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Freizeit

Auf der Jagd nach dem Jugg

In der Nähe von Ulm haben Kinder eine neue Sportart entdeckt, die Rugby und Fechten vereint. Noch ist es ein kleines Team, das auf dem Gelände des RSV Wullenstetten trainiert. Doch das soll sich ändern.

21.04.2018

Von SONJA FIEDLER

Sieht ein bisschen aus wie ein Gladiatorenkampf: Kinder in Wullenstetten üben den Umgang mit dem Pompfe genannten Jugger-Spielgerät. Auch Schilde und Kettenbälle werden eingesetzt. Foto: Sonja Fiedler

Eins, zwei, drei: Jugger!“, schallt es über den Sportplatz des RSV Wullenstetten, 15 Kilometer von Ulm entfernt. Zehn Kinder und Jugendliche in zwei Teams rennen aufeinander zu, sie schwenken beklebte Schaumstoffrohre und jagen einen schwarzen, ballähnlichen Gegenstand.

Was verwirrend anmutet, ist für die Kinder eine klare Sache: Sie sind Jugger. Jeden Mittwoch trifft sich die Mannschaft von Trainer Thomas Eberwein auf dem Vereinsgelände in dem Ortsteil des bayerischen Senden, um zu trainieren und zu spielen. „Der Sport Jugger vereint Rugby und Fechten“, erklärt Eberwein. „Man muss ein Teamplayer sein und gewinnt taktisches Verständnis.“

Ziel des Spieles sei es, den „Jugg“ genannten Spielball in das „Mal“, ein nestartiges Zielfeld der Gegner, zu stecken. „Am Anfang liegt der Jugg in der Mitte. Jedes Team hat einen Läufer, nur der darf den Jugg in die Hand nehmen“, sagt Eberwein. Die Teamkameraden beschützen den Läufer mit „Pompfen“, den schwarzen Schaumstoffrohren in verschiedenen Größen.

Seinen Ursprung hat der Sport in dem Film „Die Jugger – Kampf der Besten“ von 1989. 2003 gründete sich die Deutsche Jugger-League, mittlerweile gibt es auch internationale Meisterschaften. Im Raum Ulm sind die Wullenstetter bisher die einzigen Jugger, die nächsten trainieren in Augsburg. „Das ist manchmal schade, wir können uns nicht mit anderen messen“, meint Eberwein.

Vor vier Jahren lernte sein Sohn den Sport bei der Stadtranderholung kennen. „Dort gibt es einen Betreuer, der das mit den Kindern spielt.“ Die Begeisterung hielt noch lange nach den Ferien an, die Kinder trainierten im eigenen Garten, Eberwein mimte den Schiedsrichter. Schließlich beschlossen sie, ein richtiges Team zu werden. Eberwein wandte sich an den Vorstand des RSV Wullenstetten. „Die haben gesagt: Wir wollen, dass sich der Verein weiterentwickelt.“

Die Jugger konnten in der Fußballabteilung unterschlüpfen, gehören seit einem Jahr zum Verein. Zehn Kinder trainieren als „Juggsky“-Team wöchentlich auf dem Vereinsgelände. Vorstand Helmut Herchel freut sich über die junge Sparte. „Es ist toll, mit welcher Euphorie die Kinder an die Sache rangehen. Die machen nicht nur Sport, die bauen ihre Geräte auch selbst“, sagt er. Juggs, Pompfen, Schilder und Ketten gibt es zwar mittlerweile zu kaufen, doch in Wullenstetten ist alles Handarbeit.

9 bis 14 Jahre alt sind die Jugger in Wullenstetten, eine große Spanne. Die Kleineren hätten es gegen die Größeren im Spiel schwer, sagt der Trainer. Nina, eine der Jüngsten und das einzige Mädchen bei den Juggsky, ist das egal. „Es macht halt Spaß“, sagt sie.

Die Regeln, die für den Zuschauer kompliziert wirken, scheinen für die Kinder kein Problem. „Wenn du es ein oder zwei Mal gespielt hast, hast du es drauf“, sagt Tarek. Manche der Kinder betreiben auch andere Sportarten wie Fußball. Warum sie zum Jugger-Training kommen? „Weil es lustig ist und vom Team her gut passt“, sagt Eberwein. „Und es ist ein außergewöhnliches Spiel, das gefällt ihnen.“

Für den Sommer hat der Trainer einen Ausflug mit seinem Team geplant, vielleicht nach Bamberg, wo große Turniere stattfinden. „Damit sie mal sehen, wie das ist.“ Und er hat einen Wunsch: „Es wäre gut, wenn wir noch Zuwachs bekommen.“

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Erstellt:
21. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. April 2018, 06:00 Uhr

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