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Kampf um den Ausbau

Auf der Gäubahn fahren keine ICE-Züge mehr

Die Bemühungen, den Ausbau der Gäubahn voranzutreiben, haben einen Rückschlag erlitten: Seit Sonntag fahren auf der Strecke Stuttgart - Zürich keine ICE mehr. Einige befürchten den Anfang vom Ende.

23.03.2010
  • PETRA WALHEIM

Stuttgart. "Wir machen weiter. Jetzt erst recht." Der CDU-Landtagsabgeordnete und Tuttlinger Landrat Guido Wolf gibt sich kämpferisch. Was sich derzeit auf der Gäubahn tut, kann ihm nicht gefallen. Wolf ist auch Vorsitzender des Interessensverbands Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn. Seit Jahren kämpft er mit den Vertretern von fünf Regionalverbänden und sieben Kreisstädten für den Ausbau der Strecke zwischen Stuttgart und Zürich. Die Planungen zum Gleisausbau zwischen Horb und Neckarhausen im Kreis Freudenstadt sind fast abgeschlossen. Da zieht die Bahn die ICE ab. "Das ist ein herber Rückschlag", sagt Wolf. "Wir müssen den ständigen Verschlechterungen entgegenwirken und den politischen Druck weiter erhöhen."

Gegen den Abzug der ICE von der Strecke haben vor gut einer Woche mehr als 40 Landtagsabgeordnete fraktionsübergreifend protestiert. In einer Erklärung machen sie sich für den Ausbau der Strecke und die Rückkehr der schnellen ICE mit Neigetechnik stark. Gleichzeitig verweisen sie darin auf den Staatsvertrag zum Ausbau der Strecke, den der Bund und die Schweiz im Jahr 1996 unterzeichnet haben. Der müsse eingehalten werden, betonen die Unterzeichner.

Doch danach sieht es im Moment nicht aus. Seit Sonntag fahren auf der Gäubahn keine ICE mehr, sondern Euro- und Intercity-Züge der Schweizerischen Bundesbahn. Sie brauchen für die Strecke von Zürich nach Stuttgart und umgekehrt rund drei Stunden. Ein ICE mit Neigetechnik schafft die Strecke in zwei Stunden und 45 Minuten.

Doch im vergangenen Jahr waren auch die ICE drei Stunden unterwegs. Denn seit dem 16. März 2009 durfte die Neigetechnik nicht mehr eingesetzt werden. Technische Probleme mit den Zugachsen nennt ein Sprecher der Bahn als Grund. Und deshalb seien die ICE nun auch ganz von der Strecke abgezogen worden. Die Folge ist, dass Reisende die Anschlusszüge in Stuttgart und Zürich nicht mehr erreichen. Der Bahnsprecher sagte jedoch zu, dass die Fahrpläne bis zum 13. Juni angepasst werden.

Ende 2012 sei die Schweiz fertig mit dem Ausbau ihres Schienennetzes zwischen Zürich und Schaffhausen, sagt Guido Wolf. Bis dahin sollte mit dem zweigleisigen Ausbau der Strecke zwischen Horb und Neckarhausen zumindest begonnen werden. Den Landrat und seine Mitstreiter treibt die Sorge um, die Gäubahn könnte ohne ICE so unattraktiv werden, dass deren Ausbau in Frage gestellt wird. Tatsächlich sind die Fahrgastzahlen rückläufig.

Deshalb soll der Ausbau verstärkt vorangetrieben werden. Für die Planung des vier Kilometer langen Abschnitts Horb - Neckarhausen haben die fünf Regionalverbände und sieben Kreisstädte 300 000 Euro zur Verfügung gestellt, informiert Rainer Kaufmann, Geschäftsführer des Interessensverbands Gäubahn und Direktor des Regionalverbandes Schwarzwald-Baar-Heuberg. Er und Guido Wolf sehen die Zukunft der Gäubahn optimistisch. Schließlich sei sie eine wichtige Verbindung im grenzüberschreitenden Fernverkehrnetz bis nach Italien. "Deshalb ist es notwendig, dass die ICE zurückkommen." Nach Aussage des Bahnsprechers sollen sie wieder eingesetzt werden, einen Termin konnte er aber nicht nennen.

Matthias Lieb, Landesvorsitzender des Umwelt- und Verbraucherverbands Verkehrsclub Deutschland (VCD), sieht für die Rückkehr der ICE schwarz. Solange die Strecke nicht ausgebaut ist, sieht er keine Chance für sie. Und für den Ausbau fehle das Geld, weil die meisten Mittel in "Stuttgart 21" flössen. Er schlägt eine Neukonzeption der Gäubahn ohne ICE vor. So könnten verlässliche Verbindungen hergestellt werden. Die seien wichtiger als ICE-Komfort.

Auf der Gäubahn fahren keine ICE-Züge mehr
Eurocity-Wagen aus der Schweiz rollen seit Sonntag als Ersatz für die ICE-Züge auf der Gäubahn. Auf dem Bild fährt der Zug durch Horb. Foto: Karl-Heinz Kuball

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23.03.2010, 12:00 Uhr
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