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Kommentar · Stadtgestaltung

Auf dem Weg in Mössingens Mitte

26.08.2016
  • SUSANNE WIEDMANN

Mössingen arbeitet an einem Stadtboulevard. Die Bahnhofstraße soll als Eingangstor zur neuen Mitte herausgeputzt werden. Da stört sich der moderne Blick an einem zweistöckigen Haus mit Ziergiebel, 1891 von Werkmeister German Munding in der Bahnhofstraße 11 errichtet. „Zur Neuplanung der Stadt Mössingen ist dieses Gebäude nicht mehr passend“, findet Günther Riehle von der Bauverwaltung.

Der Weg müsste eigentlich ein umgekehrter sein: Neue Bauprojekte geschickt in die historisch gewachsene Umgebung zu integrieren. Nichts macht ein Stadtbild vielfältiger, als wenn sich Vergangenheit und Gegenwart wirkungsvoll zusammenfügen. Stattdessen zwängten städtische Entscheidungsträger ein mächtiges Gesundheitszentrum und einen nicht minder wuchtigen Parkhausklotz in die Stadtmitte.

Zwar wird das Munding-Haus erst im nächsten Jahr für einen Neubau platt gemacht, aber der Garten ist bereits abgeräumt für einen Interims-Parkplatz. Das wie ein öder Behelfsbau wirkende Nachbarhaus darf jedoch bleiben. Es wird aufgestockt, damit die Passanten rechtzeitig auf die überdimensionierte Höhe des Gesundheitszentrums vorbereitet werden.

Hätten die für ihren schonungslosen Umgang mit historischer Bausubstanz – auch über die Stadtgrenzen hinaus – bekannten Mössinger nicht die Abrisskralle an zahlreiche markante Gebäude gesetzt, müsste die Stadt an ihrem provinziellen Aussehen gar nicht so verzweifelt herumkurieren. Zumindest nicht in der Bahnhofstraße: Denn sie war einst eine Meile mit auffällig städtischem Charakter. Als Mössingen 1869 an die Bahnlinie Tübingen-Hechingen angeschlossen wurde, entstand westlich des Dorfes der Bahnhof. Und in der neuen Bahnhofstraße wuchs als eines der ersten Gebäude ein Wirtshaus, ein glasierter Klinkerbau, empor. Als letzter seiner Art in Mössingen wurde er im Jahr 2001 abgerissen. In der Bahnhofstraße 9 wurde 1895 ein Lehrerwohnhaus gebaut, ein Doppelhaus mit Zwerchgiebeln. Niedergerissen: 1972. Das Gasthaus Rose, im Jahr 1905 an der Ecke Bahnhof-/Falltorstraße errichtet, ein imposantes Gebäude mit Zwiebeltürmchen und – wie die Bahnhofsgaststätte – mit glasierter Klinkerfassade. Abgebrochen: 1993. Das sind nur einige Beispiele.

Auch den alten, ortsbildprägenden Polizeiposten, 1893 gebaut, wollte die Stadt abreißen. Dann sammelte der Denkmalverein über 800 Unterschriften, die sich dagegen aussprachen. Mittlerweile hat ein junges Paar das historische Gebäude gekauft und restauriert.

Der Architekt German Munding baute um 1900 mindestens drei Wohnhäuser in der Bahnhofstraße. Darunter ein stattliches Gebäude mit Walmdach für sich und seine Familie in der Bahnhofstraße 20. Schon vor fast vierzig Jahren wurde es dem Erdboden gleich gemacht. Heute steht dort ein banaler Ladenblock.

Sabine Kraume-Probst vom Landesamt für Denkmalpflege kennt – nach eigenen Angaben – die Bahnhofstraße 11 nur von einem Foto aus dem Jahr 1999. Anhand des Bildes sah sie keinen Anlass, das Haus näher zu untersuchen, weil derartige Gebäude aus anderen größeren Städten bekannt und daher keine Seltenheit seien. Ob es für Mössingen interessant sei, könne sie aber nicht ohne weiteres beurteilen. Aus anderen größeren Städten? Mössingen war damals ein Bauern- und Handwerkerdorf. Da hätte die Denkmalpflegerin aufmerken müssen.

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26.08.2016, 01:00 Uhr
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