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Feuilleton

Auch das noch: Harald Schmidt singt Mozart

Ein Klassiker: Zusammen mit Concerto Köln trat Harald Schmidt in der Stuttgarter Liederhalle auf. Jetzt singt er auch noch. Und sogar Mozart.

21.02.2012

Von JÜRGEN KANOLD

Stuttgart Concerto Köln gehört zu den herausragenden Orchestern der historischen Aufführungspraxis, und Harald Schmidt ist als Lästermaul praktisch eine historische TV-Größe, die sich in den Late-Night-Shows ziemlich aufführt. Beide haben ihr Publikum - aber wer gehört zur Schnittmenge und zahlt bis zu 86 Euro für den Platz?

Die Stuttgarter Liederhalle war nur zur Hälfte gefüllt bei dieser Tournee-Produktion, die mit Mozarts Singspiel "Der Schauspieldirektor" auf den Plakaten geworben hatte. Fürs Eintrittsgeld aber bekam der Zuhörer weit mehr vom großartigen Concerto Köln: auch die Sinfonie Nr. 4 des aus Wertheim stammenden, in Paris gefeierten Sturm-und-Drang-Komponisten Henri-Joseph Rigel (1741-1799) sowie die 1. Sinfonie Ludwig van Beethovens. Das von Konzertmeister Markus Hoffmann angeführte Orchester spielte das - im Stehen, als wogendes Klang-Biotop - so erfrischend, so geistreich, so vollsaftig, wie man solche Klassik eigentlich nicht mehr anders hören will.

Und Dirty Harry und die Klassik? Harald Schmidt kokettiert ja gerne mit seiner Vergangenheit als C-Prüfungs-Kirchenmusiker, er hat schon Geigenstar Anne-Sophie Mutter mit dem Klavier begleitet und ein Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker moderiert - und jetzt also Mozarts "Schauspieldirektor". Das kaiserliche Auftragswerkchen stammt aus dem Jahre 1786, als Mozart auch die "Hochzeit des Figaro" schuf, und handelt, ganz aus dem Leben gegriffen, vom Wettstreit zweier Primadonnen. Harald Schmidt übernahm nicht nur die Rolle des plaudernden, von Finanzsorgen geplagten Schauspieldirektors Buff und sprach selbst geschriebene Zwischentexte - er holte grundsätzlich aus zum großen satirischen Rundumschlag gegen den Theater- und Opernbetrieb: kenntnisreich, bissig, meist lustig. Das Problem bei zwei Diven an einem Opernhaus sei immer: "Wer singt die A-Premiere und wer die Sonntagnachmittagvorstellung in Bietigheim-Bissingen?"

In der Liederhalle war die Sache relativ klar: Julia Bauer lag mit ihrer Koloraturen-Röhre als Madame Herz vor der edeltimbrierteren Yeree Suh als Mademoiselle Silberklang. Harald Schmidt schlug sich im Schlussgesang mit Kirchenchor-Bass dann ganz wacker. Apropos Kirchenchor: Die singenden Damen des schwäbischen "Pietcong" bekamen ihr Fett ab. "Diese Frauen haben sich früher nicht an Bäume gekettet, sondern an den Dirigenten."

Harald Schmidt lästert über den Opernbetrieb und singt Mozart.

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Erstellt:
21. Februar 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Februar 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2012, 12:00 Uhr

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