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Detailfest bis versessen

Auf dem IG-Metall-Vorsitzenden Jörg Hofmann ruhen viele Hoffnungen

Die mächtige Gewerkschaft IG Metall wählt sich einen Vorsitzenden. Dieser dürfte Jörg Hofmann heißen. Der Baden-Württemberger denkt nach vorne und ist für Neues offen - auch innerhalb der Gewerkschaft.

17.10.2015
  • THOMAS VEITINGER

Frankfurt Arbeit gibt es bekanntlich immer. Vor allem für Gewerkschafter. Es kommt nur darauf an, was für welche. Manchmal läuft es schlechter, manchmal besser. In diesem Jahr hätte nach den erreichten Erfolgen in Tarifrunden, der entspannten wirtschaftlichen Situation in den meisten Betriebe, Mitgliederzuwachs und guten Stimmung ein gutes Jahr werden können. Hätte. Dann aber kam der VW-Skandal.

Hätte etwas verhindert werden können? Was sind die Folgen? Die VW-Stadt Wolfsburg ist mit mehr als 80 000 Mitgliedern die größte Verwaltungsstelle der IG Metall Deutschlands. Gewerkschaftschef Detlef Wetzel will eine Mitschuld der Betriebs- und Aufsichtsräte nicht erkennen: "Die Mitbestimmung bezieht sich nicht auf die Frage, welche Komponenten in einen Motor eingebaut werden."

Beim 23. ordentlichen Gewerkschaftstag der IG Metall werden die Folgen der Abgas-Manipulation dennoch Thema werden. Von Sonntag bis Freitag treffen sich Delegierte in der Frankfurter Messe.

Im Mittelpunkt steht am Dienstag jedoch die Wahl des ersten Vorsitzenden, der mit fast absoluter Sicherheit Jörg Hofmann heißen wird. Die Position ist wichtig. Wie viele seiner Vorgänger kommt er aus dem mächtigen Bezirk Baden-Württemberg, wo die Autoindustrie und deren Zulieferer den Ton angeben. Der IG-Metall-Chef führt die mit 2,27 Mio. Mitgliedern größte Einzelgewerkschaft der Welt an und ist für die wirtschaftliche Entwicklung vieler Unternehmen entscheidend. Dies zeigt auch das politische Interesse: Kanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Sigmar Gabriel und Arbeitsministerin Andrea Nahles wollen nach Frankfurt kommen.

Der bisherige Stellvertreter Wetzels wird dem Vernehmen nach auch für den Aufsichtsrat bei Volkswagen vorgeschlagen werden. Hofmann befürchtet, dass der Abgasskandal Arbeitsplätze speziell in der Zulieferindustrie gefährdet. Trotz der auf Volkswagen zukommenden finanziellen Lasten durch umfangreiche Rückrufaktionen und Strafzahlungen sei die Gruppe jedoch "aus heutiger Kenntnis nicht existenzbedroht".

Als freiberuflicher Berater für Betriebsräte hat sich Hofmann vor seiner Gewerkschaftskarriere mit Rationalisierungskonzepten beschäftigt - Wissen, das er jetzt bei Volkswagen erneut gebrauchen kann. Erfahrungen als Aufsichtsrat hat der heute 59-Jährige bei Daimler und Bosch gesammelt. Als Sekretär war er in der Verwaltungsstelle Stuttgart unter anderem für den Autozulieferer Mahle und Maschinenbauer Trumpf zuständig.

Der aus dem Rems-Murr-Kreis stammende Tarifexperte ist in die großen Fußstapfen von Landeschef Berthold Huber getreten. Seine Feuerprobe bestand er im Jahr 2004 mit dem bis heute gelobten Pforzheimer Abkommen. Später mache er sich als zäher Verhandlungsführer mit Tarifabschlüssen und Themen wie Altersteilzeit und Leiharbeit einen Namen.

Hofmann gilt als detailfest bis versessen, als einer, der noch die allerletzte Stelle in einer Tabelle nachrechnet. Einer, der nach vorne schaut und auf Innovationen setzt. Dies kommt ihm bei anstehenden Aufgaben zugute: Belegschaften haben sich verändert und bestehen heute aus Jungen, Alten, Männern, Frauen, Migranten und Einheimischen und müssen in die digitalisierte Welt gebracht werden.

Nach intensiven Arbeitswochen vor allem in der Frankfurter Gewerkschaftszentrale und im Berliner Politikbetrieb versucht Hofmann, sich die Wochenenden einigermaßen freizuhalten und sie mit der Familie im heimischen Esslingen zu verbringen. Auch wenn er sonst Dialekt spricht, geschwäbelt wird bei den Hofmanns daheim übrigens nur selten. Mit seiner aus Portugal stammenden Frau redet der literaturbegeisterte Hofmann französisch oder portugiesisch, während die 14 Jahre alte Tochter eine Sprache beherrscht, die ihr Vater wohl auch an der Gewerkschaftsspitze nicht mehr lernen wird: Hochdeutsch.

Auf dem IG-Metall-Vorsitzenden Jörg Hofmann ruhen viele Hoffnungen
Fast sein ganzes berufliches Leben lang hat der 59 Jahre alte Diplom-Ökonom für die IG Metall gearbeitet. Foto: dpa

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17.10.2015, 12:00 Uhr
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