönlichen Mannausstattung“ gehören auch Pfefferspray, Schlagstock, Handschellen sowie Taschenlampe und Funkgerät. Auf den Einsatz seiner Ausrüstung verzichtet Reichmann aber gerne: „Es ist wichtig, einen Gegenüber auch ohne Waffen auf den Boden bringen zu können.“ Selbstverteidigung gehört daher zum festen Trainingsprogramm, erzählt der Polizist.

Krach unter Eheleuten, Diskussionen mit renitenten Teenies oder alkoholisierte Schreier – sie gehören sicher zu der unangenehmeren Seite des Jobs. Dennoch mag Reichmann den Kontakt zu den Bürgern und möchte die Straße zumindest derzeit noch nicht verlassen.

Dabei gibt es bei der Polizei viele Möglichkeiten: Spezialdienst der Verkehrsunfallaufnahme, die Kripo, Sondereinsatzkommandos, die Cyberkriminalität, die Wasserschutzpolizei sowie die Forensik gehören dazu, ebenso wie die Hubschrauber- und Hundestaffel. Und in der Reiterstaffel kann der Aufstieg im wahrsten Sinne hoch zu Ross gelingen. Einstellungsberater Schlichtig empfiehlt jedem jungen Menschen mit Teamgeist, sich zu bewerben. Ein Kandidat muss bestimmte Voraussetzungen aber erfüllen: Die Mindestgröße beträgt 1,60 Meter, der Body-Mass-Index (BMI) muss zwischen 18,0 und 27,5 liegen, das Alter zwischen 16,5 und 31 Jahren. Und er muss die freiheitliche demokratische Grundordnung bejahen und die „Weiße Weste“ tragen – also keine Vorstrafen haben. „Wir sind da, um Spitzbuben zu fangen, nicht um sie auszubilden“, sagt Schlichtig.

Ein Streifenpolizist muss hart im Nehmen sein. Reichmann hat das vor einigen Jahren erfahren, als er abends in Böblingen auf Streife fuhr und auf den Bahnhof zitiert wurde: „Person auf einem Gleis“. Was Reichmann und sein Partner vorfanden, war viel schlimmer. „Der Oberkörper des jungen Mannes war zwischen dem Gleisbett und der Front der S-Bahn eingeklemmt. Aber der Unterkörper war abgetrennt.“ Der Mann starb noch an der Unfallstelle.

So erschreckend dieser Fall war, er zeigte Reichmann auch die Stärken des Teams: „Man wird mit so einem Erlebnis nie allein gelassen. Die Kollegen fangen einen immer auf.“ 19 Frauen und Männer sind in seiner Dienstgruppe, einen festen Partner gibt es meist über drei bis vier Monate. Gefahren wird in mehreren Schichten und Touren, im Regelfall können bis zu sieben Streifen gleichzeitig auf den Reutlinger Straßen unterwegs sein. „Wir versuchen immer die größtmögliche Präsenz zu zeigen“, erklärt Björn Reusch, Leiter der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit.

Nach der Fahrt muss Reichmann stets zurück ins Revier – Papierkram steht an. „An dem kommt man eben nicht vorbei.“

Die Karrierechancen

Ausbildung Die Ausbildung zum mittleren Polizeivollzugsdienst dauert 30 Monate, Voraussetzung ist die Mittlere Reife. Das Bachelorstudium (Voraussetzung: Abitur oder Fachhochschulreife mit einem Notenschnitt von mindestens 3,0) zum gehobenen Dienst dauert 45 Monate – nach Abschluss erwirbt der Beamte den Rang des Polizeikommissars.

Weiterbildung Wer im gehobenen Dienst überdurchschnittliche Leistungen zeigt, kann nach mehreren absolvierten Verwendungen und Bestehen des Assessement-Centers den höheren Polizeidienst erreichen. Für die Bezeichnungen gilt: Polizeimeister bis Polizeihauptmeister sind mittlerer Dienst; Polizeikommissar bis -hauptkommissar sind gehobener Dienst; Polizeirat bis Präsident sind höherer Dienst.

Verdienst Während der Ausbildung und im Studium gibt es ein Grundgehalt von etwa 1100 € netto in den drei Ausbildungsjahren. Das Einstiegsgehalt als Meister (also nach Ausbildung in mittleren Dienst) beträgt 2200 €, als Kommissar, also nach dem Studium, bei 2500 €.⇥mw

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16.08.2016, 15:03 Uhr
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