Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Auch BMW soll betrogen haben
BMW verweist auf behördliche Tests, die keine Belege für Manipulationen erbracht hätten. Foto: dpa
Diesel-Skandal

Auch BMW soll betrogen haben

Die Deutsche Umwelthilfe sieht klare Indizien für unzulässige Abschalteinrichtungen im Modell 320d. Der Autohersteller dementiert und kündigt an, sich zu wehren.

06.12.2017
  • MARTIN HOFMANN

Berlin. Zwei Tage vor der Entscheidung der EU-Kommission, Deutschland wegen des Nichteinhaltens der EU-Luftreinhaltevorgaben in 28 Gebieten vor dem Europäischen Gerichtshof zu verklagen, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) neue Abgasuntersuchungen zu einem Dieselfahrzeug von BMW vorgestellt. Es handelt sich um einen 320d, Baujahr September 2016, ausgestattet mit einem 2,-Liter-Dieselmotor. Die Messergebnisse „zeigen klare Indizien, dass unzulässige Abschalteinrichtungen vorhanden sind“, wirft DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch dem Autobauer auf einer Pressekonferenz in Berlin vor.

Zwar erreiche das Auto im Zulassungstest auf dem Prüfstand bei Stickoxid-(NOx)-Emissionen ein sehr gutes Ergebnis. Auch bei einer um 10 Prozent höheren Geschwindigkeit erfülle es die Euro-6-Norm im Labor. Bei Messungen auf der Straße steigt der NOx-Ausstoß bei gleichen Fahrzyklen jedoch auf den 7,2 fachen Wert.

Rückführung abgeschaltet

Vertiefte Untersuchungen sowie Softwareanalysen wiesen darauf hin, dass die Abgasrückführung des Pkw oberhalb einer Drehzahl von 3500 Umdrehungen komplett abgeschaltet werde. Diese Drehzahl erreicht ein Fahrer bereits bei Geschwindigkeiten von 47 km/h im zweiten, bei 70 km/h im dritten, bei 87 km/h im vierten und 112 km/h im fünften Gang. Der Software-Experte Lothar Daub erklärte dazu, die Abschaltung der Abgasrückführung sei in der Motorsteuerung hinterlegt. Neben der Drehzahl werde auch das Drehmoment – die Übertragung der Kraft auf den Antrieb – für die Abschaltung des Abgassystems genutzt.

Dies sei laut EU-Verordnung zur Typzulassung von Fahrzeugen aus dem Jahr 2007 nicht zulässig, erklärte Axel Friedrich, Leiter des Emissionen-Kontrollinstituts der DUH. Der promovierte Chemiker und Abgasexperte leitete bis 2008 die Abteilung Verkehr des Umweltbundesamts. Als Abschalteinrichtung definiert die Verordnung ein Konstruktionsteil, das unter anderem die „Motordrehzahl ermittelt, um die Funktion eines beliebigen Teils des Emissionskontrollsystems zu aktivieren, zu verändern, zu verzögern oder zu deaktivieren“.

BMW erklärt dazu: „Wir wehren uns entschieden gegen die erhobenen Vorwürfe und weisen diese zurück.“ Fahrzeuge des Unternehmens seien nicht manipuliert. Dies hätten auch behördliche Nachprüfungen immer wieder belegt. „Die für die Abgasbehandlung erforderlichen Kontrollsysteme decken in ihrer Wirksamkeit die typischen Kundenfahrweisen vollumfänglich ab.“ Die Münchner werfen der DUH vor, ohne sie zu nennen, „plakative Emissionswerte zu konstruieren“ und kündigen an, sich „gegen falsche Berichterstattung mit allen Mitteln“ zu wehren. BMW fiel im Abgasskandal bisher wenig auf. Gegen das Unternehmen wurde nicht ermittelt.

Die DUH entgegnet, sie hätte bereits bei moderaten Beschleunigungen stark erhöhte Abgasemissionen bei diesem Automodell gemessen. Die Umweltorganisation fordert BMW nun auf, „alle in ihren Fahrzeugen verbauten, nach Außentemperatur, Drehmoment oder Motordrehzahl gesteuerten Abschalteinrichtungen zu entfernen“.

Das Bundesverkehrsministerium lässt die Vorwürfe nun prüfen. Das Kraftfahrt-Bundesamt sei „unmittelbar nach Bekanntgabe der Vorwürfe“ beauftragt worden, ihnen nachzugehen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

06.12.2017, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular