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Nach der schwarzen Wand

Auf dem verwüsteten Zeltplatz bei Aalen beginnt das mühsame Aufräumen

War es ein Tornado? Ein schwerer Sturm hat am Montag ein Camping-und Zeltplatz im Ostalbkreis verwüstet. Die Schäden sind gewaltig. Immerhin hat kein Zeltplatzbesucher bleibende Verletzungen erlitten.

21.08.2013
  • FABIAN ZIEHE

Abtsgmünd "Das war Kriegszustand", berichtet Zeltplatzbetreiberin Monika Hug vom Montagmittag: Erst kam eine schwarze Wand, dann sei die Naturgewalt mit Windstärke 130 über den Camping- und Jugendzeltplatz Hammerschmiede bei Abtsgmünd (Ostalbkreis) hinweggefegt. In einem Streifen von 50 Metern Breite und zwei Kilometern Länge flogen Zeltstangen, Camping-Gerätschaften und Wohnwägen durch die Luft.

Hugs Familie beobachtete das Unglück aus dem Haus heraus. Die zehn- bis 13-jährigen Kinder der Jugendfreizeit einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde aus dem nahen Böbingen waren beim Essen gesessen und dann in ein Waschhaus geflüchtet, berichtet Hug. So waren die 100 Teilnehmer und 30 Betreuer zusammen und nicht auf dem Platz verteilt. "Das wäre sonst viel schlimmer ausgegangen", sagt Hug.

Man kann froh sein, dass niemand bleibenden Schaden genommen hat - das bestätigen alle, die die Zerstörung nach den gerade mal zwei Minuten Unwetter gesehen haben. 27 Verletzte kamen zwar in umliegende Kliniken, ein zehnjähriges Mädchen sogar per Hubschrauber ins Stuttgarter Katharinenhospital. Doch das Kind habe keine Schäden an der Wirbelsäule erlitten, sagt der Pastor der Böbinger Gemeinde, Viktor Kasdorf. Es sei nur noch zur Beobachtung in der Klink. Die übrigen Schwerverletzten, drei Betreuer und eine 19-jährige Camperin, sowie alle Leichtverletzten konnten das Krankenhaus verlassen. Die Kinder, die betreut vom Roten Kreuz in einer Turnhalle untergebracht waren, wurden bis zum Abend von Angehörigen abgeholt. 120 Rettungskräfte waren am Montag im Einsatz.

Mittlerweile wurden die Reste des Lagers eingesammelt und in der Gemeinde in Böbingen sortiert. "Die meisten Zelte sind zerrissen, die Schäden sind extrem", sagt Kasdorf. Ein geliehenes Zelt mit 20 000 Euro Wert sei "komplett ruiniert". Ein Wohnwagen und Autos sind beschädigt. Die Polizei schätzt den Schaden auf 90 000 Euro. Die Böbinger Gemeinde steht nun am Rande der Existenz. "Wir sind dringend auf Spenden angewiesen", sagt Kasdorf. Doch: Das im Anschluss geplante Zeltlager mit älteren Teilnehmern versuche man stattfinden zu lassen. Es muss ja weitergehen.

Das gilt auch für den Zeltplatz. Dort geht die Polizei von 200 000 Euro Schaden aus: Das Dach einer Halle ist abgedeckt, viele Bäume sind umgeknickt, der Weg zum Zeltplatz-Check-In ist beschädigt und ein Boot ist 30 Meter durch die Luft geflogen. "Aber große Teile des Jahreszeltplatzes sind verschont geblieben", sagt Hug. Einige Dauercamper sind schon angereist, um Schäden zu sichten und anzupacken.

Hug ist von der Welle der Hilfsbereitschaft begeistert. So sei ihr Neffe mit sechs Arbeitskollegen angerückt. Mit ihm kamen Freunde und langjährige Campinggäste. "Das ist überwältigend", sagt Hug. Den Zeltplatz wollen sie offen halten, auch wenn die meisten Tagesgäste gegangen sind. "Wir werden aber sicher noch eine Weile aufräumen." "Die sind ganz schön fleißig ", lobt Thomas Ringhofer, Leiter des Presse- und Kulturamts von Abtsgmünd. Sein Chef, Bürgermeister Armin Kiemel, sei auch vor Ort, um mit Familie Hug das Vorgehen zu beraten.

War es nun eigentlich ein Tornado? Ein Augenzeuge berichtet von solch einem charakteristischen Rüssel. Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes, wartet lieber erst weitere Augenzeugenberichte, Bilder und Videos ab. Ein "Sturmjäger" habe dem Wetterdienst kurz zuvor noch ein starkes Gewitter mit Orkanböen bei Lorch gemeldet, das Richtung Osten und nach Abtsgmünd zog. "Aber er hat eben keinen Tornado gemeldet". Eine Verwüstung wie auf dem Zeltplatz könne etwa auch ein "Downburst" hervorrufen, also eine schwere Fallböe.

Was es auch war: Satelliten und Radar könnten vor solcher sehr lokalen Wetterphänomenen nicht warnen. Das Unwetter sei zu erkennen gewesen. "Meine Kollegen in Stuttgart hatten auch eine entsprechende Warnung herausgegeben", sagt Friedrich. Doch dass es Tornados und Downburst im Gepäck hatte, sei nicht vorherzusagen gewesen. Ihr Wüten kann man somit nur als Schicksalslaune nehmen.

Auf dem verwüsteten Zeltplatz bei Aalen beginnt das mühsame Aufräumen
Die Mitarbeiter des Jugendzeltlagers auf dem Campingplatz Hammerschmiede sammeln zusammen, was das Unwetter zurückgelassen hat. Viel Campingutensil allerdings ist nur noch Schrott. Foto: dpa

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21.08.2013, 12:00 Uhr
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