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Auch ein Tübinger Lehrer stimmt den Schülern zu: „Unfaire Aufgaben“
Symbolbild: sabdesign85/Fotolia
Petition: War das Englisch-Abi zu schwer?

Auch ein Tübinger Lehrer stimmt den Schülern zu: „Unfaire Aufgaben“

Abiturienten aus Baden-Württemberg beschweren sich über unfaire Aufgaben – und bekommen nun Rückendeckung aus Tübingen.

25.04.2018
  • Lorenzo Zimmer

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe heute meine Abiturprüfung im Fach Englisch geschrieben.“ So beginnt die Petition, die seit dem vergangenen Freitag – dem Prüfungstag des schriftlichen Englisch-Abiturs in ganz Deutschland – online steht. Die Einleitung des Textes endet mit den Worten: „Das Abitur 2018 im Fach Englisch war unfair!“

30000 User haben diese Petition in den ersten Tagen unterschrieben. Hält man sich auf der Webseite auf, sieht man in einer Tickerzeile im Sekundentakt neue Namen aufploppen, die sich dem anonymen Verfasser anschließen.

Und auch das TAGBLATT erreichte wenige Tage nach der Prüfung ein Anruf. Ein Englisch-Lehrer eines Tübinger Gymnasiums möchte sich seinen Schülerinnen und Schülern ebenfalls anschließen. „Man konnte den Anforderungen gar nicht gerecht werden, weil die Aufgabenstellungen mehrdeutig waren“, so Herr Meyer (der Lehrer möchte seinen eigenen und den Namen seiner Schule nicht in der Zeitung lesen). Er sagt, dass die Petition von Schülern in Baden-Württemberg stammt und auch von vielen seiner Schüler unterzeichnet wurde: „Es geht gar nicht darum, dass das Abi anspruchsvoll ist, soll es ja sein. Aber das war unfair.“

Meyer berichtet, dass es sich aus seiner Sicht um die Fortsetzung einer Entwicklung handelt: „Die Literatur kommt immer kürzer vor, es geht um Themen, auf die die Schüler im Lehrplan nicht richtig vorbereitet wurden.“ Alles zusammen sei eine Entwicklung, „die gar nicht gut ist“, so Meyer.

Was war konkret unfair am diesjährigen Englisch-Abitur? Die Schüler beschreiben es in ihrer Petition ausführlich, Meyer fasst es so zusammen: „Die Multiple-Choice-Fragen sind oft so, dass man selbst als Lehrer sagt: A könnte richtig sein, B aber auch.“

Bei der Kritik gehe es ihm nicht um plumpe Schelte der Prüfungskommission, wohl aber darum, dass sich etwas ändert: „Bei einer Aufgabe musste in der Vergangenheit immer ein Beispiel im Text gefunden werden, dieses Mal waren es plötzlich zwei – aber die Punktzahl, die man dafür bekam, ist gleichgeblieben.“ Solche Dinge seien „schlicht unfair.“ Genauso wie die Tatsache, dass es sich beim zu analysierenden Text in diesem Jahr um Prosa aus den 30er-Jahren gehandelt hat. „Da gab es bisher immer einen gut zu verstehenden Zeitungsartikel. Jetzt war es ein Text, der eine einzige Metapher war“, so Meyer.

Das Kultusministerium hat inzwischen in einer Pressemitteilung auf die Kritik reagiert und verteidigt sich damit, dass der gleiche Text auch in Mecklenburg-Vorpommern fürs Abitur verwendet worden sei. Eine Erklärung, die Meyer noch mehr verärgert. „Das regt mich richtig auf, weil sie sich rausreden. Was sie nämlich nicht sagen, ist, dass in Mecklenburg-Vorpommern ganz andere Aufgaben zu dem Text gestellt wurden.“ Diese, so Meyer, liegen ihm vor. „Sie waren leichter.“ Gegen anspruchsvolle Aufgaben habe er nichts, aber: „Es sollte nicht durch schlechte Formulierung der Aufgaben oder eine schlechte Systematik noch schwerer werden!“

Meyer berichtet außerdem, sich in den vergangenen Jahren immer wieder ans Regierungspräsidium (RP) gewandt zu haben, weil das Englisch-Abitur immer schwerer wurde. Dort habe man ihn nur vertröstet. „Mir und anderen Kollegen, die sich unabhängig von mir dort gemeldet haben, wurde jeweils gesagt, dass wir die einzigen seien, die sich darüber beschweren.“

Ein Vorwurf, den das RP zurückweist: „Jährlich gehen zahlreiche Rückmeldungen zu Abiturprüfungen beim Regierungspräsidium Tübingen ein.“ Auf diese Rückmeldungen sei man „angewiesen“ und ein sorgsamer Umgang damit deshalb „selbstverständlich.“ Kritik – an der Prüfung oder den Aufgabenformaten – werde stets an das zuständige Kultusministerium weitergegeben.

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25.04.2018, 09:45 Uhr
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