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Auf ein Nickerchen zu Ikea
Chinesen fühlen sich wohl bei Ikea so sehr, dass sie gern auch ihren Mittagsschlaf in den Ausstellungsbetten abhalten. Foto: Felix Lee
Chinesische Angestellte legen sich mittags auf die Betten und Sofas

Auf ein Nickerchen zu Ikea

Chinesen lieben Ikea. Und zwar nicht nur zum Möbel- und Schnickschnackkauf, sondern auch in der Mittagspause. Denn ein Schläfchen ist ihnen heilig.

13.08.2016
  • FELIX LEE

Peking. In die Pekinger Ikea-Filiale im Nordosten der Stadt strömen jeden Wochentag gegen Mittag die Angestellten der umliegenden Bürotürme, nehmen zunächst eilig ein Köttbullar-Mahl ein, laufen dann aber schnurstracks in die Betten- und Matratzenabteilung. Und wenn dort schon alles besetzt ist, schleppen sie sich zurück zur Ausstellungsfläche der Sofas, klappen sie auf, lassen sich auf die weichen Polster fallen und schlafen.

Und nicht nur in der Pekinger Filiale. Sämtliche ausgestellte Sofas und Betten in den chinesischen Ikea-Häusern sind zur Mittagszeit regelmäßig mit schlafenden Besuchern belegt. „Ikea-Nickerchen“ (yijia wujiao) ist inzwischen ein feststehender Begriff in China.

Besonders an heißen Sommertagen geht es auf den klimatisierten Ausstellungsflächen für Betten und Polstermöbel zu wie einst in Deutschland im Schlafsaal eines Schullandheims. Das von Ikea angebotene Probeliegen wird in China eben sehr ernst genommen.

So emsig und arbeitswütig Chinesen sonst gelten – der Mittagsschlaf ist ihnen heilig. Oft machen sie ihr Nickerchen dort, wo sie sich gerade aufhalten. Da schlafen dann einige auf ihren Fahrrad-Rikschas, auf dem Sattel sitzend und mit den Füßen auf dem Lenkrad.

Zuweilen ist auf einem der vielen Baugerüste in Peking zu sehen, wie Arbeiter ihre Beine vom Geländer baumeln lassen. Sie halten ihre Nickerchen in schwindelnder Höhe.

Selbst auf den an anderen Tageszeiten so belebten Märkten kehrt um zwölf Uhr Ruhe ein. Auch die Händler haben ihre Köpfe gebeugt nach vorne auf ihre Hände gelegt und ruhen. Der Mittagsschlaf ist in der kommunistisch regierten Volksrepublik eben ein Grundrecht.

Vor allem in Großraumbüros ist es ein alltäglicher Anblick, dass die Mitarbeiter zur Mittagszeit reihenweise und ungehemmt ihre Köpfe auf die Schreibtische gelegt haben. Einige haben sogar spezielle Schlafkissen dabei.

Viele Arbeitgeber unterstützen das Nickerchen. Sie dimmen zur Mittagszeit das Licht, indem sie Rollos herunterfahren oder die ansonsten in Büros so weit verbreiteten Neonröhren ausschalten. Damit auch ja niemand unverhofft die Ruhe stört, bleiben die Türen trotz der verdunkelten Räume geöffnet. Die Logik dahinter: Besucher und Kunden sehen sofort, dass sie erst zu einem späteren Zeitpunkt wiederkommen müssen.

Der Mittagsschlaf hat in China eine lange Tradition. Schon Konfuzius riet den damaligen Fürsten, täglich zum Höchststand der Sonne die Kriege und Geschäfte ruhen zu lassen und sich in die Gemächer zu begeben. Das stärke die Konzentration für den Nachmittag. Der traditionellen chinesischen Medizin zufolge verhindert ein Mittagsschlaf die übermäßige Streuung von Yang-Energie und nährt stattdessen das Herz. Der Schlaf darf aber nicht zu lange sein. Eine halbe Stunde sei optimal.

Und wie geht Ikea mit dem Mittagsschlaf der Gäste um? Die Schlafenden dezent aufwecken? Das sei angesichts der Massen gar nicht möglich, antwortet ein Mitarbeiter der Pekinger Filiale. „Wir lassen sie schlafen.“ Das gehöre in China zur Kundenpflege dazu.

Inzwischen hat der Konzern eigene Untersuchungen anstellen lassen und festgestellt: Die Kaufbereitschaft sei nach einem Nickerchen deutlich höher. Aus diesem Grund habe Ikea sogar schon mal darüber nachgedacht, berichtet der Mitarbeiter, die Lichter auch in seinen Filialen in anderen Ländern in der Bettenabteilung zur Mittagszeit zu dimmen.

Doch auch in China verändern sich die Gewohnheiten: Anders noch vor ein paar Jahren zögen sich die meisten Besucher inzwischen die Schuhe aus, bevor sie ins Bett steigen und sich unter die Decke kuscheln, erzählt der Ikea-Mitarbeiter. Er müsse nicht mehr täglich die Bettwäsche wechseln.

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13.08.2016, 06:00 Uhr
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