Meteorologen beobachten rund um die Uhr das Wetter

Auf dem Feldberg schmilzt der Schnee oft erst im August

Sie arbeiten in einer der höchsten und ungewöhnlichsten Wetterwarten Deutschlands. Auf dem Feldberg im Schwarzwald stehen Meteorologen im Wind. Und fast das ganze Jahr über auch im Schnee.

26.02.2013

Von JÜRGEN RUF, DPA

Feldberg Wind und Wetter sind ihr Beruf: Norbert Laile und seine Kollegen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) beobachten rund um die Uhr Wolken und Witterung. Sie registrieren Regen und Schnee, messen Luftdruck und Sonnenscheindauer. Vor ihrer Haustür bietet sich ein Wetter der Extreme. Die Meteorologen arbeiten auf dem Feldberg im Schwarzwald. Schnee liegt an dieser Wetterstation fast das ganze Jahr, der Wind bläst mit Autobahngeschwindigkeit. Höher ist nur die Zugspitze.

Den Weg zur Arbeit legt Laile in der Pistenraupe zurück. Mit dem Auto oder zu Fuß ist auf dem Berg im Winter kein Durchkommen. Der Schnee liegt meterhoch - monatelang. Vor die Tür kann sich Laile nur dick vermummt und mit schützender Brille wagen. "Als Kind wollte ich Polarforscher werden", sagt der 63-Jährige. Verschlagen hat es den gelernten Elektriker auf den 1493 Meter hohen Feldberg im Schwarzwald. "Mehr Polar gibt es in unseren Breiten nicht", sagt er.

Seit 40 Jahren arbeitet Laile hier als Wetterfachmann, heute ist er Leiter der Station. Außergewöhnlich ist deren exponierte Lage. Die 1914 gegründete Wetterwarte steht auf der höchsten Erhebung aller deutschen Mittelgebirge. Der letzte Schnee schmilzt hier im August, Neuschnee kommt oft schon im September. Kälterekord sind minus 31 Grad. Gemessen wurde er 1956.

Es regnet und schneit häufiger als anderswo. "Das Wetter fährt hier oben Achterbahn", sagt Lailes Kollege Günter Diez. Der 58-Jährige ist seit 1979 Wetterbeobachter auf dem Feldberg. Er arbeitet, wie seine Kollegen, im zwölf Meter hohen Beobachtungsturm der Wetterstation. Typisch für die Berge ist das wechselhafte Wetter. Schnell kann es umschlagen. Bei guten Bedingungen aber reicht der Blick von der Station im Osten 230 Kilometer weit bis zur Zugspitze und im Süden 243 Kilometer bis zum Mont Blanc.

Fünf Meteorologen schauen, nur wenige Meter unterhalb des Feldberggipfels, ständig auf die Witterung. Ihre Daten sind die Grundlage für Vorhersagen und Unwetterwarnungen, bilden die meteorologische Basis für den Luft- und Schiffsverkehr. Und sie machen Schadensvorhersagen möglich, zum Beispiel bei atomaren Zwischenfällen, aber auch Service wie den Blick auf den Pollenflug. Sensible Messinstrumente nehmen jederzeit Wetterdaten auf. Die Experten schauen und melden, wie sich Wolken und Sichtweiten entwickeln, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit oder wie der Niederschlag aussieht.

Am schlimmsten tobte Orkan Lothar. Er peitschte am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 mit Tempo 212 über den Berg. Er war so stark, dass die Stromversorgung zusammenbrach und die Messinstrumente lahmlegte. "Wir sind uns sicher, dass die Geschwindigkeit höher war", sagt Laile. "Aber offiziell ist immer nur der Wert, der zweifelsfrei gemessen wird."

Eindeutig ist die jährliche Durchschnittstemperatur. Sie liegt bei 3,3 Grad. In der Rheinebene, nicht weit entfernt, sind es über zehn Grad mehr. Eine Schönwetterstation ist der Feldberg nicht. Das markante Gebäude ist meist in den Wolken, an 262 Tagen im Jahr ist Nebel. Hinzu kommt die Einsamkeit. Rund um die Wetterwarte ist nur Natur.

"Wir sind eine aussterbende Art", sagt Laile. Von den deutschlandweit rund 50 dauerhaft mit hauptamtlichem Personal besetzten Wetterstationen sollen rund 30 übrig bleiben, sagt ein DWD-Sprecher. Auch auf dem Feldberg übernehmen, wenn Wetterbeobachter in Pension gehen, eigenständig arbeitende Messinstrumente deren Tätigkeit.

Zum Artikel

Erstellt:
26. Februar 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Februar 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2013, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+