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Neue Musik

Auf der Suche nach Gemeinsinn

Das Festival Eclat bewegt sich zum Auftakt zwischen Konzert, Hausmusik und Gruppentherapie.

09.02.2019

Von Otto Paul Burkhardt

Stuttgart. Volle Säle und ein debattenfreudiges Publikum: Das Festival Eclat, es wächst und wächst. Einzelne Konzerte werden deshalb schon zwei Mal angeboten. Und mit sage und schreibe 37 Uraufführungen toppt das Stuttgarter Eclat sogar die Donaueschinger Musiktage, den Neutöner-Treff Nummer eins, der es auf „nur“ 22 brachte. Dabei erprobt Christine Fischer, die Eclat-Intendantin, stets auch neue Konzertformen. So bewegte sich das zweieinhalbstündige Projekt „Circles“ zwischen „normalem“ Konzert, Hausmusik und Gruppentherapie.

Die Zuschauer durften sich auf eine gemeinsame Wanderung von Saal zu Saal begeben und konnten sich zum Teil auch selbst einbringen: trampeln, pfeifen, singen und mehr. Das ist nichts Neues – und als „Aufhebung der vierten Wand“ im Theater schon seit langem versucht worden.

Das „Circles“-Projekt bei Eclat probierte noch einmal Ähnliches unter dem Label „partizipativ“. Der Plan war es, offenbar noch „sozial verkantete Situationen“ zu lockern und in Zeiten zunehmender Zersplitterung und Vereinzelung wieder so etwas wie Gemeinsinn zu aktivieren.

Speziell bei „Your Turn“, einer Kartenspiel-Performance der Chinesin Huihui Cheng für sechs Sänger und Zuschauer, gelang das ohne Probleme. Wie beim beliebten Memory-Spaß „Kofferpacken“ waren die Neuen Vocalsolisten auf der Bühne und die Zuschauer im Saal aufgefordert, sich allerlei verrückte Sprach- und Klangbruchstücke einzuprägen und zu wiederholen – und dabei grandios zu scheitern.

Als dann die glänzend aufgelegten Interpreten die Latte mit Wagner-Fragmenten („Winterstürme wichen dem Wonnemond“) und abenteuerlichen Kieks-Koloraturen immer höher legten, gab es nur noch eine Lösung: abrupter Spielabbruch in kollektiver Heiterkeit.

Durchwachsene Ertragslage

Die musikalischen Erträge dieses Auftakt-Experiments zum Thema „neuer Gemeinsinn“ fielen dagegen eher durchwachsen aus. Allenfalls Antje Vowinckels „Gipfeltreffen“ ragte da etwas heraus – eine leise, feine Klangstudie, die den Sprachmelodien aussterbender Dialekte nachspürt.

Ansonsten bietet das fünftägige Festival, das bis Sonntagabend dauert, wieder ein breites Spektrum, das sich verstärkt als „Seismograph“ gesellschaftlicher Entwicklungen versteht. Klanginstallationen und Late-Night-Acts finden sich da ebenso wie eine Soloperformance für Zither („Wuchtbrummen“), aber auch aufwändige Projekte mit dem Klangforum Wien und das große Finale mit dem SWR Symphonieorchester.

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Erstellt:
9. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Februar 2019, 06:00 Uhr

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